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Mein Vater behandelt mich wie den letzten Dreck

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 26.01.16

Ursprungsanfrage
Hallo!

Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich mache grade mein Abitur, bin 17 und wohne noch bei meinen Eltern. Mit meiner Mutter komme ich gut klar, aber mit meinem Vater überhaupt nicht. Es ist nie etwas direktes vorgefallen. Verwandte haben mir auch schon erzählt, dass er mich auch als Kleinkind angeschrien hat. Er beleidigt mich ständig mit heftigen Ausdrücken und Schimpfwörtern oder mit Sätzen wie, hätte ich gewusst, dass ich so ein Kind bekomme, hätte ich lieber keine bekommen sollen. Das alles macht mich ziemlich fertig, auch, wenn ich inzwischen nicht mehr darauf höre und keinen Wert darauf lege. Das andere ist, wenn er diese Begriffe benutzt oder allgemein man sich mit ihm unterhält, ist er immer sehr aggressiv. Schon so, dass ich manchmal Angst vor ihm habe. Die Beziehung zwischen meiner Mutter und ihm ist auch zerstört. Nur gibt es mit der Trennung finanzielle Schwierigkeiten und deswegen sind wir gezwungen, hier zu bleiben. Vor 2 Jahren hat es mein Vater geschafft, dass ich nichts mehr gegessen habe und 10 kg verlor. Es ist auch heute noch schwer mir über das Essen keine Gedanken mehr zu machen. Nun zum eigentlichen Problem.
Mein Vater übergibt sich seit einigen Jahren und sieht von Tag zu Tag schlechter aus (haben uns auch schon andere drauf angesprochen).
Wenn wir ihn drauf ansprechen, dann wechselt er sofort das Thema. Mein Verhältnis zu ihm ist ja, wie gesagt, insgesamt sehr schlecht, was es schwer macht mit ihm zu reden. Meine Oma meinte letztens, er sehe so aus, als wenn er Krebs habe. Und das stimmt schon, er sieht einfach verdammt krank aus. Ich weiß echt nicht mehr weiter. Er geht nicht zum Arzt und auch, wenn ich das Gefühl habe, er hasst mich und er schon so viel zerstört hat, will ich nicht, dass er bald stirbt. Könnt ihr mir vielleicht helfen?

Danke
Marion Lampert-Gruber
Hallo, vielen Dank für deine Anfrage und dein Vertrauen!

Das ist eine sehr belastende Familiengeschichte, die du da erzählst. Und es ist wirklich beachtlich, wie du damit umgehst. Zunächst möchte ich dir raten, dir von anderen Menschen keine Angst machen zu lassen. Ob jemand Krebs hat oder nicht, das kann ein Laie nicht vom bloßen Ansehen aus beurteilen. Dein Vater übergibt sich seit einigen Jahren, das kann viele Ursachen haben und hier frage ich mich, wie er das so lange durchhalten konnte. Wie du ihn beschreibst, gibt es in seinem Leben einige gesundheitlich bedenkliche Entwicklungen. Allein, wie er mit dir umgeht zeigt, dass er ein Thema mit Gewalt hat und da können sehr alte Geschichten darunter liegen. Für mich klingt es so, als ob er ganz viel destruktive Energie in sich angestaut hat, diese zwar zum Teil auf dich oder deine Mutter überträgt, aber auch massiv gegen sich selbst richtet. Wenn er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen würde, könnte er lernen, diese Energie in die richtige Richtung zu lenken.

