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Ich (verheiratet) liebe einen anderen Mann, der schwer krank ist

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 01.02.16

Ursprungsanfrage
Hallo,
ich habe ein Problem, mit dem ich nicht umgehen kann und mit niemanden drüber sprechen kann.
Ich bin verheiratet, habe seit 7 Jahren wieder Kontakt zu einem Mann, den ich sehr geliebt habe und immer noch liebe. Er weiß es, er liebt mich auch, er hat sich aber nicht von seiner Frau getrennt, es hat immer am Geld gelegen, obwohl er sehr unglücklich in der Ehe ist. Seine Frau hat letzte Jahr Krebs bekommen, er hat aber zu ihr gestanden. Sie leben in einem Haus, aber schlafen schon lange getrennt, sind nur wegen der 14jährigen Tochter zusammen.

Ich würde ihn gern öfter sehen, aber es passt leider sehr selten...Jetzt hat dieser Mann seit 2 Wochen Lungenkrebs, 6 cm großer Tumor, schon getreut und die Leber ist auch schon befallen...Er bekommt Chemo.. Ich habe ihm angeboten, ihm beizustehen, er kann mich anrufen, er kann mich treffen, ich möchte ihm Wärme und Hilfe geben. Er möchte es aber nicht. Er muß erstmal mit seiner Krankheit klar kommen. Vielleicht später, wenn er zur Ruhe gekommen ist. Wann wird das sein? Ich habe so große Angst, dass es zu spät sein wird. Was raten sie mir, soll ich einfach hinfahren? Seine Frau weiß aber nichts von mir. Ich bin so ratlos. Vielleicht einen Tipp?
Danke
Eine ratlose, verzweifelte Frau
Christian Geinitz
Liebe Ratsuchende,

Sie sind wirklich in einer sehr schwierigen, belastenden Situation. Ich denke, dass Sie Ihren geliebten Freund, der jetzt diese schwere Krankheit hat, sehr gut kennen. Dann können Sie sich vielleicht auch gut vorstellen, dass er im Moment wahrscheinlich tatsächlich allein sein will, um mit seiner Krankheit klarzukommen. Er weiß, dass Sie ihm beistehen wollen und dieses Wissen ist für ihn - denke ich - im Moment wichtig. Aber trotzdem möchte er jetzt anscheinend erst einmal ohne Sie mit seiner Situation fertig werden. So schwer es Ihnen fällt, so sollten Sie dies zunächst akzeptieren - wahrscheinlich ist es für ihn so richtig. Lassen Sie ihn wissen, dass er sich an Sie wenden kann, wann immer er es möchte!
Aber wie können Sie mit Ihren Gefühlen umgehen? Es ist ja so schwer, einem Menschen, den man liebt, nicht sofort helfen zu können. Dazu brauchen Sie sehr viel Kraft. Versuchen Sie sich klar zu machen, dass es für ihn so vielleicht das Beste ist, dass er zunächst zu sich selbst finden muss. Möglicherweise bedeutet gerade das, dass Sie seinen Willen akzeptieren, die wirkliche Liebe zu ihm. Dass dies für Sie kaum auszuhalten ist, weil Sie große Angst haben, dass es zu spät sein könnte, ist völlig verständlich. Wenn ich Sie kennen würde, könnte ich Ihnen direktere Ratschläge geben: Gläubigen Menschen hilft Beten, anderen Meditation. Wichtig ist, dass Sie nicht zu viel grübeln, sondern aktiv sind, vielleicht irgendeinen Sport ausüben, sich mit Freunden/Freundinnen treffen (also nicht allein sein) und wenn Sie über Ihre Situation nachdenken, sich immer sagen, dass er, obwohl er weiß, dass Sie ihn lieben und er Sie liebt, im Moment nur für sich sein möchte.
Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft. Selbstverständlich können Sie sich wieder an mich wenden, wenn Sie möchten.
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
LIeber Christian,

