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Ich bin stark traumatisiert und kämpfe seit Jahren dagegen an

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 31.03.16

Ursprungsanfrage
Hallo,
ich bin Traumapatientin, wurde von meinem 2. Lebensjahr an sexuell missbraucht und gefoltert, vom eigenen Vater und Großvater und von fremden Tätern. Ich habe "Dinge" überlebt, die eigentlich nicht zu überleben waren.
Dadurch habe ich eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung entwickelt und eine dissoziaitve Persönlichkeitsstörung bekommen.
Obwohl ich schon viele Jahre in Behandlung bin, geht es mir immer wieder sehr schlecht. Eben stecke ich wieder in einer starken Depression.

Vor einigen Wochen ist mein "Vater", den mal als solches eigentlich nicht bennen darf, gestorben und seit dem klappen viele neue Erinnerungen hoch. Sie sind schrecklich, die Flahsbacks fressen mich auf, führen zu Suizidgedanken! Ich weiß nicht weiter!!!

Halte diesen Schmerz einfach nicht mehr aus!!!

Musste neben Missbrauch, Nahtoderfahrungen, Folter und anderen schlimmen Dingen, sogar Tötungen von Kindern miterleben - und weiß nicht, wie ich das aushalten soll!

Können Sie mir helfen? Ich bin in einer sehr guten Behandlung, bei einer sehr guten Fachärztin und Traumatherapeutin, aber sie ist zur Zeit im Urlaub. Besonders die Nächte sind mega schwer.
Danke, S.
Susanne Bodin
Liebe Ratsuchende S.,
vielen Dank für Ihre Offenheit und das Vertrauen in unser Sorgentelefon.
Sie haben wirklich eine Menge zu verarbeiten und deshalb kann ich Ihnen als erstes raten, auf jeden Fall die Therapie weiterzuführen und ernstzunehmen. Sie schreiben ja, dass Sie eine gute Therapeutin haben, das ist schon einmal sehr viel wert und es ist ganz wichtig, dass Sie regelmäßig die Sitzungen wahrnehmen.
Vor allem sollten Sie stolz auf sich sein, überhaupt den Schritt gegangen zu sein, eine solche Therapie zu beginnen, denn wie Sie ja bestimmt selber erfahren haben, erfordert das sehr viel Disziplin, Ausdauer und Arbeit an sich selbst. Das ist in Ihrer Situation nicht selbstverständlich und ich finde es sehr bewundernswert, dass Sie diesen Weg gegangen sind und sich helfen lassen.
Sie müssen sich aber immer wieder vor Augen führen, dass es ein sehr langer Weg sein kann, so viele Traumata und all das, was Sie erlebt haben, zu verarbeiten. Deshalb müssen Sie wirklich Geduld haben und sollten nicht aufgeben, auch wenn es zwischendurch mühsam wird und Sie vielleicht manchmal glauben, dass Sie es nicht schaffen.
Sie werden in der Therapie sicherlich Techniken gelernt haben oder noch lernen, wie Sie Ihre Gefühle besser in eine Richtung lenken, die für Sie gut ist. Die Vergangenheit können wir nicht ändern, aber wir können unsere Einstellung zu den Dingen, die passiert sind, ändern. Bei so schlimmen Erlebnissen wie bei Ihnen geht das nicht von heute auf morgen, aber es gibt zum Beispiel die Möglichkeit des "Ankerns", das heisst man verändert die Reaktion auf ein Ereignis von einem unguten Gefühl zu einem positiven, entspannten Gefühl, und durch regelmäßiges Einüben verankert sich dies bei Ihnen. Und immer, wenn diese unguten Bilder auftauchen, werden Sie nicht mehr die negativen Gefühle wie Ängste spüren, sondern das neu eingeübte Gefühl der Entspannung. Das muß aber in der Therapie eingeübt und wederholt werden, bevor sich ein solcher Automatimus einstellt.
Jeder kennt das: bei einem bestimmten Geruch zum Beispiel erinnert man sich an etwas Bestimmtes, das kann positiv oder negativ sein. Wenn dieser Geruch mit negativen Erinnerungen verknüpft ist, dann kann man diesen Geruch mit einem positiven Gefühl verbinden, dies immer wieder einüben und nach einiger Zeit verbinden wir diesen Geruch mit dem neu eingeübten positiven Gefühl. So ist es auch mit negativen Verknüpfungen in der Vergangenheit, auch diese kann man schrittweise umändern.
All das erfordert Geduld und Sie sollten auf jeden noch so kleinen Schritt, den Sie gemacht haben, stolz sein und sich immer wieder vor Augen führen, das Sie das selbst geschafft haben und dass jeder kleinste Fortschritt ein großer Erfolg ist.
Vielleicht besteht ja bei Ihnen auch die Möglichkeit, noch einmal eine stationäre Therapie zu machen, denn dort werden auch andere Angebote genutzt wie Maltherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie und dergleichen. Diese Angebote sind sehr sinnvoll, um wieder Freude am Leben zu entwickeln und die eigenen Stärken auszubauen.
Da Ihre Therapeutin momentan in Urlaub ist, müssen Se in dieser Zeit allein zurechtkommen. Haben Sie schon einmal ein Entspannungsverfahren ausprobiert, wie zum Beispiel Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen ? Diese Verfahren eigenen sich sehr gut, ein Gefühl der Ruhe zu entwickeln, wenn einen Unruhe oder Ängste überkommen. Es ersetzt natürlich keinesfalls die Therapie, aber es kann dazu beitragen, sich wohler zu fühlen. Genauso wie es wichtig ist, sich zu bewegen und aktiv zu werden, es muss ja kein Leistungssport sein.
Sie können sich auch überlegen, was Ihnen Spaß macht und guttut, und sich vornehmen, an jedem Tag ein solch kleines Ritual auszuführen. Das kann ein Spaziergang im Wald sein, ein schönes Bad, das Hören einer guten CD, ein Frühstück mit der Lieblingsmarmelade oder andere kleine Dinge. Machen Sie an jedem Tag etwas für sich und versuchen Sie, das zu genießen und es bewusst zu tun. Versuchen Sie weiterhin, sich einen Freundeskreis zu schaffen mit Menschen, die Ihnen guttun. Unternehmen Sie etwas zusammen und versuchen Sie schrittweise, wieder am Leben teilzunehmen.
Natürlich vergessen Sie dadurch nicht Ihre Vergangenheit, das ist ja auch gar nicht das Ziel, aber Sie erleben etwas Schönes und merken, dass Sie auch wieder Freude empfinden können, und das tut gut. Vor allem sollten Sie sich vor Augen führen, dass Sie ein wertvoller Mensch sind und dass niemand das Recht hat, Ihnen Ihre Lebensfreude zu nehmen, auch wenn es Menschen aus der Vergangenheit sind.
Haben Sie schon einmal in Erwägung gezogen, sich eine Selbsthilfegruppe zu suchen ? Auch das kann sehr hilfreich sein, denn dort merkt man, dass man nicht allein ist mit seinen Ängsten und Erlebnissen, sondern dass es vielen anderen Menschen auch so geht und dass sie auch damit zurechtkommen müssen. In jeder Stadt gibt es ein solches Angebot, im Gesundheitsamt liegen meistens die Listen mit den Gruppen aus. Es hilft einem sehr, wenn man mit Menschen, die ähnliches erlebt haben, reden und sich mit ihnen austauschen kann.
Zudem ist aber auch wichtig, dass Sie regelmäßig Ihre verordneten Medikamente einnehmen. Ich denke, bei Ihrem Krankheitsbild werden Sie Medikamente bekommen, und es ist sehr wichtig, dass Sie diese regelmäßig einnehmen und auch immer wieder die Dosis überprüfen und eventuell angleichen.
Natürlich sollte man nicht für oder gegen alles Medikamente nehmen, aber in Ihrem Fall ist es sehr wichtig und kann Ihnen nur helfen, wieder mehr Lebensqualität zu erlangen.
Ich hoffe, Sie können einige der Anregungen aufgreifen und ausbauen und ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und alles Gute auf Ihrem Weg. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es Ihnen zwischendurch wieder schlechter geht, das ist normal und eine solche Therapie erfordert sehr viel Geduld und Ausdauer. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, und deshalb seien Sie stolz auf sich und den Weg, den Sie schon geschafft haben.
Sie können sich jederzeit wieder per E-Mail melden, vielleicht schreiben Sie mir auch einmal, welche Anregungen Sie aufnehmen konnten, Sie können aber auch unser telefonisches Angebot nutzen. Sie wissen ja, in jedem Fall sind Sie hier anonym.