Du möchtest nicht, dass er bald stirbt. Das kann ich gut verstehen, du bis gerade 17 und vielleicht hast du auch die Hoffnung nie ganz aufgegeben, dass es eines Tages einmal besser werden könnte. Aber solange dein Vater sich nicht helfen lassen will, kannst du als seine Tochter wenig für ihn tun. Ich schätze sogar, je mehr du auf ihn einredest, desto mehr wird er sich verschließen.
Letztens hat mir eine Klientin von ihrer Mutter erzählt, die von heute auf Morgen nichts mehr essen wollte. Sie verweigerte jede Nahrungsaufnahme, indem sie einfach nicht schluckte. Du kannst dir sicher vorstellen, wie sehr die Familie in Panik geraten ist. Geholfen hat der Tochter schließlich ein einfacher Satz: Wenn es stürmt, dann öffne die Fenster! Die Klientin erklärte mir, daraufhin habe sie keinen Druck mehr auf ihre Mutter ausgeübt. Sie respektierte ihre Selbstbestimmung. Wenig später fing diese Mutter wieder an zu essen. Die neue innere Haltung der Tochter hatte dazu geführt, dass etwas in Bewegung kommen konnte.

Du kannst etwas für deinen Vater tun, indem du etwas für dich selbst tust. Wenn du einen Arzt oder eine Ärztin deines Vertrauens hast, könntest du dort einen Termin für dich ausmachen und berichten, wie es deinem Vater geht und vielleicht etwas erfahren, was dir weiter hilft. Oder du wendest dich an das Jugendamt, schilderst dort deine bedrohliche Situation und bringst damit einen Stein ins Rollen. Darüber können wir auch gerne auch nochmal gemeinsam nachdenken.

Ansonsten ist es einfach so, dass deine Mutter, als Ehefrau, diejenige ist, die am ehesten Handeln kann. Auch sie kann einen Arzt zur Rate ziehen, wie sie nun mit dieser Situation umgehen soll. Sie könnte im Zweifelsfall auch einen Notarzt rufen, wenn es deinem Vater gerade sehr schlecht geht, er sich also erbrochen hat und schwach wirkt. Diesem kann sie die Symptome schildern und um Hilfe bitten.

Tja, das ist es, was mir im Moment zu deiner Frage einfällt. Ich drücke dir die Daumen, dass du trotz aller Sorgen erfolgreich durch dein Abitur kommst. Damit hast du eine offene Tür für deine eigene Perspektive. Vielleicht möchtest du studieren und ziehst von zu Hause aus. Mit diesem Abstand könnte sich vieles für dich zum Positiven entwickeln. Ich wünsche dir jedenfalls sehr, dass du bald ein neues Kapitel in deinem Leben aufschlagen kannst. Pass gut auf dich auf!

Herzliche Grüße
Marion Lampert-Gruber



Ratsuchende(r)
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Ich habe auch schön öfter mit meiner Mutter darüber gesprochen, das mein Vater eigentlich eine Therapie machen müsste, damit er nicht alles an uns, besonders an mir, auslässt. Ich würde mich aber auch nie trauen, ihn darauf anzusprechen. Er denkt immer, jeder will ihm was schlechtes. Wenn ich zu meiner Mutter sage, dass wir irgendwas machen müssen wegen Papa, sagt sie halt immer, mehr als ihm sagen, er solle zum Arzt gehen, kann sie nicht machen, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ich denke nicht, dass sie mit mir zum Arzt gehen würde und da fragen würde, was wir tun können, weil ihr es irgendwie egal ist. Bis ich mein Abitur durch habe, dauert es leider noch ein bisschen, bin erst in der 11 Klasse, also, noch zwei Jahre und ich weiß, ich halte das hier zuhause einfach nicht mehr aus. Auch, wenn es so scheint, dass ich mit allem super klar komme. Menschen, die mich grade kennengelernt haben, sagen immer nach kurzer Zeit, dass ich so ein fröhlicher Mensch sei, aber so ist es nicht unbedingt. Ich weiß auch nicht, wie ich das beschreiben soll. Ich denke einfach oft, dass ich nicht zu gebrauchen bin. Ich muss dazu sagen, vor drei Jahren habe ich mich öfter an eine Person zum Reden gewandt, diese ist weggezogen. Es war auch nicht schwer über das zu reden, was ich fühle und wie es zuhause ist, wenn ich jetzt versuche meiner besten Freundin was zu erzählen, dann geht es nicht mehr.
Marion Lampert-Gruber
Schade, dass ausgerechnet die Person weggezogen ist, mit der du reden konntest. Es ist sicher schwierig sich anderen zu öffnen, wenn in der eigenen Familie wenig über Gefühle gesprochen wird oder ein so distanziertes Klima herrscht, wie du es beschreibst. Tatsächlich fände ich es in deinem Alter nicht verkehrt, wenn du die Möglichkeit hättest, in anderer Umgebung zu wohnen. Ein Internat zum Beispiel oder eine betreute Wohngruppe. Du hast schon soviel Abwertung erlebt, dass es mich nicht wundert, wenn du an deinem Wert zweifelst.