danke, dieses hilft mir schon sehr. Ich bin gläubig und immer wenn ich zu verzweifeln drohe, bete ich zu Gott und bitte, ihn zumindest nicht zu sehr leiden zu lassen und nicht zuviel Schmerzen zu haben. Er hat in diesem Leben schon eine Menge mitgemacht, Herzinfarkt, Schlaganfall, vor 4 Jahren OP an Galle, dieses Jahr 2 Stents bekommen am Herzen, finanzialle Probleme, ich habe ihm auch Geld geliehen, was niemand weiß. Ich weiß auch nicht, ob ich es jemals wiederbekomme. Aber das spielt für mich im Moment kein große Rolle, ich liebe ihn einfach zu sehr und würde ihm gern öfter sehen. Das geht aber leider nicht.
Ich liebe meinen Mann auch, er ist ein lieber, er weiß aber auch nichts davon. Ich möchte ihn nicht belasten, weil er mir Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Das weiß ich , das weiß auch mein Freund. Er sagt, ich soll an mich und meinen Mann denken.
Ich kann auch mit niemanden drüber sprechen, es soll halt keiner wissen. Darum danke ich Ihnen, dass Sie mir Rat geben. Es hilft mir, darüber zu schreiben. Vielleicht können wir ein wenig in Verbindung bleiben.

Ich lenke mich auch ab, mit Sport, Arbeit, und ich singe in einem Gospelchor, was mir große Freude bereitet.

Wir schreiben uns SMS oder auch hier am PC, aber er möchte im Moment nicht reden, das stresst ihn zu sehr. Ich versuche es zu aktzeptieren..hoffe, ich halte durch und rufe nicht einfach an.....

Schönen Abend und lieben Gruß

Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,
es ist sehr gut, dass Sie einen Glauben haben und Gott Ihnen helfen kann. Und es ist auch prima, dass Sie sich durch Aktivitäten ablenken können (ich singe übrigens auch in einem Gospelchor mit). Und es ist sicherlich auch schön für Sie, dass Sie Ihren Ehemann haben, der für Sie da ist - auch wenn Sie ihm nichts von Ihrem Freund und Ihrer Verzweiflung sagen können. Aber Sie sind nicht allein.
Versuchen Sie stark zu bleiben und es Ihrem Freund zu überlassen, wann er mit Ihnen reden möchte. Wenn Sie das schaffen, zeugt das von Größe und Ihr Freund wird Ihnen wahrscheinlich dankbar sein.
Immerhin können Sie sich ja schreiben und vielleicht können Sie sich darüber ein bisschen freuen. In Ihrer Situation ist es sicherlich gut, wenn Sie sich auch über kleine Dinge freuen können.
Sie sind seelisch mit Ihrem Freund verbunden und er mit Ihnen. Ist das nicht viel wichtiger, als dass sie sich sehen und miteinander sprechen, wenn es im Moment nun mal nicht geht ?
Ich wünsche Ihnen weiterhin sehr viel Kraft und Standfestigkeit.
Natürlich können Sie sich immer bei mir melden, wenn Sie sich "etwas von der Seele" schreiben möchten.
Beste Grüße
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Lieber Christian,
ja, es hilft mir sehr mit Ihnen darüber zu schreiben.
Ich habe ihn vorgestern doch angerufen, das Verlangen war einfach zu groß. Wir haben 20 Minuten gesprochen, es geht ihm schon sehr schlecht. Er meint, wenn die Chemo anschlägt, kann er noch lange leben, wenn nicht dann so 4-12 Monate. Das ist doch ziemlich hart, mit solchen Gedanken zu leben, oder?

Wenn ich ihm einen Wunsch erfüllen könnte, würde er gern mit mir in die Sonne fahren, eventuell Spanien.
Aber wir wissen beide, das dieses nicht klappen wird. Obwohl ich liebend gern mal ein paar Tage mit ihm verbringen würde.....