Viele Grüße und alles Liebe
Ihre Beraterin Susanne B.
Ratsuchende(r)
Hallo Susanne B.,
haben Sie lieben Dank für Ihre lange Antwort!
Ja, ich habe schon mehrfach stationäre Therapien gemacht und suche eben nach einer neuen Klinik, in der ich Trauma aufdeckend arbeiten kann und habe viele Skills gelernt, wende sie auch an.
Aber in einer Phase wie eben, helfen sie nicht!

Ich konnte gestern nicht einmal meinem Mann sagen, warum ich so weinte, alles in mir zerbrach!!!
Bin wortlos, in mir verloren, verzweifelt!
Dass es ein langer Weg ist, ist mir klar, ich bin seit 1996 in Therapie. Problem war, dass erst sehr spät die richtigen Diagnosen gestellt wurden! Weiß ja erst seit 2010 von der dissoziativen Persönlichkeitsstörung, die alles verändert hat. Gefühlt, dass das, was wirklich schreckliches ist, dass mich schier verrückt werden lässt, wenn ich es zulasse, hatte ich schon mein Leben lang!
Die Erinnerungen des vielen Missbrauchs, der Gewalt, Tod, ausgeübt von so vielen Männern, besonders durch meinen Vater, lassen mich nicht los! Ich versuche mich abzulenken, habe gestern mit einem Freund telefoniert, mit ihm zusammen versucht, einen Weg zu finden.

Ich halte durch, wenn es auch mega schwer ist!!!
Aber ich weiß nicht, wie ich mit den Bildern der Tötung kleiner Mädchen umgehen soll! Es klappt eben kaum, mit dem Kontrollieren der Flashbacks! PMR löst bei mir Krampfanfälle aus. Ich mache Imaginationsübungen und singe viel, momentan mit wenig Erfolg!

Was kann ich nur tun, um Abstand zu bekommen und nicht durchzudrehen?
Dass der Wunsch, nach einem dauernden Ende, aufhört!
Ich denke schon, dass einige im System leben wollen, hingegen die meisten kleinen Anteile, wollen sterben!
Wieso mussten wir das alles überleben? So, wie es seit über 38 Jahre lang schon ist, darf es nicht weitergehen!

Stolz, ja, manchmal bin ich es. Ich bin verheiratet, liebe meinen Mann über alles und er mich, trotz meiner schlimmen Erfahrungen, aber es ist für uns beide so schwer!

Könnten Sie mir bitte nochmal antworten?
Ich glaube, es könnte mir sehr helfen!

Vielen Dank,
S.
Susanne Bodin
Liebe Frau S.,
ich glaube Ihnen, dass die Situation sehr schwer für Sie ist und dass Sie in manchen Momenten denken, dass Sie das nicht schaffen. Sie sind aber den Schritt gegangen, eine Therapie zu beginnen, und das war ganz wichtig und diesen Weg sollten Sie weiter verfolgen.
Leider haben Sie mir nicht geschrieben, ob Sie medikamentös eingestellt sind und ob Sie auch darauf achten, die Medikamente nach Verordnung zu nehmen. Das ist ganz wichtig, denn viele Stimmungsveränderungen und Gefühle der Angst und Panik werden auch beeinflusst von Stoffwechselstörungen des Gehirns und man muß die fehlenden Stoffe bzw. Hormone ersetzen, damit wieder ein Gleichgewicht entsteht. Das können Sie allein mit Ihrem Willen und mit Entspannungsübungen nicht hinbekommen, da sind Medikamente nötig. Ich habe das ganz bewusst allgemein geschrieben, weil ich natürlich aus der Ferne Ihre spezielle Diagnose nicht im einzelnen kenne und beurteilen kann, aber es ist sehr wichtig, dass man sich an die Medikamentenverordnung hält und auch gegebenenfalls die Medikamente oder die Dosis immer wieder überprüft und anpasst.

