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Mein Freund ist schizophren. Wie soll ich damit richtig umgehen?

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 22.01.16

Ursprungsanfrage
Guten Tag.


Ich bin 25 Jahre alt. Nennen wir mich Laura.

Ich kam Anfang Mai 2015 mit einem Mann zusammen.
Er ist 33, ist aber recht jung geblieben - im Allgemeinen.
Ich selbst leide seit langer Zeit an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Er ebenso, wie er mir sagte.
Es wurde an beiden diagnostiziert.
Das ist nicht unbedingt das(!) Problem.
Ich denke, wir ergänzen uns recht gut im Nähe- und Distanzspiel. Problematisch wurde es am vergangenen Wochenende.

Wir saßen im Garten - nicht Zuhause, abends. Wir trinkten etwas.
Die einzige Lichtquelle war das Lagerfeuer, welches wir zündeten. Nur wir beide lebten diesen Abend.
Es gab keine Laternen. Nur das Feuer. Diese Infos könnten relevant sein, denn ich denke, dass die Dunkelheit viel zu beitrug. Zumindest im ersten Fall der insgesamt zwei, weswegen ich mich nun an Sie wende.
Er ging in die Laube, um neues Feuerholz zu besorgen.
Ich wartete. Mit einem Mal begann er zu reden. Anders, als würde man einen normalen Monolog führen.
Als er zurückkam und noch im Türrahmen der Laube stand, blickte er zurück und sagte:
"Lass mich mal. ...was?", und setzte sich wieder zu mir.
Ich fragte, mit wem er redete.
Er meinte, dass die beiden da drin stehen und einfach nur blöd rumstehen...
Welche beiden?, fragte ich.
Er erklärte mir dann Folgendes, worum's auch geht:

"Ich bin schizophren. Aber nicht, dass ich mich mit irgendwem unterhalte, sondern ich sehe mich. Zweimal. Momente, die ich gerne anders verbracht hätte oder in denen ich gerne anders gehandelt hätte, sehe ich mit diesen beiden aus dritter Person. Und das ist so toll, zu sehen, wie es Wirklichkeit wird. Zumindest für diese beiden."

Er sagte, ihn stört das nicht weiter. Er habe alles mit mir gesehen in der Laube. Nur uns.
Er sagte, dass nur ich es wüsste.
Sie müssen wissen, dass wir auf sehr kuriose Art und Weise zueinander fanden und wir uns sehr, sehr nahe stehen auf eine angenehme, aber somit auch surreale Art. Daher glaube ich es ihm. Er habe immer Angst gehabt, dass man versuchen würde, ihm diese "Störung" wegnehmen zu wollen.
Ich sagte, dass ich die beiden akzeptiere.
Das war ein angenehmer Abend.

An diesem Wochenende fuhren wir eine weite Strecke mit dem Auto, zurück nach Hause. Fünf Stunden. Nach dem Abend am nächsten Tag. Es war alles schön und gut.
Ich fuhr. Plötzlich lehnt er sich zurück und sagt nichts mehr. Ich fragte nach einer Zigarette. Er untersagte es mir. Ich antwortete mit einem ironischen Dankeschön.
Er nahm die Zigarettenschachtel und bewarf mich hart damit. Ich reagierte nicht darauf, war aber sehr verletzt. Bis zu diesem Zeitpunkt erlebte ich ihn noch nicht so.
Wir hatten noch anderthalb Stunden Fahrt vor uns und versanken beide ins totale Schweigen.

Am Zielort angekommen, wurde das Schweigen immer noch nicht gebrochen. Er setzte sich an den Rechner und spielte. Nun hakte ich nach und fragte, wie ich mich verhalten soll. Er sagte, ich solle einfach gehen. Er entwertete mich vollkommen. Da war keine Liebe mehr in ihm. Eine Stunde später, quasi knapp drei Stunden nach dem Wechsel, wurde er anhänglich und wollte schmusen und besonders viel Nähe. Zuvor weinte ich wie ein Schlosshund und wurde nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Ab da war alles und ist auch alles wieder gut.

Heute haben wir darüber geschrieben.
Ein Ausschnitt:

Ich:
Möchtest du mal ein paar Tage für dich alleine haben?

Er:
"Nein... Bin ja nicht mehr mad (verrückt)."

Ich:
Bist du das oft?

Er:
"Selten, dafür willkürlich... Und regeln bzw. steuern kann ich das auch ganz schwer.
Das ist sehr schwierig, damit umzugehen. Ich weiß, dass ich nie ewig so in einen Gedanken verfahren bin. Irgendwann verwandle ich mich zurück und bin wieder klar mit allem. Ich finde es auch doof, mich dafür zu entschuldigen, weil ich es gar nicht war. Jedes Mal kommt der Bastard ungeschoren davon."