Ob ich das darf? Ich denke, wenn ich es nicht mache, würde ich es mein Leben lang bereuen.
Muss ich meinem Mann die Wahrheit sagen????
Ich bin ein bisschen ratlos und kämpfe mit meinen Gedanken.

Ich habe ihm gesagt, wenn er mich braucht, bin ich für ihn da, er kann mir jederzeit schreiben oder mich anrufen, wenn er Angst hat, oder einfach nur reden will.

Und er hat solche Angst...mein geliebter Mann..

Einen schönen Weihnachtsabend noch.

Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,
es tut mir leid, dass ich Ihnen erst heute antworten kann, aber ich war familiär bedingt verreist und bin gestern Nacht erst wieder zurück gekommen.
War das Telefongespräch für ihn genauso gut, wie für Sie? Wenn Sie wirklich denken, dass es für ihn gut ist, dass sie sich sehen - wenn er den Wunsch geäußert hat -, dann versuchen Sie es und stellen Sie sich vielleicht gemeinsam eine Reise nach Spanien vor, die im Moment real wahrscheinlich nicht möglich ist. Aber gemeinsam intensiv daran denken, ist vielleicht auch eine ganz kleine Freude, die allerdings auch mit Leid verbunden sein kann, wenn die Reise tatsächlich jetzt nicht sein kann. Es ist für ihn sicherlich auch sehr gut, dass er weiß, dass er Sie jederzeit anrufen oder Ihnen schreiben kann. Tun Sie aber auch unbedingt Gutes für sich, damit Sie die nötige Kraft aufbringen können, die Sie nun brauchen.
Was Ihren Ehemann angeht, so stehen Sie natürlich in einem Dilemma, wobei ich Ihnen aus der Ferne nicht allzu gut raten kann. Vielleicht ist aber ein Gedanke zu überlegen: Wenn er nichts weiß von Ihrer Liebe zu Ihrem Freund, dann wird er geschont und ihm wird zunächst Leid erspart - und auch Ihnen wird im Moment eine möglicherweise größere Auseinandersetzung erspart, die Sie jetzt wohl am wenigsten brauchen. Sie sollten sich aber überlegen, ob Sie mit Ihrem Ehemann doch zu einem viel späteren Zeitpunkt darüber reden, wenn es Ihrer Meinung nach noch notwendig ist. Es ist eine Gewissensentscheidung; wägen Sie mal ab, was dafür und was dagegen spricht - zum jetzigen Zeitpunkt.
Ich meine, tun, Sie das, was Ihnen Ihr Gefühl sagt und stellen Sie etwaige moralische Gründe zunächst zurück.
Ich hoffe, Ihr Glaube kann Ihnen in Ihrer so schweren Lage helfen.
Ich denke an Sie.
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Lieber Christian,
ich schreibe heute mal wieder, hab letzte Nacht wachgelegen. Er hat mir geschrieben, er möchte im Moment nicht telefonieren, der Krebs ist jetzt auch in den Kopf gewandert, er hat Sehstörungen und Nervenschmerzen. Das macht mich total fertig, wenn ich denke, dass er so sehr leiden muß. Ich habe ihm geschrieben, dass es mich fertigmacht, nicht für ihn da sein zu können...und dass ich viel übers Leben nachdenke zur Zeit. Ich möchte ihn so gern sehen, ich weiß nicht, wie lange ich es noch aushalte, mich einfach ins Auto setzen und an der Tür klingeln. Aber was soll seine Frau dann denken.. Sie kennt mich doch nicht.... Aber ich denke echt, dass es jetzt wirklich bald zu spät ist und ich es eines Tages bitter bereue, es nicht zu tun...
Schönen Abend und vielleicht einen Ratschlag für mich?
Danke Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,
