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Multiple Sklerose und Alkohol bestimmen mein Leben

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 11.04.16

Ursprungsanfrage
Hallo,
ich bin weiblich, 35 Jahre alt und Alkoholikerin. Bis jetzt weiß niemand von meiner Sucht. Vor 13 Jahren wurde bei mir MS festgestellt und ich hatte auch schon einige Schübe. In meinem Leben sind viele Dinge passiert, die ich trotz Psychotherapie irgendwie nie verarbeiten konnte. Ich trinke seit Jahren, mal mehr mal weniger, Wodka, aber das täglich. Ich will damit unbedingt aufhören, habe aber Angst vor den Entzugserscheinungen, da ich einiges über Krampfanfälle bis hin zum Koma gelesen habe. Können Sie mir bitte helfen??? LG
Susanne Bodin
Liebe Ratsuchende,
vielen Dank für Ihr Vertrauen in unser Sorgentelefon und für Ihre Offenheit.
Es ist gut, dass Sie sich jemandem anvertrauen und ganz ehrlich Ihre Alkoholabhängigkeit zugeben, denn offenbar haben Sie bisher mit niemandem darüber gesprochen. Es zeigt, dass Sie sich damit beschäftigt haben und sich selber eingestehen, dass Sie abhängig sind. Das ist der erste und eigentliche wichtigste Schritt, denn wenn Sie wirklich sehen, dass es so nicht weitergehen kann und dass Sie so nicht weitermachen wollen, dann sind Sie auch motiviert für eine Änderung und für eine Therapie, um diese Sucht zu überwinden.
Nun haben Sie ja auch eine MS und dazu müssen Sie wissen, dass oftmals die Verträglichkeitsschwelle bei MS Erkrankten in Bezug auf Alkohol sehr stark erniedrigt ist, der Alkohol wirkt bei Ihnen möglicherweise viel stärker als bei anderen Menschen. Außerdem nehmen Se sicherlich Medikamente für die MS ein, und die Kombination dieser Medikamente mit Alkohol kann zu verstärkten Symptomen der MS führen, so dass es also viel häufiger zu Schwindelgefühlen, Gangunsicherheit und sonstigen Beschwerden kommen kann.
Wenn Sie das bedenken, dann ist es umso dringender, dass Sie sich mit Ihrer Alkoholabhängigkeit auseinandersetzen, schon alleine um diese Wechselwirkungen künftig nicht mehr zu haben und um auch wieder in Bezug auf die MS beschwerdefreier zu werden.
Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie Angst haben vor einem Entzug, aber stellen Sie doch einmal die vielleicht unangenehme Zeit des Entzugs dem Leben, das Sie ohne Alkohol führen könnten, gegenüber. Es ist vielleicht eine schwierige Phase, den Entzug durchzustehen, obwohl es mittlerweile sehr gute Möglichkeiten gibt, die Begleiterscheinungen eines Entzugs erträglich zu machen, aber das Leben, was Sie ohne die Alkoholabhängigkeit führen können, wird doch ein wesentlich besseres sein und Sie werden wieder am Leben teilhaben können. Diese Aussicht verglichen mit der relativ kurzen Zeit des Entzugs sollte Ihnen Motivation sein, dieses Problem anzugehen und sich Hilfe und Unterstützung zu suchen.
Ich würde Ihnen raten, sich einem Arzt anzuvertrauen und sich eine Klinik zu suchen, die auf den Alkoholentzug spezialisiert ist und die auch eine neurologische Abteilung hat, damit man Ihre MS auch mitberücksichtigen kann. Sie sollten das unbedingt stationär machen, damit Sie unter Aufsicht sind und damit man mittels Medikamenten die Begleiterscheinungen des Entzugs minimieren kann. Danach wird eine Therapie erfolgen, um Sie zu stabilisieren. Das hört sich jetzt alles kompliziert an, aber wenn Sie den Weg beginnen, dann folgen die weiteren Schritte ganz automatisch. Sie haben sich ja jetzt selber eingestanden, dass Sie abhängig sind und ich denke, Sie möchten so auch nicht mehr weitermachen, denn Sie sind noch jung und Sie möchten sicherlich noch ein schönes Leben führen. Das werden Sie auch tun können, und ich denke, mit der Aussicht darauf werden Sie auch die Motivation haben, diese Zeit des Entzugs durchzustehen.