Aber offensichtlich hast du dir trotz aller Probleme eine innere Kraft bewahrt und die gilt es zu stärken! Orientiere dich an Menschen, die dir außerhalb der Familie ein Vorbild sein können und schließe dich einem Verein oder einer Gruppe an, die etwas tut, was dir sinnvoll erscheint. Nicht jeder Mensch wächst in einer Familie auf, die ihn fördert und respektiert. Dennoch kann man es schaffen, aus seinem Leben etwas zu machen!

Wie du deinen Vater beschreibst, hat er sich eine Welt gebaut, die gegen ihn ist. Deshalb muss er sich auch ständig wehren und kann Hilfe nicht annehmen. Aber du kannst es noch anders machen! Könntest du dir denn vorstellen, jetzt schon auszuziehen? Oder würdest du lieber zu Hause bleiben und dir in deinem Umfeld Hilfe suchen? Dann lass uns doch schauen, wofür du Mut brauchst, um die ersten Schritte zu gehen! Übrigens würde ich mich freuen, wenn ich dich mit deinem Namen ansprechen könnte, das ist etwas persönlicher als nur Hallo:)

Herzliche Grüße
von Marion
Ratsuchende(r)
Hallo

Es hat jetzt doch wieder geklappt, hier zu schreiben.
Mein Name ist Alina. Ich glaube, ich könnte mir nicht vorstellen auszuziehen. Natürlich würde ich liebend gern hier weg, aber ich kann meine Mutter und meinen Bruder nicht alleine lassen. Das andere ist auch, meine Mutter weiß nicht, dass es mir nicht gut geht in der Situation. Sie denkt, ich komme gut klar und möchte auch nicht zu einer weiteren Belastung werden, denn sie hat echt,auch schon genug zu tun und tut mir manchmal sehr leid. Kann ich sie nochmal was anderes fragen? Ich weiß nicht, vielleicht ist das auch total blöd..aber meine Mutter hatte vor 2 Jahren einen epileptischen Anfall. Ich war mit ihr alleine, auch nicht Zuhause und es war auch ihr erster. Natürlich habe ich gleich einen Krankenwagen gerufen. Nur ich hatte kurze Zeit danach immer wieder die gleichen Albträume und wenn unten irgendwas umgefallen ist, war ich sofort da. Ich hatte das sogar öfter in Erste-Hilfe-Gruppen, dass, wenn das Thema erwähnt wurde, ich Herzrasen bekam und mir schwindelig wurde. Ich habe dann meist gesagt, das ich kurz auf Toilette gehe. Ich glaube, dass ist alles total übertrieben von mir..aber ich konnte da nichts gegen machen. Jetzt ist das Thema eigentlich so gut wie weg, nur, wenn jemand anfängt zu zucken, dann bekomme ich wieder Herzrasen. Ich hatte damals einfach richtig Angst um sie und muss sowieso so viel Verantwortung übernehmen, aber ist das normal?
Marion Lampert-Gruber
Liebe Alina,

wir hatten einen technischen Fehler in der Mailberatung, aber jetzt läuft es wieder.