ist Ihr Freund im Krankenhaus oder zuhause? Könnten Sie es irgendwie einrichten, ihn zu sehen, ohne dass seine Frau das mitbekommt? Könnten Sie, wenn seine Frau da ist, so tun als wären Sie eine ehemalige Kollegin Ihres Freundes oder irgend eine Freundin, die von seiner Krankheit gehört hat und ihn deshalb mal besuchen möchte? Diese Fragen müssten Sie sich beantworten, wenn Sie tatsächlich zu ihm fahren wollen. Es wäre natürlich äußerst schlecht, wenn es eine Eskalation gäbe - damit wäre natürlich niemandem gedient - im Gegenteil. Ich verstehe, dass Sie es kaum noch aushalten, trotzdem sollten Sie seinen Willen nicht missachten. Wichtig fände ich, Ihren Freund am Telefon oder eben schriftlich zu fragen, warum er Sie jetzt nicht sehen möchte. Es könnte ja auch sein, dass er sich so schlecht fühlt und Ihnen nicht zumuten möchte, dass Sie ihn so sehen. Wenn Sie genau herausfinden könnten, warum er Sie nicht sehen möchte: ist es der o.g. Grund, hat er Angst vor einer Eskalation wegen seiner Frau, ist es für ihn einfach zu schmerzlich, Sie zu sehen, will er sich einfach nicht mehr belasten mit zu intensiven Gefühlen? Wenn Sie das genau wüssten, könnten Sie vielleicht eher eine Entscheidung treffen, ob Sie hinfahren oder nicht. Ich verstehe, dass Sie Angst haben, dass Sie es einmal bereuen, wenn Sie nicht mehr hinfahren. Aber wenn es wirklich sein ganz eigener Wille ist und nicht, weil er Sie schonen will, dann brauchen Sie - wenn Sie wirklich ihm zuliebe nicht hinfahren - später nichts zu bereuen.
Vielleicht gehen Sie spazieren und weinen ruhig - das befreit manchmal..
Vielleicht versuchen Sie als gläubige Frau auch durch Gebete zu einer inneren Ruhe zu finden.
Viel Kraft!
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Lieber Christian,
ja er ist zuhause., ab und zu mal im Krankenhaus. Wenn ich wüsste wann, würde ich ja ins Krankenhaus fahren. Ja, ich denke, dass er mich schonen will und mich nicht so sehr belasten, soweit kenne ich ihn...Ich will aber nicht geschont werden!! Wie kann ich ihm das klarmachen???? Ich weiß es nicht....So, wie jetzt, belastet es mich noch mehr. Die Idee mit ehemaliger Kollegin ist super... mals ehen..Danke erstmal für die Ratschläge und das Zuhören, das hilft mir sehr, schon, weil ich mit niemanden drüber sprechen kann.
Liebe Grüße
Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,
versuchen Sie wirklich von ihm direkt und ehrlich zu erfahren, warum er Sie nicht sehen möchte. Das ist besser, als wenn Sie nur denken, dass er Sie schonen will. Und geben Sie ihm zu verstehen, dass Sie wirklich nicht geschont werden möchten - so, wie Sie es mir schreiben.
Ich finde, wenn Sie ihn wirklich lieben, müssen Sie aber auch akzeptieren, wenn er Sie aus anderen ureigenen Gründen (siehe letztes Schreiben) nicht sehen möchte, so schwer Ihnen das auch fällt. Lassen Sie Ihn wissen, dass Sie gedanklich bei ihm sind und dass Sie jederzeit bereit sind, zu kommen, wenn er es möchte.
Sie schrieben, dass Sie die Idee mit der Kollegin gut finden; denken Sie aber daran, dass evtl. seine Frau dabei ist und dass Sie dann die Kollegenrolle auch wirklich von Anfang bis Ende spielen müssen.

