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Meine Freundin ist schwer krank und möchte mich nicht verletzen

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 30.03.16

Ursprungsanfrage
Hallo liebes Sorgentelefon Team,

da mir eure Ratschläge schon öfters weitergeholfen haben, komme ich auch mit diesem Problem zu euch.
Meine Freundin und ich stehen momentan vor einem scheinbar unlösbaren Problem. Sie hat Krebs und wie lange sie noch hat, weiß keiner genau. Ich würde gerne optimistischer sein, jedoch glaub ich nicht, dass es länger als zwei Jahre sind.

Wir sind noch nicht lange zusammen, lieben uns aber trotzdem schon wirklich sehr. Ist auch gefühlstechnisch meine schönste Beziehung bisher. Bei ihr ist es ebenfalls so. Außer der Krankheit scheint also alles perfekt.

Nur... und das ist das größte Problem an der ganzen Sache, hat sie ein Problem damit, meine Hilfe anzunehmen. Seit ihrer Diagnose lebt sie in einem ständigen Zwiespalt. Einerseits liebt sie mich über alles und dann hat sie auch riesige Angst davor, mich zu verletzen, wenn sie sterben wird.

Deswegen weiß sie nicht, was sie machen soll. Mit mir zusammen zu bleiben, ist wegen der Angst Stress für sie, weil sie ihre Ängste oft einholen, wobei sie sich auch geborgen fühlt und hin und wieder mal das Ganze vergessen kann. Andererseits wäre eine Trennung genau so schlimm.
Ich habe ihr schon, gefühlt eintausend Mal, versichert, dass es mein Herzenswunsch ist, sie bei diesem Weg zu unterstützen und ich es schaffen werde, weil ich sie liebe. Ich könnte es mir nicht im Traum vorstellen, sie zu verlassen. Sie versteht meine Beweggründe zwar mit ihrem Kopf, ihre Gefühlswelt wehrt sich aber oft dagegen. Ich kann da irgendwie anders mit umgehen. Ich sag mir einfach "Es ist jetzt so. Augen zu und durch."
Sie wiederum hat nur im Kopf, wen sie mit ihrem Tod alles verletzen wird. Also ein reines Durcheinander.

Jedes Mal, wenn dieses Thema aufkommt, wissen wir, dass wir nichts wissen. Es gibt kein richtig oder falsch, weil jeder von uns beiden irgendwo Recht hat. Somit bleibt eigentlich nur ein Kompromiss. Aber irgendwie wird da nichts draus.
Was soll ich jetzt machen? Ich bin echt ratlos, was nicht oft vorkommt.

Viele Grüße
Susanne Bodin
Lieber Ratsuchender,
vielen Dank für Ihre E-Mail und das Vertrauen in unser Sorgentelefon.

