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Therapieabbruch trotz Depressionen

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 14.04.16

Ursprungsanfrage
An das Team vom Sorgentelefon:
Hallo liebe Berater des Sorgentelefons,
ich bräuchte dringend eure Hilfe. Ich mache mir echt Sorgen um meine beste Freundin. Sie leidet seit einigen Jahren an einer schweren Depression, die von einem Psychologen diagnostiziert wurde. Sie hat dagegen auch Tabletten verschrieben bekommen und ist gerade mitten in einer Therapie. Das Problem ist, dass sie die Tabletten nicht mehr nehmen möchte und die Therapie möchte sie auch nicht mehr. Sie sieht überhaupt kein Sinn mehr darin. Sie wurde leider auch misshandelt, was nicht so lange her ist und ihre Eltern behandeln sie ganz schlecht. Sie spionieren sie nur aus. Sie möchten alles unter Kontrolle haben und machen Sie dazu noch sehr schlecht und nehmen ihre Krankheit überhaupt nicht ernst. Sie zeigen kein Verständnis. Sie ist jetzt volljährig und ist von zu Hause ausgezogen, weil sie es nicht mehr daheim ausgehalten hat. Sie ist zu ihrem Freund gezogen, der sie ganz schlecht behandelt. Er schlägt sie ständig und wird total schnell hysterisch. Er ist auch so ein Konrollfreak, der um jeden Preis alles wissen will und ihr Handy durchsucht, um alles zu erfahren. Wenn sie nicht das tut, was er von ihr möchte, wird er wütend und schlägt sie und sperrt sie auch zu Hause ein... Ich habe ihr gesagt, dass sie sich bitte von ihm trennen soll, aber das kann sie nicht.

Da ist leider noch ein Problem: Ihr Ex- Freund schreibt sie ständig an und ruft ununterbrochen an. Er stalkt sie schon fast. Er hat sie auch ständig geschlagen und er ist nur auf Geschlechtsverkehr fixiert. Sie merkt es nur leider nicht und sie liebt ihren Ex noch. Ich habe Angst, dass sie zu ihrem Ex zurück geht. Der ja noch viel schlimmer ist, als der jetzige.
Sie reagiert leider auf keinen meiner Anrufe oder auf Nachrichten nur selten. Und das macht mir echt Sorgen. Zudem fragt mich ihre Mutter ständig, wo sie ist und ob ich was von ihr gehört habe. Sie spioniert auch sehr in ihrem Leben herum. Bitte helft mir. Ich weiß nicht, wie ich mich meiner besten Freundin gegenüber verhalten soll. Ich möchte Sie nicht ständig fragen, was los ist.

Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Anna
Susanne Bodin
Liebe Ratsuchende,
vielen Dank für Ihre Offenheit und das Vertrauen in unser Sorgentelefon.
Ich finde es sehr schön, dass Sie sich um Ihre beste Freundin kümmern und dass Ihnen ihr Wohlergehen am Herzen liegt. Ich kann gut verstehen, dass Ihnen die Situation Ihrer Freundin nahegeht und dass Sie sie auch nicht bedrängen möchten mit Ihren Hilfsangeboten. Das ist vor dem Hintergrund der schwierigen Verhältnisse, in denen Ihre Freundin lebt, auch absolut nachvollziehbar. Man möchte niemandem zu nahe treten, wenn man merkt, dass er jegliche Angebote abblockt, und da zieht man sich eher zurück - das ist auch normalerweise in Ordnung, aber ich glaube, in diesem Fall ist es etwas anderes, wenn Sie nicht lockerlassen und weiter versuchen, Ihrer Freundin zur Seite zu stehen. Wenn Leib und Leben bedroht sind, dann meine ich, muß man eine Ausnahme machen und ich finde es völlig richtig, dass Sie das nicht mit ansehen können.
Die Frage ist natürlich, wie sie ihr am besten helfen können.
Ich denke, die einzige Möglichkeit ist, dass Sie noch einmal das Gespräch mit Ihrer Freundin suchen - vielleicht laden Sie sie einfach einmal ein und sagen, Sie möchten etwas mit ihr besprechen und lassen offen, worum es geht. Man kann sich ja auch ohne Grund einmal zum Kaffee treffen. Und bei diesem Gespräch versuchen Sie Ihrer Freundin zu sagen, dass es absolut wichtig ist, dass sie noch einmal ihren Psychotherapeuten aufsucht, dass sie unbedingt mit der Therapie fortfahren sollte und dass es unerlässlich ist, dass Sie weiterhin ihre Medikamente nimmt. Sie können ihr sagen, dass es mittlerweile Medikamente gibt, die nicht abhängig machen und die dafür sorgen, dass sie die Botenstoffe, die ihr fehlen, ersetzt werden und dass es ihr dadurch besser geht.
Bei Ihrer Freundin geht es aber nicht nur um die Depression, sondern sie hat sehr viel Schlimmes erlebt und ist deswegen traumatisiert. Aus diesem Grunde wäre es wichtig, dass sie sich einen Psychotherapeuten sucht, der auf Traumatherapie spezialisiert ist und dass sie dort eine solche Therapie macht. Es ist wichtig, dass sie die Medikamente nimmt, aber es geht auch darum, dass die Ursachen für die psychische Situation Ihrer Freundin aufgedeckt und behandelt werden, denn sonst hat die medikamentöse Therapie allein auf lange Sicht nicht den erwünschten Erfolg.
Si fragen sich zum Beispiel, warum Ihre Freundin sich immer wieder Freunde sucht oder sich mit Männern umgibt, die sie schlagen und dass das eigentlich unverständlich ist vor dem Hintergrund, dass sie doch in der Vergangenheit immer schon die Erfahrung der Mißhandlung gemacht hat. Sie haben recht, man kann das nicht verstehen und es ist auch rational nicht zu erklären. Es ist aber so, dass jemand, der schlimme Erfahrungen gemacht hat in Bezug auf Mißhandlung, sich im weiteren Leben unbewusst wieder Menschen "sucht", die ihn mißhandeln oder schlecht behandeln. Es ist sehr kompliziert zu erklären, weil es unbewusst abläuft, aber man kann sich das so vorstellen, dass es sich für diese Menschen "gewohnt" oder "vertraut" anfühlt, auch wenn es ihnen wehtut und auch wenn es eine schlechte Behandlung ist. Diese Menschen fühlen sich total wertlos und bekommen auf diese Weise wieder die Bestätigung, dass sie nicht mehr verdient haben als schlecht behandelt zu werden. Sie haben Angst vor Veränderung, und sie haben auch Angst vor positiver Veränderung, deshalb fallen sie wieder in dieses Muster zurück, das für sie zwar unangenehm, aber vertraut ist, und so haben sie wenigstens das Gefühl des Vertrauten. Veränderung erfordert immer Mut und Kraft und diese Kraft haben diese Menschen in einer solchen Lage nicht.
Vor diesem Hintergrund werden Sie auch verstehen, warum es nichts bringt, Ihrer Freundin zu raten dass sie sich von ihrem Freund trennen soll, denn da diese Verhaltensmuster unbewusst ablaufen, wird Ihre Freundin das rational auch wollen, aber sie kann es nicht. Sie kann sich nicht von diesem Muster trennen und deshalb bleibt sie auch bei ihrem Freund, weil sie dort das Gefühl des Vertrauten hat und sich daran klammert. Es ist deshalb unheimlich wichtig, dass Ihre Freundin eine Traumatherapie macht, denn dort werden diese Muster durchbrochen, Ihre Freundin wird lernen, sich wieder wertzuschätzen und sie wird langsam aus dem Teufelskreis herauskommen.
Versuchen Sie irgendwie, ein Gespräch mit Ihrer Freundin zu führen, in dem sie ihr das alles so erklären, und vielleicht bieten Sie ihr an, dass Sie sie zu dem Termin beim Psychotherapeuten begleiten, denn dann fühlt sie sich nicht so alleine und hat jemanden, der ihr Rückhalt bietet. Begleitend dazu wäre es auch sinnvoll, dass sie sich um eine Selbsthilfegruppe bemühen für Frauen, die Mißhandlungen erlebet haben, denn auch dort wird Ihre Freundin das Gefühl bekommen, nicht alleine zu sein und es macht Mut zu sehen, dass auch andere Frauen diesem Schicksal entgegentreten und für sich sorgen. Man bekommt auch Hilfsangebote und wird motiviert, sich aus diesem Teufelskreis zu lösen, indem man etwas unternimmt.
Wenn die Situation ganz schlimm wird, kann Ihre Freundin auch jederzeit in ein Frauenhaus gehen, dort wird sie geschützt und bekommt weitere Hilfsangebote sowie einen geschützten Raum, in dem sie Abstand gewinnen kann von dem häuslichen Umfeld. Da Ihre Freundin volljährig ist, kann sie ohne weiteres alle Angebote selbst beantragen und sie kann frei entscheiden, was sie unternehmen möchte, braucht also nicht die Erlaubnis der Eltern.
Ihre Freundin kann sich glücklich schätzen, dass es Menschen gibt wie Sie, die nicht wegsehen und die sich kümmern, deshalb haben Sie nicht das Gefühl, Ihre Freundin zu bedrängen, es ist einfach wichtig, nicht lockerzulassen. Auch wenn Sie erst einmal negative Reaktionen bekommen, sollten Sie das nicht persönlich nehmen - Ihre Freundin ist in einer Ausnahmesituation und ist somit völlig überfordert. Sie weiss im Innersten selbst, dass sie etwas verändern muß, hat aber gleichzeitig Angst, das nicht durchzustehen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Freundin alles Gute und hoffe, dass Sie es schaffen, Ihre Freundin zu einem Therapiebeginn zu bewegen.
Sie können sich jederzeit wieder melden!

