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Meine Mutter ist politisch rechts überzeugt und verlangt dies auch von mir

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 10.03.16

Ursprungsanfrage
Hallo,
ich (17) brauche unbedingt Hilfe!
Meine Mutter ist politisch so rechts überzeugt, sie hat Hass auf Flüchtlinge und droht mir, wenn ich nicht genauso denke wie sie, mich rauszuwerfen und kein Studium zu bezahlen! Jedoch denke ich über solche Sachen total anders und bin auch durch unseren schulischen Unterricht und Aufklärungen in der Lage, meine eigene Meinung bilden zu können und ich will mir diese auch nicht mehr verbieten lassen! Inzwischen eskaliert dieses Thema zu hause immer öfter und da sie auch nicht mit sich darüber reden lässt, obwohl ich ihr ihre Meinung lasse und nicht mehr widerspreche, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zurückzuziehen. Ich weiß echt nicht mehr weiter und hab dazu auch noch Angst, dass meine Mutter auch meine kleine Schwester so beeinflussen will.
Susanne Bodin
Liebe Ratsuchende,

ich kann mir gut vorstellen, dass Sie sich zerrissen fühlen, denn einerseits ist es Ihre Mutter, die Ihnen wichtig ist, aber andererseits sind solche Ansichten natürlich sehr problematisch, gerade auch unter dem Aspekt der momentanen Situation in der Welt.
Sie schreiben ja, dass Sie sich zu dem Thema überhaupt nicht äußern und sich eher zurückziehen.

Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, dass Sie das Gespräch mit Ihrer Mutter suchen in einer ruhigen, entspannten Situation. Es ist wichtig, dass Sie ihr keine Vorwürfe machen, sondern einfach einmal nachfragen, warum Ihre Mutter diese Ansichten hat, damit Sie verstehen, wie es dazu kommt.
Es könnte ja sein, dass Ihre Mutter irgendwelche negativen Erfahrungen gemacht hat und diese nun verallgemeinert oder dass sie ein schlimmes Erlebnis hatte, das sie immer noch beschäftigt und möglicherweise traumatisiert hat. Es gibt ja solche Ereignisse, die man immer mit sich herumträgt und die man dann auf andere Menschen überträgt, das geschieht auch oftmals unbewusst. Frauen, die schlechte Erlebnisse mit einem Mann hatten, neigen oftmals dazu, alle Männer zu hassen und verallgemeinern dieses Erlebnis oftmals unbewusst, wenn sie das nicht verarbeitet und überwunden haben.
Vielleicht hatte sie ein solches Erlebnis und hat dies immer verdrängt - und jetzt, bei der momentanen gesellschaftlichen Situation, kommt es wieder zum Vorschein und weckt alte Erinnerungen.
Natürlich heißt das nicht, dass man solche Ansichten deshalb akzeptiert, es ist keine Entschuldigung, aber immerhin wäre es nachvollziehbar und man könnte durch ein Gespräch Missverständnisse aufklären oder das Ganze ein wenig durchschauen und erklärbar machen.

Das könnte ein Ansatzpunkt für Ihr Gespräch sein. Fragen Sie doch Ihre Mutter, ob es ein solches Ereignis gab, denn dadurch fühlt sie sich ernst genommen und nicht sofort angegriffen. Es ist auch oftmals ein Hilferuf, wenn Menschen radikale Ansichten haben, sie wollen auf etwas aufmerksam machen und das ist ihre Art, das zu tun. Vielleicht öffnet sich Ihre Mutter und erzählt Ihnen etwas, das sie möglicherweise beschäftigt.
Dann könnten Sie ihr entgegnen, dass man eine solche Erfahrung nicht auf alle Menschen ausländischer Herkunft übertragen kann und dass es ungerecht ist, unschuldige Menschen für etwas verantwortlich zu machen, das jemand anderes getan hat. Sie hätten so einen Gesprächsansatz und könnten versuchen, die Gründe für die Ansichten Ihrer Mutter herauszubekommen und mit ihr zu reden, ohne dass es sofort im Streit endet. Falls es ein solches Ereignis gab, könnten Sie ihr vorschlagen, sich professionelle Hilfe zu suchen und das aufzuarbeiten, auch für sich selber und für ihren inneren Frieden.

Haben Sie denn eine Idee, wie Ihre Mutter zu diesen Ansichten kommt? War das immer schon so oder hat sich diese Meinung erst in letzter Zeit manifestiert? Und wie war Ihr Verhältnis zu Ihrer Mutter bisher, war es immer schon problematisch oder ist irgendetwas geschehen, das dazu geführt hat?

Ich denke, es wäre wichtig, das zu hinterfragen und den Dialog zu suchen, damit auch Sie Ihre Meinung ganz klar zum Ausdruck bringen können.
Im Zusammenleben in der Familie oder überhaupt in Beziehungen mit Menschen gibt es immer unterschiedliche Meinungen und manchmal muß man eben auch akzeptieren, dass der andere eine entgegengesetzte Meinung zu dem hat, was man selber denkt und für richtig hält. In vielen Bereichen sollte man das einfach so stehen lassen und nicht versuchen, dem anderen die eigenen Meinung aufzudrängen, allerdings haben Sie recht, bei solchen eklatanten Ansichten kann man das nicht einfach so stehen lassen. Sie können nur immer wieder versuchen, den Dialog zu suchen und Ihre Mutter zu fragen, wie sie sich fühlen würde, wenn Sie angegriffen würde, ohne, dass sie konkret etwas Unrechtes getan hat, was würde sie dann tun?
Und sie können sie natürlich fragen, was das mit der Finanzierung Ihres Studiums zu tun hat und warum sie Ihnen das Studium verweigert, wenn Sie andere politische Ansichten haben, immerhin sind Sie bald volljährig.
Es ist eine sehr schwierige Situation und vielleicht versuchen Sie wirklich als ersten Schritt, den Dialog zu suchen, ins Gespräch zu kommen, vielleicht erfahren Sie dort die wirklichen Hintergründe.
Wenn Sie merken, dass Sie überhaupt nicht an Ihre Mutter herankommen, dann könnten Sie sich Unterstützung suchen von Vertrauten, die so denken wie Sie, und mit mehreren ein erneutes Gespräch versuchen zu führen. Gibt es Verwandte oder Freunde, die Ihnen zur Seite stehen könnten?
Als letzte Konsequenz müssten Sie sich überlegen, ob Sie nicht in der Lage sind, Ihr Studium notfalls selbst zu finanzieren. Hätten Sie die Möglichkeit, einen Job anzunehmen, um sich das nötige Geld zu verdienen? Sie wären dann unabhängig und könnten sich loslösen.
Das wäre natürlich keine schöne Situation, aber es würde Sie frei machen von der Abhängigkeit, eine Ihnen widerstrebende Meinung zu akzeptieren, nur damit Sie Ihr Studium finanziert bekämen. Möglicherweise gäbe es auch noch andere Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung, erkundigen Sie sich doch einmal, was für Sie infrage käme.
Aber als erstes würde ich Ihnen raten, das Gespräch zu suchen, vielleicht merken Sie ja, dass es etwas gibt, das Ihre Mutter beschäftigt und das zu diesen Ansichten geführt hat.

Ich wünsche Ihnen alles Gute

Ihre Beraterin Susanne B.


Ihr(e) Berater(in)

Susanne Bodin

Tel. 09001 - 445 401 338 (1,79 € / Min. (mobil höher)); Der kostenfreien Ansage folgen, bei Aufforderung die Berater-Nummer 125 eingeben.

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