Ich finde es auch sehr gut, dass Sie sich wieder um einen Klinikplatz bemühen, und es wird Sie sicherlich wieder ein Stück voranbringen.
Es gibt, gerade weil Sie die Flashbacks ansprechen, eine spezielle Methode, mit der Traumapatienten behandelt werden, die immer wieder solche Flashbacks haben und die sehr gute Erfolge erzielt. Die Methode heißt EMDR ( Abkürzung für Eye Movement Desensitization and Reprocessing ), auf deutsch frei übersetzt Augenbewegungs-Wiederaufarbeitung und bei dieser Methode wird durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen eine Synchronisation unter den Gehirnhälften und eine Reorganisation der Traumaerfahrung ermöglicht. Erkundigen Sie sich doch einmal, ob Ihre Therapeutin diese Methode anbietet oder ob Sie eine Klinik finden, die mit der Methode arbeitet, denn das könnte eine Möglichkeit für Sie sein, die belastenden Flashbacks zu verringern.
Insgesamt aber sollten Sie sich immer wieder klarmachen, dass Sie schon eine Menge aus eigener Kraft geschafft haben und es sehr viel Geduld erfordert, die Vergangenheit zu bearbeiten und zu verarbeiten. Überlegen Sie auch, in welchen Situationen die Flashbacks häufiger auftreten, schreiben Sie sich am besten auf, wann Sie auftreten und in welcher Situation Sie dann sind bzw. was Sie vorher getan haben. So können Sie die Auslöser vielleicht identifizieren und versuchen, sie auszuschalten. Ist es vielleicht so, dass sie in Stresssituationen häufiger auftreten? Dann könnten Sie versuchen, die spezifischen Auslöser zu verringern oder mehr darauf zu achten, dass Sie in Stresssituationen immer wieder einen Gang zurückschalten und sich eine Ruhepause gönnen.
Es hilft einem generell auch, dass man nicht immer versucht, gegen die eigenen Gefühle anzukämpfen. Wenn es Ihnen wieder schlechter geht, dann versuchen Sie nicht, mit allen Mitteln dagegen anzukämpfen, sondern lassen Sie es, solange es einigermaßen aushaltbar ist, auch einmal zu, denn es darf einem schlecht gehen, man muß nicht immer eine gute Phase haben. Das wird in unserer Gesellschaft vielfach auch so suggeriert: Jeder Mensch muß immer nur fröhlich, gut gelaunt und glücklich sein. Wir sind aber keine Maschinen, und schon gar nicht funktioniert das bei Ihnen, da Sie eine solche Vergangenheit zu bewältigen haben. Gestehen Sie sich ein, dass Sie immer Phasen haben werden, in denen es Ihnen wieder nicht so gut geht, aber vertrauen Sie auch darauf, dass es wieder bergauf geht.
Sie können versuchen, die Vergangenheit als einen Teil Ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren, denn Sie können das Geschehene nicht ändern. Sie können aber Ihre Einstellung ändern. das heisst nicht, dass Sie das Gewesene beschönigen, aber dass Sie es einfach als gegeben hinnehmen und statt gegen die Vergangenheit zu leben, versuchen, mit der Vergangenheit zu leben. Es gehört zu Ihnen, und es wird immer ein Teil Ihrer Biographie sein. Wenn Sie das akzeptieren, werden Sie vielleicht gelassener, denn es gelingt nicht, das Gewesene auslöschen zu wollen. Sie müssen damit leben und Sie sind auf einem guten Weg, trotzdem ein gutes Leben zu führen. Sie haben eine Familie, was ganz toll ist, und das sollten Sie hoch schätzen und sich dort auch auffangen lassen.
Haben Sie mal versucht, eine Selbsthilfegruppe zu finden? Manchen Menschen hilft das sehr, und es wäre doch für Sie auch eine Möglichkeit, mit anderen betroffenen Erfahrungen auszutauschen, auch was Therapieangebote und Ärzte betrifft.
Und die Frage, die Sie stellen, nämlich, warum Sie das überleben mußten, bringt Sie kein Stück weiter, im Gegenteil, Sie werden keine Antwort erhalten, sondern es bringt Sie wieder einen Schritt zurück. Schauen Sie nach vorn, überlegen Sie sich, was Sie noch tun können, was Sie erreichen möchten und gehen Sie diesen Weg, den Sie begonnen haben, weiter. Sie haben schon eine Menge erreicht und Sie werden das auch weiterhin schaffen.

Viele Grüße
Ihre Beraterin Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Frau Bodin,

ja, ich bin medikamentös eingestellt und nehme meine beiden Medikamente regelmäßig. Habe auch Bedarfsmedikation, auf die ich immer wieder zurückgreife.

EMDR kenne ich auch, habe stationär und ambulant mehrfach damit gearbeitet. Zuletzt haben meine Fachärztin und ich im Juli und September eine ambulante Konfrontation mittels Tappen gemacht! Das hat einiges an Druck genommen.
Eine Selbsthilfegruppe in meiner Nähe gibt es nicht!

Ich versuche, nicht aufzugeben, daran zu glauben, dass es wieder besser wird. Fühl mich sehr erschöpft und traurig.
Und ja, es gehört zu mir und wird immer ein Teil von mir sein, so gern ich es mir auch anders wünsche.
Dass die Frage, warum ich es überlebt habe, mich nicht weiter bringt, sehe ich noch ambivalent. Es muss doch einen Grund haben, dass ich das überlebt habe!

Mein Kopf ist wie leer gefegt, die Trauer hat mir eben alle Zeilen genommen!
Der Schmerz ist zu groß!
Mit traurigen Grüßen S.

Susanne Bodin
Liebe S.,
ich glaube Ihnen, dass Sie traurig sind und dass es ein schwerer Weg ist. Sie haben ja mit EMDR gearbeitet und schreiben, dass Ihnen dadurch ein wenig der Druck genommen wurde. Vielleicht können Sie da weitermachen und noch Sitzungen anhängen, denn es braucht sehr viel Geduld und Ausdauer, bis man auf Dauer Veränderungen einleiten und bemerken kann.
Sie machen alles richtig, Sie nehmen Ihre Medikamente und haben regelmäßig Therapiesitzungen, und es ist wirklich wahr, es ist ein langer Weg.
Sie sollten sich aber immer wieder auch Ihre Erfolge vor Augen führen und wie sehr Sie selbst daran gearbeitet haben, dass diese Erfolge eingetreten sind. So etwas kommt nicht von selbst, sondern Sie haben das geschafft und Sie haben es auch geschafft, trotz dieser schlimmen Ereignisse in der Vergangenheit, eine Familie aufzubauen und Menschen um sich zu haben, die Ihnen gut tun.
Vielleicht liegt darin die Antwort darauf, warum Sie das überlebt haben, nämlich in der Fähigkeit und in Ihrer Kraft weiterzuleben und zu sagen, ich lasse mich nicht unterkriegen und ich lasse mir mein Leben nicht von anderen zerstören. Diese Frage beschäftigt Sie ja, wie Sie schreiben.
Das ist natürlich jetzt ein wenig spirituell und philosophisch, aber vielleicht hilft Ihnen diese Sichtweise.

