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Seit dem Tod meiner Frau habe ich keinen Spaß mehr am Leben

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 07.04.16

Ursprungsanfrage
Hallo,
ich weiß nicht mehr weiter. Meine Frau ist vor einem Jahr verstorben, trinke seit dem sehr viel, habe keinen Spaß mehr am Leben und mag eine Frau, mit der ich viel Gemeinsamkeiten habe, aber die leider eine Familie hat. Denke mal, ich bin nur einsam, fühlt sich aber an wie verliebt sein, bin ein wenig verzweifelt.
Was kann ich dagegen machen?
Susanne Bodin
Lieber Ratsuchender,
ich kann mir vorstellen, wie schwer die Situation für Sie sein muss und dass Sie sich nach dem Tod Ihrer Frau sehr einsam fühlen.
Wenn der Partner oder eine einem nahestehende Person stirbt, dann ist der Mensch in einer Ausnahmesituation. Zunächst gibt es meistens viel zu tun, zu erledigen und zu organisieren, und man funktioniert einfach nur und macht das alles automatisch, ohne darüber nachzudenken.
Nach einer gewissen Zeit aber kommt der Mensch zur Ruhe und hat Zeit und Gelegenheit, sich mit dem Tod des geliebten Menschen sowie mit der neuen Situation auseinanderzusetzen.
Dabei ist es so, dass die Trauer in verschiedenen Phasen abläuft, trotzdem ist jeder Mensch anders und hat seine individuelle Art der Trauer - der eine möchte lieber alleine gelassen werden, der andere sucht die Gesellschaft anderer Menschen.
Allerdings ist es entscheidend, dass man sich wirklich seinen Gefühlen stellt und sich auch ehrlich mit der Trauer auseinandersetzt und nicht darüber hinweggeht, weil man Angst hat, dass es zu wehtun könnte, was ja auch berechtigt ist.
Deshalb könnten Sie sich fragen, ob Sie sich wirklich mit Ihren Gefühlen beschäftigt haben, ob Sie sich die Zeit genommen haben, Abschied zu nehmen oder ob Sie die Gefühle unterdrückt haben und es Ihnen scheinbar relativ gut ging. Vielleicht haben Sie den Alltag weitergeführt, um eine Struktur zu haben und haben Angebote von anderen, Ihnen beizustehen und zu helfen, abgelehnt, weil Sie niemanden belasten wollten. Das ist zwar verständlich, aber es wäre sehr wichtig, dass Sie sich nun, nach einem Jahr, Hilfe und Unterstützung suchen, entweder dass Sie sich mit guten Freunden austauschen und auch wirklich über Ihre Trauer sprechen oder dass Sie sich vielleicht einer Selbsthilfegruppe für Menschen anschließen, die auch einen Partner oder eine nahestehende Person verloren haben. Dort könnten Sie sich mit Menschen austauschen, die ähnliches wie Sie erlebt haben und die verstehen, wie es ist, wenn man zurückbleibt mit seinen Gefühlen der Einsamkeit und Traurigkeit. Sie müssen sich dort nicht erklären, denn die Menschen dort werden Sie verstehen und Sie selbst sehen, dass es noch viele andere Menschen gibt, die auch in dieser Situation sind und Sie merken so, dass Sie nicht alleine sind. Sie können dort erfahren, wie andere damit umgehen und wie sie es schaffen, weiterzuleben, ohne den Partner. Es ist einfach wichtig, über die eigene Befindlichkeit zu sprechen und das nicht alles herunterzuschlucken, denn sonst kommt diese ganze Trauer irgendwann geballt zum Vorschein und das ist dann umso mehr belastend. Sie finden bei Ihrem örtlichen Gesundheitsamt Listen mit Selbsthilfegruppen, es gibt aber auch kirchliche Trauergruppen, erkundigen Sie sich doch einmal. Vielleicht reicht es Ihnen aber auch, sich wieder mit guten Freunden zu treffen und mit ihnen über Ihre Situation zu reden. Freunde und Verwandte sind manchmal sehr unsicher und oftmals sind sie froh, wenn der Betroffene von selbst auf sie zugeht und sagt, dass er gerne darüber reden möchte.
Sie könnten auch überlegen, ob Sie eine Möglichkeit finden, sich selbst etwas Gutes zu tun, nämlich indem Sie wieder einem Hobby nachgehen, das Ihnen Freude bereitet oder sich irgendetwas suchen, das Ihnen Spaß macht und das Ihnen wieder etwas Lebensfreude vermittelt. Sie könnten dann auch überlegen, das in einer Gruppe zu tun und wieder Menschen kennenlernen, damit Sie aus Ihrer Einsamkeit herauskommen. Das geht natürlich alles nur in kleinen Schritten, aber machen Sie den ersten Schritt und wenn es Ihnen gut tut, dann kann das ja ausgebaut werden. Sportliche Aktivitäten helfen beispielsweise, Bewegung an der frischen Luft können Sie auch erst einmal alleine beginnen, um dann möglicherweise einer Gruppe beizutreten und wieder in Gesellschaft zu kommen.