Ich kann mir vorstellen, wie schwer es für Sie ist, mit dieser Situation klarzukommen, und wie Sie selber schon richtig geschrieben haben, gibt es in einer solchen Lage kein richtig und falsch, sondern nur einen Weg, der für beide Betroffene ( denn Sie sind, trotzdem Sie nicht erkrankt sind, auch betroffen ) ein gutes Miteinander ermöglicht.
Sie müssen ja im Moment gar keine Entscheidung treffen, ob Sie sich trennen oder nicht, denn zur Zeit stehen andere Dinge im Vordergrund, nämlich wie ein Zusammenleben möglich ist, das für Sie beide zufriedenstellend ist.
Sie haben Ihrer Freundin klargemacht, dass Sie sie lieben und in jedem Fall bei ihr bleiben wollen, das weiß Ihre Freundin und das wird ihr auch schon sehr guttun. Sie schreiben, dass Sie ihr helfen möchten, aber ich glaube, da liegt der springende Punkt. Sie können Ihrer Freundin nicht wirklich helfen, was die Krankheit betrifft, Sie können sie nur spüren lassen, dass Sie zu ihr halten, egal, was passiert.
Ihre Freundin interpretiert aber diese Botschaft, dass Sie ihr helfen wollen, aber möglicherweise so, dass Sie sie gern gesund hätten, aber sie spürt, dass sie das eben nicht erfüllen kann, weil sie sehr schwer krank ist. Ich glaube, dass sie beide die Krankheit gar nicht so sehr zum Thema machen sollten, weil dann Ihre Freundin immer wieder daran erinnert wird, wie krank sie ist. Es ist bei jeder Krankheit, auch wenn die Aussichten sehr ungünstig sind, immer wichtig, dem Kranken ein Stück Normalität zu ermöglichen, damit er das Gefühl hat, er ist immer noch ein Teil der Gesellschaft und man grenzt ihn nicht aus, weil er krank ist. Das geschieht alles unbewusst, natürlich grenzt niemand den Betroffenen aus, aber dadurch, dass alles anders ist als "normal", bekommt, der Betroffene das Gefühl, er gehöre nicht mehr dazu.
Vielleicht versuchen Sie Ihrer Freundin einfach, ein Stück dieser Normalität zu ermöglichen, indem Sie nicht wie mit einer Kranken mit ihr umgehen, sondern genau so, als wenn sie gesund wäre. Natürlich muß man Rücksicht nehmen darauf, das sie vielleicht bestimmte Dinge nicht mehr kann, weil es ihr schlecht geht, aber das ist ja selbstverständlich.
Es ist ja nachvollziehbar, dass Ihre Freundin total überfordert ist. Einerseits hat sie selber mit der Diagnose zu kämpfen, und dann noch merkt sie, wie sehr Sie sie lieben und will Ihnen den großen Schmerz ersparen, sie zu verlieren, wenn sie es vielleicht doch nicht schafft, die Krankheit zu überleben. Und so versucht sie, eine Distanz herzustellen und Sie als Freund nicht so nah an sich heranzulassen, damit Sie nicht so sehr verletzt werden, wenn Sie sie vielleicht verlieren.
Wenn Sie sich das klarmachen, dann verstehen Sie die Reaktionen Ihrer Freundin besser und können damit umgehen, dass sie versucht, einen ganz große Nähe zu vermeiden. Das ist im Grunde ein Schutz, um gefühlsmäßig einigermaßen stabil zu bleiben, und das passiert nicht bewusst, sondern das läuft einfach so ab.
Ich würde Ihnen raten, dass Sie versuchen, ganz normal mit ihr umzugehen und diese Normalität in die Beziehung zu bringen, die es Ihrer Freundin ermöglicht, sich dazugehörig und nicht krank zu fühlen. Natürlich gibt es im Grunde keine Normalität, aber den Alltag so zu leben, als wäre er nicht unheilbar krank, hilft dem Betroffenen, nicht ständig in ein tiefes Loch zu fallen und auch wieder ein wenig Optimismus zu entwickeln. Denn ob eine Krankheit unheilbar ist, kann letztendlich niemand sagen, es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, auch bei sehr schlechten Prognosen noch eine ganze Zeit ein Leben mit Lebensqualität zu ermöglichen, und das kann man trotz allem geniessen.
Außerdem wäre es von Vorteil, wenn Ihre Freundin sich in dieser Situation professionelle Unterstützung sucht, denn eine solche Diagnose kann ein Mensch nicht einfach so verarbeiten, da gibt es ganz viele Gedanken und Gefühle, die jeden Menschen beschäftigen, der so schwer erkrankt ist. Dafür gibt es aber Psychoonkologen, die darauf spezialisiert sind, gerade diese Betroffenen zur Seite zu stehen.
Aber auch Sie als Freund und Mitbetroffener sollten etwas für sich tun, denn auch für Sie ist es eine riesige Belastung, die Sie zu bewältigen haben. Versuchen Sie, sich Auszeiten zu nehmen, etwas für sich zu tun ( Sport, Hobbys, mit Freunden treffen ), damit auch Sie Abstand bekommen und Ihr seelisches Gleichgewicht beibehalten können. Notfalls können auch Sie sich Unterstützung suchen, indem Sie sich bei einem Psychologen vorstellen und Gespräche führen, denn das ist immer gut, wenn man so mit einer Krankheit konfrontiert ist, die einen geliebten Menschen betrifft.
Ich finde es sehr bewundernswert, dass Sie sich so ohne wenn und aber zu Ihrer Freundin bekennen und diesen schweren Weg mit ihr gehen, dass allein erfordert schon Respekt und Sie sollten deshalb auch darauf achten, dass es Ihnen dabei gutgeht und dass Sie etwas dafür tun, um diese Belastung durchzustehen und wieder Kräfte zu sammeln. Haben Sie deshalb kein schlechtes Gewissen, wenn Sie sich streckenweise auch um sich selbst kümmern.
Ich wünsche Ihnen alles Gute auf diesem Weg und hoffe, dass Sie ein paar dieser Anregungen realisieren können und dass Sie dadurch ein gutes Zusammenleben mit Ihrer Freundin erreichen können. Sie können jederzeit wieder schreiben oder sich auch telefonisch an uns wenden, wenn Ihnen ein persönliches Gespräch lieber ist.

Ihnen und auch Ihrer Freundin alles Gute und viel Kraft

Ihre Beraterin Susanne B.

Ihr(e) Berater(in)

Susanne Bodin

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