Schade, das es keine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe gibt, forschen Sie doch noch einmal nach oder fragen Sie Ihre Therapeutin, ob es nicht doch etwas in dieser Richtung gibt. Eigentlich sind diese Gruppen sehr verbreitet, aber vielleicht gründen Sie selber eine solche Gruppe!? Die Arbeit würde Ihnen bestimmt sehr viel bringen, denken Sie doch einmal darüber nach. Sie können mit Ihren Erfahrungen anderen helfen, und Sie können von den Erfahrungen anderer profitieren, das ist vielfach ziemlich hilfreich.
Ich würde auch auf jeden Fall wieder einen Klinikaufenthalt in die Wege leiten, es gibt immer wieder neue Methoden und auch ist es möglich, dass dort Therapeuten sind, die Ihnen liegen und bei denen Sie neue Erfahrungen machen können.
Gehen Sie den Weg weiter und überlegen Sie doch auch noch einmal, ob Sie die Auslöser für Ihre Flashbacks identifizieren können. Schreiben Sie über eine längere Zeit vielleicht auf, wann diese auftreten und versuchen Sie zu ergründen, ob es da einen zeitlichen Zusammenhang zu den Ereignissen gibt, die vorher abgelaufen sind.
Alles Gute für Sie und liebe Grüße,

Ihre Beraterin Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Frau Bodin,

nach einem anstrengenden Tag, der aber nur einen Termin hatte (Ergotherapie), liege ich erschöpft auf meinem Bett, habe mich von Ehemann und Hund zurückgezogen.

Ich liebe die Beiden über alles, habe aber eben kaum Kraft und Ausdauer und eine zu geringe Reizschwelle, um lange mit ihnen zusammen zu sein. Das ist sonst nicht so!
Es kam schon oft vor, dass mich Stolz ergriffen hat, dass mein Mann mich ausgesucht hat und unser Hund, wie eine Schicksalsfügung war. Eigentlich war er schon vergeben und dann riefen wir an und durften ihr ein Zuhause schenken! Die Liebe verbindet uns drei!

Ja, der Weg ist lang, obwohl ich schon viele Schritte geschafft habe, aber auch zahlreiche Rückschläge!
Mit EMDR werde ich immer wieder arbeiten, denn es ist wirklich das effektivste, gegen das Grauen!

Heute hatte ich keine Flashbacks und auch keinen Persönlichkeitswechsel. War immer die große, kompetente S.. Gut hat sich das aber nicht angefühlt, der Druck innen steigt! Es scheint fast so, dass nur kleine Anteile entweder hochklappen durch die Erinnerungen, oder die Erinnerungen nur, wenn ein kleiner, betroffener Anteil oben ist! Ich bin also wieder am kontrollieren!
Das Ergebnis ist, dass ich mich wie ausgehöhlt fühle, ein Vakuum, eine Ermüdung, ohne jedes andere Gefühl!
Trauer und Schmerz tiefer, nicht zugänglich und somit auch kein Ventil gegen den steigenden Druck!
Depression pur!

Ich habe mal versucht, eine Selbsthilfegruppe aufzubauen, es ging leider schief, wegen zu geringer Teilnehmer. Momentan wär ich auch nicht verlässlich genug, solch eine Gruppe zu führen.
So nehme ich mir kleine Ziele vor, wie nächste Woche wieder zum Tischtennistraining zu gehen, vielleicht mal wieder kreativ zu sein (würde sehr gerne wieder schreiben und malen können), denn ohne meine Kreativität fehlen gut 80 % meiner selbst!