Ich kann Ihnen natürlich jetzt nicht sagen, dass das alles ganz einfach ist, aber es ist ein Prozeß und wenn Sie den ersten Schritt gehen, dann werden Sie ganz langsam aus Ihrer Abhängigkeit herauskommen, auch wenn es vielleicht zwischendurch mal einen Rückfall gibt oder Sie meinen, dass Sie es nicht schaffen. Solche Phasen sind ganz normal, aber auch die werden Sie durchstehen und Sie werden dann auch wahrscheinlich besser mit Ihrer MS umgehen können, weil Sie die Wechselwirkungen des Alkohols mit de MS Medikamenten nicht mehr haben und weil es insgesamt bei einer solchen neurologischen Erkrankung nicht gut ist, zu viel Alkohol zu sich zu nehmen.
Deshalb zögern Sie nicht und vielleicht machen Sie gleich morgen einen Termin bei Ihrem Hausarzt, besprechen das mit ihm und er wird mit Ihnen eine Klinik finden, die geeignet ist. Wichtig ist, dass Sie sich begleitend dazu eine Selbsthilfegruppe suchen, denn dort werden Sie sehen, dass es viele Menschen gibt, die auch dieses Problem haben und Sie können sich austauschen und merken, das Sie nicht alleine sind. Außerdem ist eine begleitende Psychotherapie wichtig, aber das wird man in der Klinik in die Wege leiten.
Nach dem Entzug werden Sie sich die Frage stellen, warum Sie den Alkohol so sehr brauchten. Wie hat das begonnen - ist es die Unzufriedenheit mit Ihrer Lebenssituation, kommen Sie mit der Diagnose MS nicht zurecht oder haben Sie aus Langeweile begonnen, zu trinken ? Die Gründe für die Abhängigkeit sind sehr wichtig dafür, wie Sie Ihr Leben weiter gestalten möchten, denn wenn Sie den Alkohol nicht mehr haben, müssen Sie diese "Lücke" füllen, die dadurch entsteht, dass Sie ja dann Ihre Gefühle auf andere Weise ausdrücken müssen. Der Alkohol ist für Sie ja ein Konfliktlösungsversuch - für welchen Konflikt auch immer - und bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre unangenehmen Gefühle oder Ängste zu "ertränken". Wenn Sie auf das Trinken verzichten, dann werden Sie sich diesen Gefühlen stellen müssen und werden einen Weg finden müssen, damit anders umzugehen. Aber auch das werden Sie in der Therapie lernen, nämlich mit Ihren Gefühlen anders umzugehen und andere Wege zu finden, ihnen zu begegnen. Vielleicht wenden Sie sich wieder einem Hobby zu, das Ihnen schon immer Spaß gemacht hat, Sie beginnen vielleicht zu malen oder künstlerisch tätig zu werden, und können so Ihre Gefühle ausdrücken, ohne den Alkohol zu diesem Zweck zu gebrauchen. Es gibt viele Möglichkeiten, und Sie werden sicherlich etwas finden, das für Sie passend ist.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und die Kraft, mit dem ersten Schritt zu beginnen, nämlich in eine Klinik zu gehen und den Entzug durchzuführen. Sie haben Angst, aber die einzige Möglichkeit, einer Angst zu begegnen, ist, sich ihr zu stellen und in die Angst zu gehen, statt die angstauslösende Situation zu vermeiden. Nehmen Sie das Gefühl der Angst an, und sagen Sie sich, dass Sie das schaffen können, denn das können Sie, und weichen Sie ihr nicht wie bisher aus. Daraus werden Sie auch Stärke gewinnen, denn wenn Sie die Angst einmal überwunden haben, dann werden Sie auch künftig so stark sein, sich solchen Situationen zu stellen, weil Sie sich sagen können, was Sie einmal geschafft haben, das schaffen Sie auch ein zweites und ein drittes Mal.

Viele Grüße und alles Liebe, vielleicht schreiben Sie mir, wie es mit Ihnen weitergeht, Sie können sich jederzeit wieder melden.

Ihre Beraterin Susanne B.


Ihr(e) Berater(in)

Susanne Bodin

Tel. 09001 - 445 401 574 (1,79 € / Min. (mobil höher)); Der kostenfreien Ansage folgen, bei Aufforderung die Berater-Nummer 125 eingeben.

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