Nun haben Sie in dieser Phase der Trauer eine Frau kennengelernt und wissen nicht, wie Sie mit Ihren Gefühlen umgehen sollen.
Ich kann Ihnen keinen Rat geben, ob es gut ist, diese Beziehung auszubauen oder ob es besser wäre, das zu lassen, denn das müssen Sie ganz alleine entscheiden und es wäre vermessen, Ihnen entweder zu der einen oder der anderen Entscheidung zu raten.
Ich denke aber, es wäre gut, dass Sie zunächst den Schritt gehen, den ich Ihnen dargelegt habe, nämlich sich erst einmal um sich selbst zu kümmern, sich Zeit zu lassen und sich mit Ihrer Trauer auseinanderzusetzen, bevor Sie eine Beziehung zu einer Frau beginnen. Das ist eine sehr individuelle Sache - es gibt Menschen, die schon kurz nach dem Tod des Partners eine neue Beziehung eingehen und bei denen das dann auch funktioniert, weil einfach alles passt, und dann ist es natürlich ein großes Glück. Oftmals sind es zwei Menschen, die beide einen Partner verloren haben und die einander dann auch sehr gut verstehen können. Man sollte auch diesbezüglich gar keine Zeitschiene setzen, denn das ist von den beteiligten Personen abhängig und von der Situation, in der sich beide befinden.
Es ist aber immer ratsam, dass man sich selbst einigermaßen stabil fühlt, um wieder Gefühle aufbauen zu können für eine andere Person und vor allem, um auch Problemen begegnen zu können, die Beziehungen nun mal mit sich bringen können.
Sie schreiben, dass Ihre Bekannte eine Familie hat und da wäre natürlich zu überlegen, welche Zukunftsaussichten eine solche Beziehung hätte und ob Sie den Problemen gewachsen wären, die das mit sich bringen könnte. Suchen Sie doch auch ganz in Ruhe das Gespräch mit dieser Frau und versuchen Sie herauszufinden, wie denn ihre Gefühle Ihnen gegenüber sind und ob sie bereit wäre, sich auf eine Partnerschaft einzulassen. So sehen Sie, ob es auf beiden Seiten ehrliche Zuneigung ist, denn es ist ja ganz wichtig, dass Sie so kurz nach einem solchen Schicksalsschlag nicht sofort eine Enttäuschung erleben, die Sie dann auch wieder traurig macht.
Überstürzen Sie momentan nichts, lassen Sie es einfach so weitergehen und wer weiß, vielleicht entwickelt sich ja mit der Zeit eine wirklich feste Freundschaft, aus der dann auch eine Beziehung werden könnte, aber stellen Sie sich jetzt selbst erst einmal in den Vordergrund und schauen Sie, dass Sie etwas für sich tun und dass Ihr seelisches Wohlbefinden wieder gestärkt wird. Wenn Sie daran beginnen zu arbeiten, dann wird sich alles andere von alleine ergeben und Sie werden dann auch merken, ob Ihre Gefühle für diese Frau echt sind oder ob sie nur Ihrer Einsamkeit entsprungen sind, wie es ja momentan der Fall sein könnte. Es ist schwierig, das aus der jetzigen Situation zu beurteilen, aber Sie werden, wenn Sie etwas stabiler sind, das selbst herausfinden.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, Sie können sich jederzeit wieder per E-Mail melden oder aber auch unsere telefonische Möglichkeit der Kontaktaufnahme über unser Sorgentelefon nutzen, wenn Ihnen das lieber wäre.

Viele Grüße,

Ihre Beraterin Susanne B.

Ihr(e) Berater(in)

Susanne Bodin

Tel. 09001 - 445 401 376 (1,79 € / Min. (mobil höher)); Der kostenfreien Ansage folgen, bei Aufforderung die Berater-Nummer 125 eingeben.

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