Was du von deiner Reaktion auf den Anfall deiner Mutter erzählst, erscheint mir durchaus angemessen. Jeder, der zum ersten Mal einen epileptischen Anfall miterlebt, ist zunächst geschockt. Und in deinem Fall war es die eigene Mutter. Du selbst warst erst 15 Jahre alt und das Geschehen kam für dich aus heiterem Himmel. Du hast super reagiert und wahrscheinlich hatten alle den Eindruck, du brauchst keine Hilfe. Aber es wäre besser gewesen, du hättest mit jemandem über deine Ängste und Albträume reden können. Wenn du heute noch Herzrasen bekommst, sobald jemand in deiner Nähe zuckt, dann ist das nachvollziehbar. Dein Körper erinnert sich an den Schreck und reagiert entsprechend. Du kannst in der Situation ganz ruhig mit dir sprechen: Okay, jetzt habe ich mich ordentlich erschreckt und mein Herz pocht bis zum Hals. Kein Wunder! Wenn ich ruhig und tief durchatme, reguliert sich mein Herzschlag wieder. Auf den Schreck trinke ich erstmal ein Glas Wasser in langsamen Schlucken. Das hilft meinem Körper, sich wieder zu beruhigen. Ich bin nicht hilflos, ich kann etwas für mich tun.

Du bist in Ordnung, so wie du bist. Aber wer soviel Verantwortung für andere übernimmt, gerät schnell in die Überforderung. Was meinst du, wo könntest du dir denn am ehesten vorstellen, die Verantwortung wieder bei deinen Eltern zu lassen?

Herzliche Grüße
von Marion
Ratsuchende(r)
Ich weiß es ganz ehrlich nicht..
Wenn ich zum Beispiel mit meinem Vater Auto fahre, was ich jetzt schon eh vermeide, dann fährt er auch, wenn es nur ein paar Minuten nach Hause sind, manchmal irgendwo ran und springt mehr oder weniger aus dem Auto (evtl. weil er sich übergeben muss, was ich ziemlich stark glaube). Ich weiß nicht. Er ist auch vorher immer schon so unruhig beim Fahren, dass ich einfach zu viel Angst habe, dass er das Auto gar nicht mehr richtig unter Kontrolle hat. Schon bei solchen Sachen fühle ich mich verantwortlich, dann aufmerksam zu sein und aufzupassen. Das gleiche halt bei meiner Mutter. Kurz nach dem epileptischen Anfall sind wir auch 8 Stunden in den Urlaub mit dem Auto gefahren. Mein Bruder hat geschlafen. Ich konnte mich einfach nicht entspannen. Dann hatte mein Vater auch noch wirklich fast einen Herzinfarkt bei der Fahrt und deswegen fühle ich mich irgendwie einfach für jeden verantwortlich hier. Vielleicht klingt das auch alles voll blöd und ich übertreibe total. Irgendwie gibt es für das ganze, glaube ich, keine Lösung. Ich kann nicht ausziehen, da ich meine Mutter nicht noch mehr belasten will und mein Vater sagt ja, es sei eh alles meine Schuld. Vielleicht liegt es irgendwie auch an mir, das niemand mit mir klar kommt.

Liebe Grüße
Alina
Marion Lampert-Gruber
Liebe Alina,

ich kann mich noch gut an meine Zeit mit 17 erinnern und wie viele Gedanken man sich da macht. Gleichzeitig hat man noch nicht die Möglichkeit, wirklich Einfluss auf die Dinge zu nehmen. Man ist einfach noch so sehr darauf angewiesen, wie die Erwachsenen mit einer Situation umgehen. Was du schreibst klingt für mich weder blöd noch übertrieben. Aber dein Umfeld hat keine Ahnung, wie es dir geht, wenn du niemanden belasten willst. Dass du das alles neben der Schule schaffst, ist tapfer und erstaunlich. Ich kann mir kaum vorstellen, dass wirklich niemand mit dir klar kommen sollte. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass du mit der Situation zu Hause und deinen Ängsten sehr alleine bist und dir deshalb große Sorgen machst.