Viele Grüße

Ihre Beraterin Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Beraterin,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Sie haben mir sehr geholfen, ihr Verhalten besser zu verstehen. Danke dafür. Ich versuche, das umzusetzen, was sie mir geraten haben. Ich habe da noch eine Frage: In den Situationen, wo es ihr ein wenig besser geht, schreibt sie mit mir. Aber sobald es konkret wird oder ich sie was konkretes frage, blockt sie ab oder schreibt selten was dazu. Ist das normal? Und was sollte ich ihr z.B. gar nicht sagen, was sie vielleicht falsch verstehen könnte?

Liebe Grüße,
Anna
Susanne Bodin
Liebe Ratsuchende,
schön, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte und dass Sie versuchen, den Kontakt mit Ihrer Freundin aufrecht zu erhalten.
Dass Ihre Freundin eine Abwehrreaktion zeigt, wenn Sie auf das Thema zu sprechen kommen, um das es ja geht, ist eigentlich normal. Ihre Freundin muß ja irgendwie mit der Situation zurechtkommen und den Alltag bewältigen, deshalb versuchet sie, so gut es geht, das alles zu verdrängen. Wenn man sich mit der Vergangenheit oder auch mit der momentanen Situation ernsthaft auseinandersetzt, macht das ja erst einmal Angst und deshalb versucht man intuitiv, alle negativen Gedanken auszublenden. Das ist ein Schutzmechanismus der Seele, damit es nicht zu wehtut und damit man irgendwie weiterleben kann. Sie kennen das vielleicht von Unfällen, da verspürt ein Mensch trotz schwerster Verletzungen in dem Moment auch keinen körperlichen Schmerz, weil das gar nicht aushaltbar wäre. Und so ähnlich ist es auch mit seelischen Schmerzen, der Körper lässt nur so viel Schmerz zu, wie es gerade irgendwie auszuhalten ist und alles andere wird unbewusst abgeblockt. Deshalb ist eine Therapie ganz wichtig, denn dort wird man Schritt für Schritt versuchen, die Traumata aus der Vergangenheit zu bewältigen und Ihre Freundin wird lernen, trotz dieser Erfahrungen wieder Freude am Leben zu empfinden und die Erinnerungen werden nicht mehr so bedrohlich und schmerzhaft sein. Sie wird einen Weg finden, damit umzugehen und wird dann auch darüber sprechen können. Das erfordert aber Unterstützung und fachliche Begleitung.

Ich kann verstehen, dass Sie unsicher sind, was Sie sagen sollen oder nicht. Ich denke aber, Sie sollten nicht zu viel darüber nachdenken. Sie haben sicherlich Taktgefühl und werden nichts sagen, was Ihre Freundin verletzen könnte und alles andere wird Ihnen Ihre Freundin schon widerspiegeln, indem sie entweder nicht darauf reagiert oder aber es aufnimmt und erst einmal darüber nachdenkt. Es ist ja auch schwer, vor anderen Menschen einzugestehen, dass man in einer solchen Situation ist und manchmal schämt man sich vielleicht auch dafür. Je mehr Ihre Freundin merkt, dass Sie es gut mit ihr meinen, desto weniger wird sie dieses Schamgefühl Ihnen gegenüber haben.
Sie können nichts falsch machen, Sie helfen Ihrer Freundin und das erfordert schon höchsten Respekt, machen Sie sich keine Sorgen darüber, ob irgendetwas vielleicht nicht richtig formuliert ist. Die Botschaft, dass Sie ihr helfen wollen, kommt auf jeden Fall an und deshalb hören Sie einfach auf Ihr Bauchgefühl und sagen das, was Sie meinen. Es gibt da kein richtig und falsch, wichtig ist, dass Sie ihr zur Seite stehen, und das tun Sie ja.

Viele Grüße und alles Gute,

Ihre Beraterin Susanne B.

Ihr(e) Berater(in)

Susanne Bodin

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