Wenn Sie herausfinden und dann auch das machen, was für i h n am Besten ist und nicht für Sie, dann ziehe ich den Hut vor Ihnen. Sobald Sie die innere Überzeugung haben, dass dies oder jenes für ihn am besten ist, werden Sie es auch später nicht bereuen müssen, wenn Sie so oder so handeln.
Es grüßt Sie Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Hallo Christian,
er hat mich gestern angerufen, es hat mich sehr froh gemacht. Wir wollen uns am Mittwoch sehen, er hat mich sogar gefragt, ob ich ihn zur Chemo begleite und ihn fahren kann. Er weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, aber er sagt, er hat Angst und will kämpfen bis zum Ende.
Ich soll mich aber damit nicht so sehr belasten, er möchte, dass ich nicht zu dunkel sehe. Er möchte mich froh sehen... Ich freue mich so sehr, ihn zu sehen und wir wollen noch spazieren gehen, wenn er kann. Die Chemo zeigt sehr starke Nebenwirkungen und die Haare gehen auch schon aus.

Mit ihm zu sprechen, hat mich sehr glücklich gemacht, und ich habe wieder erkannt, wie sehr ich ihn liebe.

Lieber Christian, dies schreibe ich nur, weil es mich sehr befreit.
Schönen Abend, liebe Grüße Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,
ich freue mich mit dir, dass er sich mit dir treffen möchte und ich wünsche euch eine gute Zeit miteinander.
Viele Grüße
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Lieber Christian,
ich schreibe heute mal wieder..Wir haben uns einmal getroffen, ich habe ihn zuhause besucht, als seine Frau arbeiten war,dann habe ich ihn zum Arzt gefahren, danach waren wir noch Kaffee trinken. Es hat mich sehr glücklich gemacht, ihn auch.Ist schon wieder 1 Monat her. Wir schreiben uns aber im Moment, selten aber..ich sehne mich so nach ihm..ihm nicht helfen zu können..Der Krebs hat getreut in Leber, Milz, Knochen ,Kopf und letzte Woche hat er geschrieben Blutkrebs....Er ist sehr verzweifelt..er wünscht sich Ruhe...ich wünsche mir, ihn zu sehen.. Er sieht sehr schlecht aus, 15 KG abgenommen, Haare verloren..Wieviel Zeit ihm wohl noch bleibt????Wenn ich es nur wüßte, was kann ich tun, werde ich es irgendwann mal bereuen, nicht das "richtige"getan zu haben????

