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Ich wurde adoptiert und kenne meine Herkunft nicht. Ich komme mit meiner "falschen" Identität nicht klar

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 28.01.16

Ursprungsanfrage
Hallo Sorgentelefon,

ich befinde mich gerade mitten in einer Trennung und das bringt mich dazu, mein Leben zu überdenken und ich versuche raus zu finden, warum immer soviel schief geht.

Ich habe meinen jeweiligen Partnern versucht, meine Situation zu beschreiben, damit sie mich verstehen, aber weitergeholfen hat mir das nie wirklich.

Ich werde älter und irgendwie holen einen bestimmte Probleme immer wieder ein.

Ich versuche mal mein Problem zu schildern.

Ich habe eine dunkle Hautfarbe und meine Wurzeln liegen in Indien. Meine Mutter ist allerdings eine gebürtige Österreicherin und hat mir mein halbes Leben lang erzählt: Sie hat damals mit einem geschlafen, wurde schwanger und bevor ich geborgen wurde, haben sie sich getrennt, keine Bilder nur ein Name. Das ist die Story, die ich jedem erzähle, die Offizielle.

Ich habe mich zwar als Kind ab und zu gewundert, dass es keine Bilder gibt, von meiner schwangeren Mutter oder von meinem Vater. Aber irgendwie hab ich mich nie getraut zu fragen. Schließlich hat sie in Indien gewohnt, und es ist 30 Jahre her, da war noch nicht viel mit Handy und Kameras.

Als meine Oma dement wurde und ins Krankenhaus kam, hat sie öfter gesagt, ich wäre nicht ihr Enkel. Meine Mutter sagte, sie ist verwirrt und wollte nicht wahrhaben, dass sie mit einem Farbigen geschlafen hat. Ich war damals 16 und habs geglaubt. Warum sollte einen die Person, die man sein ganzes Leben lang kennt, belügen?

Als ich 18 wurde, hat sie mir dann die Wahrheit gesagt: Warum da? Keine Ahnung. Meine Eltern sind unbekannt, ich wurde auf die Treppe von einem Waisenhaus gelegt. Sie hat mich damals aufgenommen, ich war sehr klein und es war am Anfang unsicher, ob ich überleben würde. Sie hat meine Geburtsurkunde gefälscht und als Geburtstag den Tag eingetragen, an dem sicher war, ich würde überleben.

Sie selber konnte zu dem Zeitpunkt keine Kinder mehr bekommen und hat im Alter von 16 Jahren ihren Sohn wegen Kinderlähmung verloren. Als sie mich "bekam" war sie 42. Sie hat mir ein Leben ermöglicht, dass ich bestimmt sonst nie gehabt hätte und ich sollte dankbar sein. Es gibt bestimmt nicht viele Menschen, die so selbstlos wären. Ich verstehe das, aber über die Jahre hat meine Mutter immer wieder "Streuner" aufgenommen, die z.B. keine Wohnung hatten, einmal hat sie einen Fremden bei mir in der Wohnung einquartiert. Sie war immer sozial engagiert und irgendwann hatte ich das Gefühl, ich bin ein Projekt.
Sie war nie richtig mütterlich, ich denke, dazu hat einfach die Verbindung gefehlt oder es lag daran, dass meine Oma auch eine schwierige Person war. Seit ich denken kann, haben wir gestritten und wir sind in vielen Dingen anderer Meinung. Ich verurteile z.B. ihren ständigen Konsum von Marihuana und egal, was die Leute sagen, es ist eine Droge und verändert die Menschen! Aber ich musste es mitmachen, als Kind, seit ich denken konnte. Als ich alt genug war, mit 20 hab ich den Kontakt abgebrochen, das ständige Streiten hat für mich einfach keinen Sinn mehr ergeben und ich kenne keine Situation, in der sie mir hätte helfen können.

Ich hab mich dagegen gewehrt, dass sie mich mein ganzes Leben lang angelogen hat, jeden den ich treffe, muss ich anlügen. Ich bin vor einem Jahr umgezogen und natürlich ist die erste Frage immer: Wie ist dein Name? Wo kommst du her? Was machen deine Eltern? Wann hast du Geburtstag? Und ich muss immer lügen.. Natürlich könnte ich die Wahrheit sagen, aber ich bin quasi illegal hier.. Mein Leben fühlt sich an wie eine einzige Lüge. Alles, was mich ausmacht Name, Wurzeln, Herkunft - es ist falsch.