Was das Auftreten und den Zeitpunkt der Flashbacks betrifft, werde ich darauf achten, wenn sie wieder losgehen.
Diese Art Zwischenphase ohne Ausschlag nach oben oder unten fühlt sich merkwürdig an.
Ist es ein Schutz? Eine Pause? Oder eine Notwendigkeit?
Weinen entlastet, erinnern tut weh, nimmt aber Druck aus dem Vakuum.
Ich weiß nicht, Ihnen meine Gedanken mitzuteilen hilft, und gibt mir ein Gefühl, nicht alleine damit zu sein!
Das bedeutet mir viel, herzlichen Dank!
Gute Nacht,
Ihre S.
Susanne Bodin
Liebe S.,
ich freue mich sehr, dass Ihnen unser Austausch gut tut, und Sie klingen auch schon wieder etwas optimistischer.
Gerade das Reden, oder in diesem Fall Schreiben, über die eigenen Gefühle sind sehr wichtig, deshalb forschen Sie doch wirklich noch einmal nach, ob Sie eine Gruppe finden, in der Sie sich mit Betroffenen treffen können. Vielleicht können Sie auch im Internet einen blog aufbauen, diese Arbeit wäre für Sie überschaubar und Sie könnten sich mit anderen austauschen. Andere Betroffene wissen, worüber Sie reden, und Sie brauchen dort nicht viel zu erklären, das ist auch ein großer Vorteil.
Ich finde auch sehr schön, dass Sie sich kleine Ziele setzen und besonders hilfreich sind natürlich kreative Arbeiten. Versuchen Sie doch, eine Klinik zu finden, die den Schwerpunkt auf Kunsttherapie und dergleichen legt, denn Sie schreiben ja, dass Sie sehr gerne malen.
Bei Ihrem Krankheitsbild ist es ja gerade wichtig, dass Sie Schritt für Schritt versuchen, Ihre Identitäten anzugleichen und das können Sie in der Kunst und in Bildern vielfach viel besser ausdrücken und erreichen, als durch Reden. Aber Sie können auch schon jetzt beginnen, das Malen als Ausdrucksform zu wählen, denn auch wenn Sie erschöpft sind, wäre es eine gute Möglichkeit, den Ängsten ein Gesicht zu geben. Manchmal ist man ja auch erschöpft, weil sich die Gedanken ständig im Kreis drehen und man immer wieder die gleichen Denkmuster durchspielt, und gerade durch kreatives Arbeiten wird das Gehirn von diesen Gedanken abgelenkt und die Gedanken drehen sich nicht mehr im Kreis. Vielleicht ist das eher entlastend als anstrengend, versuchen Sie es auf jeden Fall. Sie merken ja dann, ob die Erschöpfung vielleicht dadurch sogar nachlässt, obwohl Sie aktiver sind oder gerade weil Sie aktiver sind.
Dass in letzter Zeit die traurigen Phasen wieder so extrem sind, macht mich aber auch ein wenig aufmerksam. Sie nehmen ja Medikamente, aber manchmal muß man auch die Medikation überprüfen, weil sich der Mensch verändert. Möglicherweise wäre eine Umstellung ratsam, oder aber eine Dosisangleichung. Sprechen Sie doch einmal mit Ihren Ärzten - und auch da wäre ein erneuter Klinikaufenthalt sinnvoll, denn vielleicht gibt es noch andere Ideen bei den dort behandelnden Ärzten, wie man Ihnen medikamentös noch besser oder anders helfen könnte.
Haben Sie auch schon mit hypnotherapeutischen Methoden gearbeitet? Auch das wäre eine weitere Option, und das EMDR-Verfahren kann man auch häufiger machen, denn das hat Ihnen ja auch ein wenig den Druck genommen.
Ich weiß, es ist ein langer und mühsamer Weg, aber Sie haben schon so viel geschafft, und Sie haben eine Familie, für die sich die Anstrengungen lohnen, durchzustehen. Wenn Sie wieder merken, dass die finsteren Gedanken kommen, dann versuchen Sie, ruhig zu bleiben, und sich zu sagen, dass Sie immer wieder aus diesem Tief heraus gekommen sind und es auch diesmal schaffen. Diese innere Kraft müssen Sie sich vor Augen führen und die Gewissheit, dass Sie von Ihrer Familie geliebt und gebraucht werden.
Ich weiß natürlich, dass depressive Phasen nicht durch bloße Willensanstrengung und durch solche positiven Gedanken zu durchbrechen sind, aber die generelle innere Einstellung, es zu schaffen, hilft einem über einen längeren Zeitraum doch. Und gerade weil depressive Gedanken nicht durch bloße Suggestionen zu durchbrechen sind, rate ich Ihnen sehr, die Medikation noch einmal gründlich überprüfen zu lassen.
Sie sind auf einem guten Weg, machen Sie weiter und versuchen Sie anzunehmen, dass es ein Auf und Ab gibt, auch diese Einstellung hilft, nicht in Panik zu verfallen, wenn es Ihnen gerade nicht so gut geht.

Ich wünsche Ihnen alles Liebe und melden Sie sich, wenn Sie das Bedürfnis haben, gerne wieder !

Viele Grüße
Ihre Susanne Bodin.


Ratsuchende(r)
Liebe Susanne Bodin,

heute Abend hätte es fast meinen 2. Suizidversuch gegeben! So knapp war es schon lange nicht mehr!!!!
Bei der TS war niemand zu erreichen, mein Mann kam nicht von der Arbeit weg und im Gespräch mit einer Freundin brach das Gespräch ab! Ich wußte nicht mehr weiter, hatte aber zu sehr Angst, den Notarzt zu rufen, denn dann wäre ich wieder in DER Psychiatrie gelandet, in der ich am 14.1.15 von mehreren Mitpatienten vergewaltigt wurde.
Ich rief einen Bogen-Freund an, der in der Nähe wohnt - er wechselte Reifen, rief später zurück und kam sofort!
Als er kam, führte ich ein Telefonat mit dem Krisendienst Mittelfranken, der eigentlich nicht für mich zuständig ist (gibt da aber eine Sonderabsprache mit dem Leiter und meiner Ärztin), weil ich nicht im Einzugsgebiet wohne. Die Beraterin sprach mit meinem Freund, ich schleppte mich krampfend zu einem Sessel und wurde bewusstlos. Irgendwann kam dann mein Mann, wohl noch, als mein Freund telefonierte. Ich wurde immer wieder bewusstlos, kam kurz etwas zu mir, war aber nicht in der Lage zu sprechen. Schleppte mich aufs Sofa, krampfte wieder und wurde wieder bewusstlos! Immer wieder!!!
Es ist kaum noch zu kontrollieren, das die Kleinen im System, die die vielen Morde miterlebt haben, sterben wollen, ja, fast schon müssen und den Körper des Systems mitnehmen wollten!
Ich brauchte so dringend jemanden zum Sprechen, dachte es zerreißt mich! Ich versuchte alles nur erdenkliche, um nur keinen Mist zu bauen!
1998 hatte ich einen Suizidversuch mit Tabletten, den ich knapp und zum Glück ohne Spätschäden überlebt habe - doch heute war es mehr als nur knapp!
Diese vielen Bilder der Leichen!!! Kinder, wie ich, mit mir in einer Zelle. Oh man, wie sehr haben sich die Kinder früher gewünscht, selbst tot zu sein (damit es auch für sie vorbei ist) und wieviel Angst hatten sie gleichzeitig - mit den leblosen Körpern, kaum 2 Meter entfernt von ihnen, eingeschlossen im Verließ!
Wie soll ein Mensch, mit solchen Erinnerungen, weiterleben können oder nicht verrückt werden???
Ich habe kaum noch Kraft, habe zu meiner normalen Nachtmedikation zusätzlich 10 mg Diazepam genommen, schlafen kann ich trotzdem nicht!
Fast hätte ich die letzte Kontrolle verloren! Bin ich wirklich in der Lage so egoistisch zu sein und mich zu töten!? Damit es ENDLICH ein Ende hat???
38 Jahre Angst, Schmerz und Gewalt sind genug - ich kann nicht mehr!!!
Wie, so leben???
Eine völlig verzweifelte S.
Susanne Bodin
Liebe S.,
diese extremen Schwankungen sind ein typisches Zeichen Ihres Krankheitsbildes und es tut mir sehr leid, dass Sie diese Erfahrung wieder machen mußten.
Ich hatte Ihnen ja schon geraten, die Medikation noch einmal überprüfen zu lassen, aber da es jetzt so schlimm geworden ist, möchte ich Sie doch bitten, Ihre Ärztin akut aufzusuchen. Auch wenn sie sich im Urlaub befindet, wird sie eine Vertretung haben, und es ist ganz wichtig, dass Sie sich dort vorstellen und gemeinsam beraten, ob ein stationärer Aufenthalt nicht sinnvoller wäre, als das Risiko einzugehen, dass Sie mit einer solchen Gefährdung alleingelassen werden. Sie schreiben, dass Sie in der örtlichen Psychiatrie sehr schlimme Erfahrungen gemacht haben, deshalb müsste es möglich sein, dass man auf ein anderes Akutkrankenhaus ausweicht. Bitten Sie darum und lassen Sie nicht locker.
Ich schreibe Ihnen einmal ein paar Kliniken auf, die genau auf Ihr Krankheitsbild spezialisiert sind, da ich nicht weiß, wo Sie wohnen, habe ich unterschiedliche Standorte herausgesucht.
Vielleicht wäre es möglich, dass Sie dort aufgenommen werden, machen Sie es dringend und lassen Sie am besten Ihre Ärztin dort anfragen oder berufen Sie sich auf die Dringlichkeit, die von den behandelnden Ärzten attestiert wird.
Es sind die Wicker Klinik Bad Wildungen, dort gibt es eine spezielle Station für Traumpatienten; Klinik Hohe Mark in Oberursel; Asklepios Klinik Göttingen Station 9 in Göttingen; Klinik am Waldschlösschen in Dresden; Caduceus Klinik Bad Bevensen; Klinik Wahrendorff GmbH in Sehnde / Ilten,;Johannesstift Bielefeld.
Dies sind keine Empfehlungen, es sind Kliniken, die sich genau mit Ihrem Krankheitsbild der dissoziativen Persönlichkeitsstörung befassen und auf Traumapatienten ausgerichtet sind.
Bitte lassen Sie Ihren Mann das in die Wege leiten, wenn Sie momentan dazu nicht in der Lage sind, und bitten Sie ihn vor allem, Sie nicht allein zu lassen.
Sie brauchen jetzt einen geschützten Rahmen, Sie müssen zur Ruhe kommen und dürfen vor allen Dingen nicht alleine gelassen werden. Da das Wochenende bevorsteht, sollten Sie noch heute auch, ohne Termin, zum Arzt gehen und auf eine Einweisung bestehen.
Sie haben schon viele solcher Phasen überstanden und auch wenn Sie momentan kein Licht am Horizont sehen, glauben Sie mir bitte, dass ein Licht auch diesmal wiederkommt. Sie werden auch diese Krise überwinden, Ihre Familie braucht Sie, aber Sie müssen sich helfen lassen und das geht nur mit fachlicher Betreuung. Ich denke, dass man vor allem die Medikamente überprüfen muß, wahrscheinlich ist bei Ihnen eine Änderung nötig, und die sollte stationär überwacht werden.
Ich wünsche Ihnen alles alles Gute und bitte befolgen Sie meinen Rat.