Liebe Grüße Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,

es tut mir leid, dass du jetzt wahrscheinlich länger auf eine Antwort von mir warten musstest. Ich war einige Wochen wegen eines familiären Todesfalls im Ausland. Leider kann ich nicht sehen, wann du mir zuletzt geschrieben hast.
Du hast jetzt eine sehr schwere Zeit. Aber ich denke, du hast das Richtige getan und brauchst auch nichts zu bereuen. Du hast das getan, was dir möglich war und er spürte, dass du ihn liebst und für ihn da sein wolltest. Ich weiß, wie schwer es ist, noch mehr helfen zu wollen, aber es nicht zu können. Mach' dir bitte aber nie Vorwürfe; du bist ein Mensch, der alles Menschenmögliche versucht, aber du bist leider - wie alle Menschen - nicht allmächtig. Gib ihn als gläubige Frau in die Hände des allmächtigen Gottes.
Wenn du magst, schreibe mir, damit ich weiß, wie es dir augenblicklich geht und ich dir schneller antworten kann.
Liebe Grüße
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Lieber Christian,
danke für deine Antwort. Ja, jeder hat irgendwie im Leben mit Verlusten zu kämpfen und zu tun...Im Moment versuche ich nicht oft daran zu denken, ich verdräne es ingendwie und erinnere mich an schöne Moment mit ihm...die waren allerdings selten, weil wir nie richtig Zeit für uns hatten....Ich kann ja doch nichts richtig machen... außer vielleicht für ihn da sein, wenn er mich sehen möchte.
Schönes Wochenende.
Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,
ich glaube, es ist schon viel, wenn du für ihn da sein kannst, wenn er es möchte. Und es ist auch sehr gut, sich an die schönen Momente zu erinnern. Erinnerungen können ja wie Fotos sein, an denen man sich erfreuen kann. Denke aber in dieser schweren Zeit auch an dich und versuche dich mit angenehmen Dingen (wie z.B. dem Gospelchor) abzulenken. Versuche nicht zu sehr zu grübeln und bleibe nicht allein, sondern gehe unter Freunde. Aber wahrscheinlich wirst du das alles prinzipiell schon selbst wissen, nur, es auch alles durchzuführen, ist nicht immer einfach; probiere es an jedem Tag von Neuem.
Viele Grüße
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Lieber Christian,
jetzt ist es soweit: Palliativstation. Einzelzimmer. Ich habe ihn vorgestern dort besucht, sieht ganz ganz schlimm aus. Keine Haare, 20 kg abgenommen, fast nur geschlafen, keine Kraft mehr, sich selbstständig zu bewegen, nur ein Auge geht auf, weil die Motorik fehlt, zittern am ganzen Körper.....oh, mensch....War nur dumm , dass seine Schwester die ganze Zeit da war, sie kennt mich ja nicht. Hab gesagt, bin ne alte Bekannte...Er hat aber nie von mir erzählt.. Als sie kurz auf Toilette war, bin ich ganz nah an ihn ran, habe sein Gesicht gestreichelt, ihn geküßt und gefragt, ob er sich freut, dass ich da bin. Er hat ja gesagt. ich habe gesagt, dass ich ihn immer geliebt habe und ihm dann gesagt, dass ich gleich gehe. Ob ich nochmal wiederkommen soll. Er hat ja gesagt. Leider kam dann die Schwester wieder rein... schade.....er hat mich wahrgenommen und eine Zeit meine Hand gehalten.. Ich habe die Telefonnummer seiner Schwester.... Am Abend war ich so blöd, ihm eine SMS zu schreibe. Ich habe geschrieben, dass ich ihn immer liebe und er immer in meinen Gedanken sein wird. In Liebe, deine Kerstin. Ich habe gedacht, er kann sie vielleicht doch noch lesen. Am nächsten Morgen kam dann eine SMS: Bitte lassen Sie meinen Mann in Ruhe. Er hat hier genug Leute, die ihn lieben, da braucht er Ihre Liebe bestimmt -NICHT-

Das hat mich mitten ins Herz getroffen!!! Immer war ich für ihn da, sie weiß doch gar nicht, was uns verbindet. Es war eine Seelenübereinstimmung....Und er hat sie nicht geliebt. Sie hatten getrennte Schlafzimmer, er war nur wegen der Tochter bei ihr. Er hat den Auftrag gegeben, das Haus zu verkaufen und wollte sich trennen. Und diese blöde Kuh schreibt sowas....Er hat bei mir Ruhe gefunden, das was er immer wollte. Das Blöde ist auch, ich habe ihm Geld geliehen, welches er mir zurückzahlen wollte, wenn das Haus verkauft ist..Was soll ich tun?? Ich habe Verträge über die Ausleihe mit ihm gemacht, aber wem soll ich die vorlegen?? Jetzt bin ich doch ratlos, ihn kann ich nicht mehr fragen, denke ich...weiß nicht, ob er nochmal richtig zu sich kommt.