Ich versuche mein Leben in den Griff zu bekommen und ich lese sehr oft, dass man ein gutes Fundament braucht, Familie z.B. oder man soll stolz auf seine Herkunft sein. Aber woher komme ich?

Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch und ich will niemand anlügen, aber ich muss. Ich habe immer sehr große Angst davor, alleine gelassen zu werden, was wohl daran liegt, dass mich meine richtige Mutter allein gelassen hat. Dieses Gefühl, obwohl ich ein Baby war, geht nicht weg.

Ich stürze mich in Beziehungen und vertraue Menschen und wenns nicht klappt, dann bin ich komplett zerstört. Ich habe soviel Angst verlassen zu werden, dass ich mir selber im Weg stehe.

Ich habe seit über 10 Jahren keine Verbindung zu meiner Mutter und ich hab auch nie versucht meine richtigen Eltern zu finden. Mir ist klar, die könnten nichts mit mir anfangen, dazu wären die kulturellen Unterschiede zu groß.

Ich frage mich einfach, wie ich mit dieser Situation umgehen soll, ob es jemand mit ähnlichen Erfahrungen gibt, ob es eine Möglichkeit gibt ein gutes Fundament zu haben, auch ohne Wurzeln. Ich will etwas ändern an mir, aber ich weiß nicht genau wie.

Ich hoffe, ihr könnt mir helfen und wenn nicht, hat es auch schon mal gut getan, alles zu schreiben, offen, ehrlich und annoym.

lg snowfrost
Marion Lampert-Gruber
Hallo, vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Vertrauen!

Das ist eine ganz besondere Geschichte, die Sie zu erzählen haben. Und es liegt an Ihnen, welche Bedeutung Sie den einzelnen Stationen geben wollen. Zunächst hatten Sie Eltern, die aus irgendwelchen Gründen nicht für Sie da sein konnten. Vielleicht waren sie zu jung oder einfach zu arm. Auf jeden Fall wollten Ihre Eltern, dass Sie leben. Sonst wären Sie nicht vor ein Waisenhaus gelegt worden. Sie wollten, dass Sie gefunden werden und möglicherweise ein besseres Leben haben können, als sie es Ihnen hätten bieten können. Wer weiß, wie schwer es ihnen gefallen ist...

Dann kam Ihre Pflegemutter und erfüllte sich den Wunsch nach einem Kind. Dies war wohl nur durch gefälschte Papiere möglich. Ist Ihre Herkunft deshalb eine Lüge? Ist Ihr Name deshalb eine Lüge? In jedem Fall ist das die wahre Geschichte Ihrer Herkunft. Und sie macht keinen schlechten Menschen aus Ihnen.

Offensichtlich war es nicht leicht, unter den Bedingungen Ihrer Kindheit groß zu werden. Aber dennoch scheinen Sie genug Festigkeit zu besitzen, um für sich einen eigenen Weg zu suchen und zu gehen. Sie haben mit Streunern gelebt, sich gegen Marihuana gewehrt und sind ein ehrlicher Mensch geblieben. Darauf können Sie stolz sein. Auch das ist ein Boden, in dem Sie Wurzeln ziehen können. Dazu gibt es eine schöne Legende, die der Sahara zugeschrieben wird: EINE LAST, DIE STARK MACHT. Suchen Sie danach einmal im Internet.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig Mut machen, zu sich selbst zu stehen. Gerne können wir gemeinsam schauen, was Sie künftig verändern möchten und was in Ihren Beziehungen scheinbar schief läuft. Dazu würde ich mich freuen, von Ihnen zu hören.

Herzliche Grüße
Marion Lampert-Gruber
Ratsuchende(r)
Hallo Frau Lampert-Gruber,

ich weiß im ersten Moment hört sich dass alles sehr positiv an was diese Frau für mich geleistet hat, natürlich ist es eine sehr selbstlose Tat von ihr gewesen. Aber ich kann mich auch noch an die Wutanfälle erinnern die sie hatte wenn ich mal ein "Kind" war und im Bett gespielt habe oder nicht das Geschirr abgespült habe so wie sie es wollte. Ich weiß ich hatte oft Angst wenn sie Heim kam dass irgendwas nicht so passt wie sie es wollte. Ich finde einfach Angst sollte keine Erziehungsmassnahme sein. Es sind einfach die kleine Dinge die ich ihr nicht verzeihen kann und auch will. Ich denke auch nicht dass ein offenes Gespräch nach all der Zeit noch etwas bringt. Ich weiß die ganze Sache wird mich irgendwann einholen denn sie ist mittlerweile 72 Jahre alt und wird nicht ewig leben.