Viele Grüße

Ihre Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Frau Bodin,
vielen Dank dass Sie sich solche Mühe geben und mir sogar Kliniken rausgesucht haben. Bei einigen fand schon ein Vorgespräch statt und ich kam für das Setting nicht in Frage! In Göttingen habe ich Vorgespräch und alles gehabt und wurde dort auch nur retraumatisiert, so dass ich aus Eigenschutz nach einem Tag abbrach!
Meine Fachärztin und ich suchen seit Herbst letzten Jahres. Die Klinik in Bad Wildungen war mein sicherer Hafen, habe dort 5 Intervallaufenthalte gehabt, leider wird eben umstrukturiert und ich kann für mind. 2 Jahre nicht aufgenommen werden! Meine behandelnde Therapeutin, und das war die Einzige neben dem Oberarzt, die die Qualifizierung und Ausbildung hatte, die meine Diagnosen betreffen, hat die Klinik verlassen und die neue kann mich nicht nehmen!
Ich habe heute Nacht auch schon nach Kriseninterventionseinrichtungen gesucht, habe aber gerade im Umfeld von ca. 90 km immer wieder nur Re-Traumatisierungen erlebt!
Ich mache seit gestern Abend nonstop Skills, das hilft. Arbeite eben an meinen Vorbereitungen für die nächste Ergotherapieeinheit (Kraftbild auf Seide meiner Wale), mache also mit mir selbst Ergo, Re-Orientierung, ... , war Ergoschülerin.
Eben warte ich auf den Rückruf einer Psychologin, die in meiner Nähe eine Beratungesstelle für Missbrauchte wie mich hat. Hatte am Montag bereits ein langes Gespräch bei ihr.
Heute haben wir bisher keine Suizidgedanken, haben gestern alles richtig gemacht! Ich fahre mit meinem Mann am Samstag zu meinen Schwiegereltern, werde unseren Patensohn (2 1/2 Jahre alt) sehen, das tut mir immer gut!
Die Vertretungspraxis ist keine Option, wurde von meiner Fachärztin schon vorneweg ausgeschlossen, dass da ein Kontakt hilfreich wäre!
Sie ist ab Montag wieder da, habe schon Mails geschrieben und auf den AB gesprochen, werden Montagmorgen gleich angerufen!!!
Jetzt über eine Noteinweisung eine weitere Re-Traumatisierung in Kauf zu nehmen, würde alles nur noch schlimmer machen! Ich sorge für mich, kann alleine sein, ohne neue Gefährdung und werde am Montag gleich die Medikation anpassen lassen!
Erwarte gleich den Rückruf der Therapeutin der Beratungsstelle in Helmstedt, vielleicht ist da ein Notfalltermin vor Montag möglich!
Fühle mich aber eben stabil genug durchzuhalten. Mein Mann kommt um 17.30 pünktlich!
Ich wohne in Niedersachsen! Direkt im Ort der Psychiatrie, in der ich vergewaltigt wurde!
Es berührt mich und das ganze System, wie sehr Sie sich um uns bemühen!
Dafür kann ich mich nicht ausreichend bedanken!!!
Falls sich etwas tut in Sachen Krisengespräch oder Klinik, geben ich Bescheid, damit Sie sich keine Sorgen machen müssen!
Ihre S.
Susanne Bodin
Liebe S.,
danke für Ihre Rückmeldung! Ich hoffe sehr, dass Sie entweder mit Hilfe der Krisenintervention weiterkommen oder dass der Anruf der Psychologin etwas gebracht hat, damit Sie schnell eine Klinik finden, die Sie aufnimmt und die auch geeignet für Sie ist.
Sie sehen, wie instabil Ihr Zustand momentan ist und wie schnell die Stimmung umschlagen kann, deshalb wünsche ich Ihnen, dass Sie das Wochenende gut überstehen und dass der Besuch bei den Schwiegereltern Ihnen gut tut. Und ich bin auch froh, dass Sie am Montag direkt zu Ihrer Ärztin gehen, denn die Überprüfung der Medikation ist ganz wichtig und Voraussetzung für eine weitere Therapie. Jeder Mensch verändert sich und es kommt auch vor, dass Medikamente auf einmal nicht mehr richtig wirken, da spielen viele Faktoren eine Rolle. Momentan haben viele Menschen mit der Tatsache zu kämpfen, dass die dunklere Jahreszeit beginnt und dass es nicht mehr so hell und warm ist wie im Sommer, auch das kann bei Ihnen eine Rolle spielen, weil Sie eben sehr empfindlich sind und wenn vieles zusammen kommt, dann können Sie das nicht mehr kompensieren.
Behalten Sie aber vielleicht als Option auch die Hypnose im Hinterkopf. Die klassische Hypnose hat ja nichts mit dem zu tun, was die Menschen sich infolge von Showeffekten (zum Beispiel im Fernsehen) darunter vorstellen, sie ist ein seriöses Verfahren und wenn sie von einem ausgebildeten Therapeuten durchgeführt wird, kann man sehr gute Erfolge damit erzielen. Auch das ist natürlich immer individuell, wäre jedoch noch eine Überlegung wert. Und denken Sie mal über einen Blog im Internet nach, der Austausch könnte Ihnen sicherlich helfen und es gibt immer wieder neue Ideen und Ansätze, die einem weiterhelfen können. Vielleicht finden Sie ja auch doch noch eine Selbsthilfegruppe, auch das könnte Ihnen gut tun. Es sind viele kleine Bausteine, die dazu beitragen können, dass Sie insgesamt stabiler werden, momentan ist es aber erst einmal wichtig, dass Sie einen Klinikplatz bekommen und dass Sie eine für Sie geeignetere Medikation erhalten.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass Sie den Weg weitergehen, wie Sie ihn bisher gemeistert haben. Machen Sie sich klar, dass Sie schon so viel geschafft haben und dass Sie das aus eigener Kraft hinbekommen haben. Auch wenn Sie Hilfe bekommen, Sie müssen mitarbeiten und das alles umsetzen, und das haben Sie getan. Das sollte Sie immer wieder motivieren, weiterzumachen und nicht aufzugeben, auch wenn es mühsam ist und viel Kraft kostet.