Darauf schrieb ich, dass ich selbst diesen Mensch dennoch liebte und ich fragte, ob dieser "Mensch" das ebenfalls tut.
Seine Antwort:
"Nein, der mag niemanden... Nicht mal mich... Ich war in seinem Kopf und hab auf ihn eingeredet, aber er ist so gut im Schlechtsein, dass es alles schlimmer macht. Am Besten in Ruhe lassen... Dann geht er."

Ich:
Also, das nächste Mal, wenn er es fordert, sollte ich einfach gehen?

Er:
"Nichts ist richtig... Gar nichts."


Sonst ist er der liebste Mensch auf Erden und da ist so viel Liebe.

Meine Fragen, zusätzlich zu dem, was Sie mir sonst gerne noch nahelegen würden:
Klingt das nach Schizophrenie?
Wie gehe ich in diesen Momenten mit meinem Partner um, wenn Zitat: "Gar nichts" richtig ist?
Kann ich etwas dazu beitragen, dass es nicht immer und immer wieder ausbricht?
Was passiert in solchen Momenten mit ihm/in ihm?
Wie ist ein solcher Beziehungsverlauf im Allgemeinen, wenn man das so sagen kann?

Ich bitte Sie um Aufschluss; ich habe natürlich auch bedingt durch die Borderline-Persönlichkeitsstörung Angst, diesen Menschen zu verlieren.


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Danke.

"Laura"
Marion Lampert-Gruber
Hallo Laura,

vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Vertrauen.

Wie Sie Ihren Freund beschreiben, passen seine Symptome schon in eine Schizophrenie. Er erlebt diese anderen Personen von sich getrennt. Der Andere hat etwas getan. Bei einer multiplen Persönlichkeit zum Beispiel, erlebt sich der Betroffene selbst als die andere Person. Aber das ist jetzt nicht als Diagnose zu verstehen, die wir hier gar nicht leisten können und dürfen. Es ist meine Einschätzung auf Grund Ihres Berichtes. Was in ihm in solchen Momenten passiert, können wir nur mutmaßen. Ich habe aber schon den Eindruck, dass Ihr Freund sehr offen mit Ihnen spricht und Sie dem Vertrauen dürfen, was er Ihnen sagt.

Ihre Beziehung ist etwas Besonderes und über einen allgemeinen Beziehungsverlauf können wir schwer sprechen. Aber ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass gerade bei solch speziellen Paaren, die Akzeptanz und das gegenseitige Verstehen um die Schwierigkeiten sehr hilfreich und stützend erlebt wird. Wenn gemeinsamen Werte und eine große Liebe da sind, kann man Vieles meistern.

Bleibt die für mich wichtige Frage, wie Sie damit umgehen können. Sie haben selbst zu Ihrem Freund gesagt, dass Sie die beiden Anderen akzeptieren. Diese beiden werden sich immer Mal wieder in Ihre Beziehung einmischen und dann werden Sie Ihren Freund nicht wieder erkennen. Mit der Zeit werden Sie jedoch auf Grund Ihrer Sensibilität die ersten Anzeichen schneller deuten können. Für den Moment würde ich Ihnen raten, genau das zu tun, was Ihr Freund Ihnen sagt. Das heißt, Sie gehen aus der Situation und lassen ihn in Ruhe. Dadurch entstehen auch weniger Situationen, für die er sich später entschuldigen müsste. Selbst wenn er sagt, dass er das eigentlich doof findet, wird ihm das Verhalten des anderen Ihnen gegenüber doch leid tun und das bringt Ihnen zusätzliche Konflikte. Können Sie sich vorstellen, was ich meine? Und können Sie sich vorstellen, künftig so miteinander zu leben und verbunden zu sein?

Abschließend möchte ich Ihnen jedoch auch sagen, dass ein gewisses Risiko in dieser speziellen Verbindung liegt. Wir wissen nicht, was die beiden Anderen auf den Plan holt und wir wissen auch nicht, zu was sie in der Lage sind. Bei ersten Beleidigungen können Sie gehen und wissen, dass ihr Freund jetzt fremdbestimmt ist. Doch bei Handgreiflichkeiten könnte es auch einmal zu spät sein. Darüber sollten Sie offen mit Ihrem Freund sprechen. Hier hätte ich ein deutlich besseres Gefühl, wenn Sie sich professionelle Hilfe vor Ort suchen würden.

Ich hoffe, meine Worte können Ihnen etwas Aufschluss geben. Falls weitere Fragen entstanden sind, oder Sie noch etwas berichten möchten, bin ich gerne für Sie da. Ansonsten wünsche ich Ihnen für Ihre gemeinsame Zukunft alles Gute!

Herzliche Grüße
Marion Lampert-Gruber



Ihr(e) Berater(in)

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