Ach, Christian, war ich zu gutmütig mit meinem Herz voller Liebe für ihn?
Wünsche dir schöen Pfingsten. Vielleicht hast du doch nochmal einen Rat für mich. Ach so, er hat auch noch beide Elternteile, die ich aber auch nicht kenne..
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,
ja, die Zeit wird jetzt wahrscheinlich noch schwerer für dich. Aber vielleicht hast du dich innerlich darauf vorbereitet, dass es mit ihm irgendwann nun zu Ende geht und vielleicht konntest du doch innerlich auch von ihm Abschied nehmen. Du warst sicherlich sehr wichtig für ihn und er hat gefühlt, dass du ihn liebst - das ist vielleicht im Moment das Allerwichigste. Ich glaube, ich würde mich zunächst nicht an seine Schwester wenden, nachdem deine SMS in die Hände seiner Frau gekommen ist, da sie evtl. auch davon erfahren hat und möglicherweise auch gegen dich eingestellt ist. Aber das musst du letztlich selbst entscheiden - je nachdem, wie sich euer Zusammentreffen bei ihm gestaltete - ob eine gewisse Sympathie zu erkennen war...
Was das geliehene Geld angeht, so würde ich an deiner Stelle zunächst einmal zu einem Rechtsanwalt oder einer Rechtsberatung gehen, der dir evtl. einen Rat geben kann, wie du damit am Besten umgehst. Wenn seine Frau die Erbin ist, musst du dich wahrscheinlich deshalb an sie wenden. Aber ich denke, das kann dir ein Rechtsanwalt genau sagen und vielleicht kannst du ihm dann ein Mandat geben, damit er für dich die Angelegenheit regelt.
Ich hoffe, dass du wieder zu dir findest und dein Leben auch irgendwann wieder genießen kannst. Tu' auf jeden Fall auch dir Gutes, damit deine Gedanken nicht ausschließlich um ihn kreisen.
Es ist sicherlich schwer, aber versuch' es.
Viele Grüße
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Hallo Christian,
jetzt sind ein paar blöde Sachen passiert....ich war ein paar Tage später nochmal da, um ihn nochmal zu besuchen. Ich wollte grade ins Zimmer gehen, da kam die Krankenschwester und hat gefragt, wohin ich will. Sie hat gesagt, der Patient muß erst gefragt werden, welchen Besuch er sehen will....und...er wollte mich nicht sehen... nur seine Frau und seine Schwester... ich war total fertig, habe total die Nerven verloren und geweint..fassungslos...bin über ne Stunde Auto gefahren, hab mir extra die Zeit genommen...er ist wieder zuhause, jetzt, nicht mehr Krankenstation..hab gedacht, ich versuch es einfach mal telefonisch...er ist rangegangen..und hat gesagt:
Dass du dich noch traust, mich anzurufen, nachdem was du dir geleistet hast..mich einfach zu besuchen und dich in meine Familie einzuschleichen..

Dann hat er den Hörer aufgelegt und war nicht mehr zu erreichen..dann hat er mich am Telefon geblockt, so dass ich ihm nicht mehr schreiben kann...ich hab nur ne SMS geschickt, das hier wohl ein riesiges Mißverständnis vorliegt..und es doch nur ein BESUCH war.....ich war danach total fertig, weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.. sowas habe ich nicht erwartet...oh man, was habe ich nur falsch gemacht????????????????????????????????? Ich weiß es nicht... auch, was ich jetzt wegen des Geldes machen soll. Ich war übrigens zur Rechtsberatung. Sie hat mir gesagt, ich solle der Familie einen Brief schreiben, in dem ich das Darlehen kündige. Und die Rückzahlung erwarte, sie würde aber auch für mich tätig werden.. Ich weiß nicht, ob ich das will, aber diese für mich so veränderte Situation läßt mich vor Wut und Enttäuschung kochen..
Ich will nicht, dass er böse auf mich ist, er hat mich doch geliebt, ich war immer für ihn da..Was würdest du tun? ich will auf alle Fälle jetzt mein Geld wiederhaben..