Viele Grüße und alles Liebe!

Ihre Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Susanne,
die letzte Nacht war gut, ich konnte schlafen. Gestern habe ich viele Skills gemacht, es geschafft mit meinem Mann Essen zu gehen und danach einen Film gemeinsam zu schauen!
Das einstündige Telefonat mit der Therapeutin tat sehr gut, sie hat mir eine Klinik in Magdeburg geraten, zu der ich auch schon Kontakt aufgenommen habe, heute aber leider die Ärztin krank ist, versuche es am Montag wieder! Vielleicht ist das eine Alternative!? Es gibt sowohl einen Bereich für akute Fälle, aber auch 2 Stationen für Psychotherapie. Bin da dran!
Desweitern hat sich ergeben, dass ich eine Art Kunstgruppe aufbauen werde, von betroffenen Frauen, die, wie ich, künstlerisch tätig sind und zur selben Therapeutin der Beratungsstelle gehen. Dort wird auch der Erstkontakt sein und ich werde die Gruppenleitung und Planung machen! :)
Und, ich werde den Antrag des Fond-Missbrauch innerhalb der Familie mit Hilfe der Therapeutin stellen.
Ich fühle mich seit dem Telefonat gestern Mittag wieder hoffnungsvoll, habe Kraft, konnte auch mit meiner Schwiegermutter eine Stunde lang telefonieren und ihr erzählen, was wir seit 3 Wochen erinnern und was am Mittwoch fast passiert wäre, aber auch von den positiven Ereignissen, die gestern ins Laufen gekommen sind. Bin stabil. Mama hat super reagiert, fand es auch wichtig!
Ich denke, so werde ich die Zeit über das Wochenende schaffen und freue mich sehr, unseren Patensohn morgen zu sehen, der kleine Mann ist jetzt 2 1/2 und ich habe ihn lange nicht mehr gesehen! Wir haben ca. 3 Std. Zeit, bis er von der Nichte wieder abgeholt wird. Unser Patensohn weiß, dass wir kommen und freut sich auch sehr auf unseren Hund!

Ich habe gestern auch erfahren, dass die Betreuung durch die Therapeutin der Beratungsstelle zusätzlich zu meiner Therapie laufen kann - das gibt mir auch Kraft.
Und wenn erstmal diese Kunstgruppe ins Laufen kommt, das wird sicherlich nicht nur mir gut tun!
Ich bleibe also aktiv!!!
Ob eine schnellstmögliche Einweisung noch von Nöten ist, glaube ich nicht, aber ich möchte in Magdeburg ein Vorgespräch führen um für einen Rückfall gewappnet zu sein! Und vielleicht müssen die Medikamente angepasst werden, aber das kläre ich alles am Montag ab!

Sie haben mir mit unserem Austausch sehr geholfen, dafür möchten wir Ihnen von Herzen danken!
Wir schreiben am Wochenende, wenn wir wieder zu Hause sind, wie es gelaufen ist und wären sehr froh, wenn wir uns noch eine Weile mit Ihnen austauschen könnten, da es uns sehr gut tut und Sie wohl auch einiges über Dissoziative Störungen wissen!
Haben Sie ein hoffentlich gutes Wochenende,
und keine Sorge, wir sind stabil!
Herzlichst, Ihre S.
Ratsuchende(r)
Liebe Susanne,