Aber eigendlich wollte ich ganz etwas anderes schreiben,
ich wollte eher versuchen zu erklären warum ich meinen Namen und meine Herkunft falsch finde.

Mein Name ist Bianka und auf italienisch heißt ja bianco=weiß.. ich finde den Namen so gänzlich falsch und unpassend dass ich ihn einfach nicht mag und mich damit auch nicht identifizieren kann. Wenn möglich benutze ich im Freundeskreis einen anderen Namen, den ich mir mehr oder weniger selber ausgesucht habe und meiner Meinung nach zu mir passt. Ähnlich verhält es sich mit meinem tschechischen Nachnamen, er passt auch so ganz und garnicht zu meinem Erscheinungsbild.

Ich weiß einfach nicht wie ich meinen Namen mit dem Bild dass ich von mir selber habe vereinbaren kann.

Ich arbeite viel mit Kunden und es sind immer die selben Fragen: Und? wo kommen sie her? Ich muss immer meine halbe Familiengeschichte erzählen..

Meine Mutter kommt aus Österreich, Vater unbekannt, Nein nicht hier geboren, aufgewachsen in Italien, danke ich spreche so gut deutsch weil ich schon seit über 20 Jahren hier bin.. Nein ich mag indisches Essen nicht, nein auch mit der Kultur kann ich nix anfangen, ja es ist schön dass sie schonmal dort waren im Urlaub..
Ich merke selber dass ich bei solchen Fragen ablehnend und unfreundlich rüber komme.. Ich will aber mit Fremden keine privaten Details teilen. Ich kann aber auch schlecht sagen: Geht sie nix an.

Ich hab auch schonmal gelogen und irgendetwas erzählt, im normalfall sehe ich solche Menschen eh nie wieder. Aber es belastet mich einfach. Ich weiß aber auch nicht wie ich es anders machen könnte, schliesslich kann man die Vergangenheit nicht ändern.

Danke schonmal fürs Helfen.

lg

snowfrost
Marion Lampert-Gruber
Hallo,

ich glaube ja nicht, dass Ihre Pflegemutter so selbstlos gehandelt hat. Offensichtlich war der Wunsch nach einem Kind größer, als die Fähigkeit, die Tragweite des eigenen Handelns zu ermessen. Als Ersatzkind hatten Sie es sicher nicht leicht.

Solange Sie jedoch Ihrer Pflegemutter nicht vergeben wollen, hat die Vergangenheit Sie fest im Griff. Tun Sie es also nicht für Ihre Pflegemutter, sondern für sich selbst. In ganz kleinen Schritten. Dazu brauchen Sie mit ihr persönlich gar nicht reden. Es reicht, wenn Sie diesen Prozess für sich selbst in Angriff nehmen. Fangen Sie damit an, indem Sie die kleinen unverzeihlichen Dinge auf Zettel schreiben. Breiten Sie die Zettel auf einem Tisch aus und lesen Sie alles noch einmal in Ruhe durch. Versuchen Sie eine Skala der Unverzeihbarkeiten. Für welche Sache könnten Sie noch am ehesten Akzeptanz entwickeln? Es reicht zunächst die Vorstellung, dass es Situationen gibt, die wir vielleicht nicht verstehen oder gut heißen, die aber dem Betroffenen nicht anders möglich waren. Fragen Sie sich, ob Sie auch schon Konflikte erlebt haben, in denen Sie zu dem jeweiligen Zeitpunkt nicht anders handeln konnten. Verbrennen Sie den Zettel, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie ihn nicht mehr brauchen. Wie wäre ein Leben, ohne diese Last? Lassen Sie sich Zeit!
Die Sache mit Ihren Namen habe ich jetzt besser verstanden. Das ist wirklich eine sehr spezielle Situation, zu der ich noch einige Fragen hätte, um mit Ihnen neue Handlungsspielräume zu entwickeln. Könnten Sie sich dazu vorstellen, mit mir ein Telefonat zu vereinbaren? Vielleicht finden wir ja auch eine Anlaufstelle bei Ihnen vor Ort. Die Vergangenheit können Sie nicht ändern. Aber Sie können bestimmen, wie viel Macht sie behält.

Herzliche Grüße
Marion Lampert-Gruber

Ihr(e) Berater(in)

Marion Lampert-Gruber

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