In dem Film WIE IM HIMMEL lässt der Regisseur Kai Pollak seinen Darsteller folgendes sagen: Wenn ich mit Schuldgefühlen rumlaufe, bin ich nicht in der Lage mich selbst zu lieben. Und niemanden anders. Man sollte kein Haus betreten, in dem einem gesagt wird, man sei schlecht. Man sollte in ein Haus gehen, in dem einem gesagt wird: DU BIST WUNDERBAR!

Dass dein Vater dir für alles die Schuld gibt, ist nicht richtig. Aber anscheinend weiß er es nicht besser. Sonst würde er es ja nicht tun. Vielleicht hat er es selbst nicht anders erlebt. Du hast am Anfang von Verwandten gesprochen, die schon einmal mit dir darüber geredet haben. Ist da denn jemand dabei, dem du dich weiter öffnen könntest?

Bitte lies dir noch einmal in Ruhe durch, was ich dir alles geschrieben habe. Vielleicht druckst du die Antworten aus und markierst dir die Aussagen, die für dich hilfreich sind. Welche Anlaufstellen, die ich dir bisher genannt habe, kämen für dich am ehesten in Frage? Welche innere Einstellung möchtest du entwickeln, um künftig mit der schwierigen Situation besser umgehen zu können?

Herzliche Grüße
von Marion
Ratsuchende(r)
Hallo

Tut mir leid, dass ich erst so spät antworte, ich hatte relativ viel Stress in letzter Zeit.
Ich habe mir Ihre Antworten bzw. unsere Gespräche nochmal durchgelesen.
Zu einem Arzt zu gehen oder den Notarzt zu rufen..ich weiß nicht, nachher denkt er wieder, ich will ihm was schlechtes.
Ich glaub eh, ich kann am wenigsten bewegen. Sogar seine Mutter hat schon versucht mit ihm zu reden. Er blockt vollkommen ab und er hat sowieso irgendwie eine Phobie vor Ärzten. Er hatte mal einen Motorradunfall und hat sich nach einem Tag selbst aus dem Krankenhaus entlassen. Ich glaube, dass würde nach hinten losgehen. Das mit dem ausziehen..wie ich schon sagte, meine Mutter denkt, ich komme sehr gut mit allem klar und ich möchte sie auch nicht alleine lassen. Wenn ich in eine betreute Wohngruppe gehen würde, dann würde ja jeder mitbekommen dass etwas nicht stimmt und ich möchte eigentlich nicht, dass Freunde das wissen, dass ich in so komischen Verhältnissen lebe. Die haben ja alle normale Familien, das wäre mir irgendwie unangenehm.. Meine Verwandten wissen, dass mein Vater mich immer fertig macht. Sie sind auch sauer auf meinen Vater, aber sie wissen halt auch nicht, was sie tun sollen. Denn jeder hat Respekt vor meinem Vater. Das ist sowieso schon peinlich Freunde hierher einzuladen und manche Verwandte mögen hier auch schon gar nicht mehr herkommen. Das mit den Vereinen anschließen, das habe ich schon.
Ich habe aber auch da das Gefühl, dass die sehr gut ohne mich zurecht kommen würden.
Ich habe in letzter Zeit bemerkt, dass mein Vater auch schon rausgeht und sich übergibt, damit wir es nicht mitbekommen.
Mir ist auch aufgefallen, das er es oft nach dem Essen macht. Da habe ich sogar schonmal an eine Bulimie gedacht.
Nur er hustet immer sehr stark davor, was mein Gedanken wieder etwas verwirft.
Es tut mir leid, dass ich Ihnen jetzt keinen genauen Lösungsvorschlag geben konnte, den ich mir vorstellen kann.
Vielleicht muss ich einfach noch 2,5 Jahre warten. Ich find das auch nicht schlimm, das einzige wo vor ich ein bisschen Angst habe, dass auch ich mich irgendwie so negativ verändere...hört sich jetzt vielleicht echt komisch an, aber ich Ritze mich zum Beispiel manchmal und danach frage ich mich, warum ich es gemacht habe..das klingt echt blöd.
Trotzdem danke für Ihre Hilfe.