wir haben noch eine wichtige Bitte!!!
Ich habe den Austausch nochmal durchgelesen und wollte ihn eigentlich "freigeben" zum Veröffentlichen auf der Homepage des Sorgentelefons, aber da ich doch Namen und Stadt genannt habe und dass, was ich mit der Kunstgruppe aufbauen möchte, geht das nicht mehr!
Können wir trotzdem im Austausch bleiben, oder ist das an das Veröffentlichen gebunden?
Heute war ich sehr müde, obwohl ich nachts ja geschlafen habe. Ging heute alles ruhig an, schlief am Nachmittag eine Weile und fiel erschrocken vom Sofa, als mein Mann anrief!
Gerade eben spüre ich große Traurigkeit und Erschöpfung, aber anders als am Mittwoch!
Irgendwie fühlen sich Innen viele gerade sehr einsam, versuchen klarzukommen. Werden dass auch irgendwie.
Wir hören eben wieder viel Musik, die uns gut tut, die Kraft zum Mitsingen fehlt aber!
Die letzten Wochen waren echt sehr hart und dass wir vor 2 Tagen fast mit dem Leben abgeschlossen haben, schockt mich sehr! Ich kenne solche Phasen, schmerzen und ängstigen tun sich mich aber jedes mal wieder!!!
Jetzt steht wieder eine Nacht bevor. Ich werde meine Medi´s nehmen, eine Musikshow anschauen und dann hoffentlich schlafen!
Wir, die ganze "DIEbande", so nennt sich das System, wünscht Ihnen ein gutes Wochenende!
Ihre Steffi
Susanne Bodin
Liebe S.,
Sie machen wirklich alles richtig und ich merke, wie sehr Sie daran interessiert sind, dass es Ihnen besser geht und es ist gut, dass Sie für sich sorgen.
Die Kunstgruppe ist eine super Idee, das wird Ihnen sicherlich sehr viel bringen und vor allem ist der Austausch mit anderen Betroffenen enorm hilfreich und kann Ihnen viele neue Möglichkeiten eröffnen. Auch die verschiedenen anderen Optionen klingen vielversprechend, ich hoffe, dass Sie viel für sich mitnehmen können aus den Gesprächen und Therapieangeboten.
Trotzdem ist die Überprüfung und eventuell Anpassung der Medikation unerlässlich und ich denke, dass Sie dann auch wieder etwas stabiler werden. Sie sehen ja, wie schnell die Stimmung umschlagen kann und das können Sie medikamentös vielleicht ein wenig abmildern. Aber Sie planen ja am Montag einen Arztbesuch, und der bringt sicherlich neue Erkenntnisse und mehr Klarheit. .

Wir können natürlich keine langfristige und kontinuierliche Betreuung anbieten, sondern die Mailberatung ist als erste Hilfestellung und als erste Orientierung gedacht für Menschen, die ein Problem haben und nicht wissen, wie sie es bewältigen können. Wir möchten natürlich möglichst vielen Menschen helfen und ihnen den Einstieg und die ersten Schritte zur Lösung des Problems erleichtern und ihnen helfen, einen Weg zu finden, und da ist natürlich auch unsere telefonische Beratung eine Option, in der jeder Anrufer selbstverständlich auch anonym ist. Aber natürlich können Sie mir noch einmal schreiben, wie es bei Ihnen weitergeht, ich denke, Sie haben ja einiges in die Wege geleitet und wissen nun, was Sie an Möglichkeiten haben und ich hoffe, dass die von Ihnen erwähnte Klinik in Kürze einen Platz für Sie freihat.

Auch Ihnen ein schönes Wochenende, ich hoffe, Sie haben eine gute Zeit bei Ihren Schweigereltern Ihrem Patensohn.

Viele liebe Grüße

Ihre Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Susanne,

ich habe bewusst einige Tage gewartet, um Ihnen wieder zu schreiben!
Meine Ärztin ist wieder da und was die Medikation betrifft, probieren wir eben einiges aus und haben DIE Lösung noch nicht gefunden!

Ich bleibe weiterhin sehr unbeständig, was die Verfassung betrifft und bin noch sehr stark am kämpfen!

Morgen fährt mein Mann für 3 Tage auf Dienstreise und unser Hund und ich müssen schauen, wie wir das hinbekommen. Zur Not kann ich mit ihr zu meinen Eltern fahren!

Eben fühle ich mich wie eingesperrt, gerade die kleinen Anteile stecken regelrecht fest, weil die großen Angst davor haben, dass, wenn die Kleinen Platz bekommen, die Suizidgedanken wiederkommen!

Aber, ich gebe nicht auf!
Ihre S.
Susanne Bodin
Liebe S.,
es ist gut, dass Sie mit Ihrer Ärztin eine neue Medikation austesten und dass Sie wieder in engmaschiger ärztlicher Betreuung sind. Sie müssen da - und das werden Sie selber wissen - ein wenig Geduld haben und es kann auch einige Zeit dauern, bis die einzelnen Mittel wirken und bis man wirklich die Medikamente und die Dosis gefunden hat, die für einen am besten ist.
Sagen Sie sich immer wieder, dass Sie schon so viel geschafft und geleistet haben und dass Sie auch weiterhin in der Lage sind, den Weg weiterzugehen und die Herausforderungen zu bestehen. Es ist gewiss nicht einfach, mit den ständigen Schwankungen zurechtzukommen, aber Sie sehen ja, es gibt immer wieder Lichtblicke und auch Phasen, in denen es wieder besser geht und die Sie auch genießen können. Ich hoffe, Sie finden bald eine Klinik, in der Sie noch einmal neue Methoden austesten können und auch wieder Fachleute kennenlernen, die vielleicht andere Therapieansätze haben und von denen Sie profitieren können. Auch ist es wichtig, sich mit anderen betroffenen auszutauschen und zu sehen, dass Sie nicht alleine sind mit den Problemen bei Ihrer Krankheit und dass auch andere Menschen es schaffen, damit klarzukommen und damit gut zu leben.
Die Kunstgruppe wird Ihnen sicherlich auch guttun, bleiben Sie dran und machen Sie all das, was Ihnen Freude bringt, ohne Sie zu überfordern.
Geben Sie nicht auf, wenn es zwischendurch auch einmal Phasen gibt, in denen es schwierig ist, und greifen Sie auf all das zurück, was Sie gelernt haben und erinnern Sie sich dann immer daran, dass Sie aus jedem Tief wieder herausgekommen sind. Sie haben Ihre Familie, die zu Ihnen steht und das ist eine Menge wert, auch das sollte für Sie eine große Motivation sein.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass Sie mit Hilfe all dieser Maßnahmen es schaffen, ein stabiles Leben zu führen und viele schöne Momente zu erleben. Sie sind auf einem guten Weg - machen Sie so weiter!

Viele Grüße

Ihre Susanne B.

Ihr(e) Berater(in)

Susanne Bodin

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