Schönen Abend..
Kerstin
Ich habe meinem Mann übrigens davon erzählt, nur die Sache mit dem Geld halt nicht. Er sagt, ich soll ihn vergessen, er ist es einfach nicht wert......
Christian Geinitz
Hallo Kerstin,
die Reaktion von deinem kranken Freund kann ich so auch nicht verstehen; sie hängt wahrscheinlich irgendwie mit der SMS zusammen, die du ihm geschrieben hattest und die seine Frau gelesen hat. Ist er dann von seiner Frau so beeinflusst worden, wogegen er sich in seinem Stadium nicht mehr recht wehren kann? Man weiß es nicht. Vielleicht lehnt er sich auch in seinem letzten Stadium wieder an seine Frau an. Auch das kann man nicht wissen und für dich ist es natürlich sehr schwer. Vielleicht musst du nun wirklich ganz mit ihm abschließen und dir sagen, dass es eine große Liebe war, die nun zu Ende ist und dich nun wieder mehr auf deine eigene Familie konzentrieren. Vielleicht ist ja dein Mann so verständnisvoll (was du ihm dann sehr sehr hoch anrechnen müsstest), um dir durch deine schwere Zeit zu helfen.
Wenn du vor Wut kochst, hilft dir das auch, dann hast du möglicherweise schon selbst ein bisschen mit dem Freund abgeschlossen. Mit der Ungewissheit, wieso sich sein Verhalten so plötzlich dir gegenüber geändert hat, musst du leben, wenn du nicht noch durch jemand anderen herausfindest, was geschehen ist ( evtl. durch seine Schwester??).
Was das Geld angeht, so würde ich zunächst so vorgehen, wie man dir bei der Rechtsberatung gesagt hat (natürlich nie ein Original aus der Hand geben!). Und wenn keine oder eine abschlägige Reaktion kommt, schalte einen Anwalt ein.
Nun wünsche ich dir sehr, dass du die Situation gut bewältigst und dich gefühlsmäßig auch wieder mehr deinem Mann und deiner Familie zuwenden kannst.
Wenn du möchtest, kannst du mich gern auch über das Sorgentelefon anrufen (schau auf der Website nach), da ich dir in Zukunft aus Kostengründen keine längeren E-Mails mehr schreiben kann.
Es grüßt dich
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Lieber Christian,
danke, für die vielen tollen Ratschläge und Unterstützung, in der für mich schweren und komplizierten Zeit.
Es hat mir sehr geholfen... ich versuche auch irgendwie damit abzuschließen und mich wirklich mehr auf meinen lieben, verständnisvollen Ehemann zu konzentrieren.
Ich lasse mir aber alles noch durch den Kopf gehen, vor allem wegen des Geldes.
Ich werde dich auch mal bei Gelegenheit anrufen.
Viele liebe Grüße
Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,

ich bin froh, dass ich dir etwas helfen konnte. Ich wünsche dir alles Gute und viel Zuversicht für dein weiteres Leben. Wenn du mich anrufen möchtest, ...gern. Schau auf der Website, ob ich eingeloggt bin, dann kannst du mich erreichen.

Beste Grüße
Christian
Ratsuchende(r)
Lieber Christian,
heute habe ich erfahren, dass er am 22.7.15 verstorben ist. Ich bin unsagbar traurig, es berührt mich sehr. Noch war keine Anzeige in der Zeitung, wegen Trauerfeier oder Beisetzung. Ich weiß auch nicht, ob es gut wäre, dabeizusein. Obwohl ich gern Abschied nehmen würde. Ich sehe zum Himmel und denke: Du hast jetzt die Ruhe, nach der du dich immer gesehnt hast und keine Schmerzen und kein Leid mehr, mein Geliebter.
Ich werde ihn immer lieben und auch nie vergessen Oh man, es tut so weh.....Meine Gedanken sind bei ihm und ich denke an unsere schönen Momente und Augenblicke, die wir leider nicht oft hatten.
Es grüßt dich Kerstin
Christian Geinitz
Liebe Kerstin,

es tut mir unendlich leid für dich und ich wünsche dir, dass du nun sehr viel Kraft durch deinen Glauben und auch anderen Menschen erhalten kannst. Du hast ja mit seinem Tod gerechnet und konntest dich seelisch darauf einstellen, aber wenn es dann soweit ist, ist es natürlich für dich sehr schwer.
Ich hoffe, dass dir die guten Erinnerungen auch dabei helfen, deinem Verlust mit der Zeit zu verwinden.

Viele Grüße
Christian Geinitz

Ihr(e) Berater(in)

Christian Geinitz

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