Liebe Grüße
Alina
Marion Lampert-Gruber
Liebe Alina,

klingt vielleicht komisch, aber deine Erkenntnis, dass du in Bezug auf deinen Vater am wenigsten bewegen kannst, erscheint mir schon einmal nicht verkehrt. An dieser Stelle könntest du aufhören, um etwas zu kämpfen, das nicht in deiner Hand liegt.

Wenn deine Verwandten nicht mehr kommen wollen, weil dein Vater so ist wie er ist, dann könnten sie dich doch trotzdem etwas unterstützen. Gerade weil sie wissen, wie es bei euch läuft. Kleine Aufmerksamkeiten aus der Familie, mal ein netter Brief, eine aufmunternde Mail. Könntest du dir vorstellen, mit einer Person aus deiner Verwandtschaft mehr Kontakt aufzunehmen? Einfach, damit du ab und zu merkst, dass nicht alle so schlecht von dir denken?

Glaube mal nicht, dass es in anderen Familien nicht auch komische Verhältnisse gibt! Wir sehen oft nur das, was wir sehen sollen. So macht ihr es ja auch. Aber ich weiß, was du meinst. Kennst du die Geschichte mit dem Frosch und dem Wasser? Wenn du einen Frosch in kochendes Wasser setzt, wird er sofort rausspringen. Setzt du ihn jedoch in lauwarmes Wasser und erhöhst die Temperatur langsam, bleibt er drin. Er gewöhnt sich an die unangenehme Umgebung und passt sich an. Eines Tages kocht das Wasser...

Manchmal brauchen wir Hilfe von Außen, um zu erkennen, wie heiß es für uns inzwischen geworden ist. Man sagt, Jugendliche die sich ritzen, wollen sich selbst spüren. Im Moment glaube ich, versuchst du noch mit aller Macht alleine zurecht zu kommen. Aber du merkst auch, dass du auf einer dünnen Grenze balancierst. Ich hatte mal eine Klientin, die sich in ihrer Jugend geritzt hat. Sie trägt nur noch langärmlige Sachen, weil sonst jeder die Narben sieht.

Meinst du nicht, dass du dich deiner Mutter ein wenig mehr mitteilen könntest? So dass sie eines Tages nicht aus allen Wolken fällt und erkennen muss, dass sie in einer wichtigen Zeit nicht für dich da war? Wäre es nicht möglich, dass ihr gemeinsam und diskret Hilfe für dich findet, wenn ihr schon nichts für deinen Vater tun könnt. Aus deiner Sicht kann ich dich gut verstehen. Aber aus meiner Sicht möchte ich dich gerne aus deiner Isolation holen.

Es ist natürlich auch möglich, dass du die nächsten Jahre einigermaßen unbeschadet durch kommst. Besonders, wenn du damit anfängst, wirklich an dich zu glauben. Dich mit Menschen zu umgeben, die dir gut tun. Und an den Stellen aufhörst zu kämpfen, wo du keinen Einfluss hast. Nutze diese Energie für dich. Kämpfe für dich...nicht gegen dich. Es gibt einen Platz in dieser Welt, den nur du ausfüllen kannst. Du bist wichtig für uns!

Ich möchte dich gerne noch ein wenig in diese Richtung begleiten. Bist du dabei? Melde dich, wann immer es für dich passt!

Herzliche Grüße
von Marion

Ratsuchende(r)
Hi

Ich hatte grade eine mega dolle Auseinandersetzung mit meinem Vater...ich mag das eigentlich gar nicht mehr schreiben. Er redet bzw. schreit mich so an, als wäre ich gar nicht seine Tochter. Es hat sich so hochgeschaukelt, dass er mich so verletzt hat mit Worten..dass ich total anfangen musste, zu weinen..und ich meinte, wenn er so weiter macht, dann muss er damit rechnen, dass ich später keinen Kontakt mehr zu ihm haben möchte und dann meinte er wortwörtlich: manchmal wünsche ich mir auch, dass ich dich nie wieder sehen muss und das wäre mir dann auch egal. Das hat er, ohne irgendein Gefühl gesagt und dann ist meine Mutter ausgerastet und hat sich gegen ihn gestellt. Dann bin ich nach oben gegangen und jetzt schreibe ich Ihnen. Am Liebsten würde ich mal mit ihnen telefonieren, aber es geht schon. Ich hab nur jetzt richtig Magenschmerzen und musste mich fast übergeben...nach der Sache. Mir ist klar geworden, dass ich keinen Vater habe und ich auch nie wieder einen haben werde. Die Hoffnung darauf ist jetzt wirklich zerstört. Ich weiß gar nicht mehr, was ich mit ihm noch reden soll...ich hab vor ihm geweint und ihm gesagt, dass ich es traurig finde, dass ich später wahrscheinlich keinen Kontakt mehr habe und er mich so hasst...und er meint nur, dass es alles an mir liege.
Was ist denn an mir so falsch, das man mich so hasst, ich bemühe mich ja, dass man mich mag, aber er kann es nicht...ich kann echt nicht mehr...

LG
Alina
Marion Lampert-Gruber
Liebe Alina,

das liest sich wirklich traurig und verzweifelt. Lass uns doch mal telefonieren, das ist gar keine schlechte Idee! Wir machen hier einen Tag und eine Uhrzeit aus, dann bin ich im Team erreichbar und dann entscheiden wir, wie es weiter geht. Okay? Hoffentlich fühlst du dich heute wieder ein wenig besser...

LG
Marion
Ratsuchende(r)
Hallo!

Naja, es geht so. Ich kann das ganze Thema irgendwie nicht mehr hören..und will es im Moment einfach ignorieren. Mir geht es eigentlich nicht unbedingt besser. Ich war heute mit meiner Mum beim Anwalt, aber es ist alles irgendwie aussichtslos, also, hier weg zuziehen.
Das mit dem Telefonieren war ja nur so eine Idee.
Ich habe schon Angst, das ich nicht das aussprechen kann, was ich denke. Ich kann immer besser schreiben, wie ich mich fühle, als es so in Worte zu fassen..nicht dass ich dann nichts sage und nur Ihre Zeit vergeude.
Es tut mir sowieso schon leid, dass ich Sie vielleicht auch schon nerve mit meinen Problemen..
Und dann habe ich, wie gesagt, Angst, dass ich es in der Zeit nicht hinkriege, es irgendwie in Worte zu fassen.

LG
Alina
Marion Lampert-Gruber
Liebe Alina,

in einer Hinsicht gebe ich dir Recht: Wenn man sich ständig mit seinen Problemen beschäftigt, dann werden sie schnell übermächtig. Ab und zu braucht es auch eine Pause von der Krise, in der man sich ablenkt und wieder etwas Abstand bekommt.

Was das Telefonieren angeht, so ist das eine Vertrauenssache. Ich habe schon verstanden, dass es dir inzwischen nicht mehr so leicht fällt, dich mitzuteilen. Aber vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, dass du mir in zehn Minuten etwas erzählst, als darum, dass ich dir etwas sagen möchte, was den Rahmen der Mailberatung übersteigt.

Falls du noch Fragen dazu hast, kannst du dich auch mit unserem technischen Kontakt in Verbindung setzten. Du findest den Link ganz rechts oben auf unserer Seite. Ein bisschen Spielraum gibt es immer, wenn du deine Situation schilderst.

Ich möchte dich aber auf keinen Fall bedrängen. Alles braucht seine Zeit und du hast hier in den letzten Wochen schon viel für dich getan. Melde dich, wenn du das Gefühl hast, dass du einen nächsten Schritt gehen kannst. Ich bleibe für dich erreichbar und bin sicher nicht genervt:)

Herzliche Grüße
Marion





Ratsuchende(r)
Marion Lampert-Gruber
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