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Ich bin 16 und habe ein Alkoholproblem

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 14.01.16

Ursprungsanfrage
Hallo, ich weiß, dass das bestimmt eine sehr komische Art ist, so etwas zu starten, aber ich glaube, ich habe ein Alkoholproblem. Ich bin noch sehr jung, nämlich 16. Seit ich ein Kind bin, habe ich sehr viele psychische Probleme, Autismus, Trauma, Depressionen, Borderline Persönlichkeitsstörung, Angst, Panikstörung, narzisstische Persönlichkeitsstörung, Zwänge, Anorexie, Selbstverletzung, mehrere Suizidversuche, zerrüttete Familienverhältnise, Mobbing, keine Freunde.. Das ganze Programme eben.
Ich habe schon immer ein Gefallen an Drogen und Alkohol gefunden, schon als ich jünger war. Aber jetzt, wo ich 16 bin, ist alles noch schlimmer. Ich bin mindestens 2-3 die Woche betrunken, da ich soziale Phobie und Schulangst habe, gehe ich auch manchmal angetrunken in die Schule, ich rauche, nehme Drogen, schneide mir regelmäßig in den Arm, habe keine Freunde und breche nach diesem Jahr die Schule ab. Ich war schon in einigen Klinken und Psychiatrien, aber nichts scheint zu helfen. Um mir alles selbst leichter zu machen, trinke ich viel und regelmäßig und meine Gedanken drehen sich viel um destruktives Verhalten, also trinken, rauchen und selbstverletzen. Ich weiß nicht mit wem ich darüber reden soll, weil es mir auch peinlich ist mit 16 eine starke psychische Abhängigkeit von Alkohol zu haben, ich weiß einfach nicht mehr weiter. Danke.
Marion Lampert-Gruber
Hallo, vielen Dank für deine Anfrage und dein Vertrauen!

Da sind dir im Laufe deines Lebens schon eine Menge Störungen bescheinigt worden. Wenn du von Traumata und zerrütteten Familienverhältnissen sprichst, dann hast du sicher auch schon sehr viel Schlimmes erlebt. Trotzdem scheint in dir noch eine Kraft zu sein, die nicht aufgeben will. Das gibt Hoffnung! Du bist jetzt 16 Jahre alt, da fängt für mich die Eigenverantwortung so langsam an. Den ersten Schritt hast du gerade getan, indem du über deine Abhängigkeit sprichst und dir deine Situation ehrlich vor Augen führst.

Eine Freundin von mir hatte mit 19 Jahren eine so schwere Bulemie, dass ihr die Ärzte noch ein Jahr zu leben gegeben haben. Damals traf sie einen buddhistischen Lehrer, der nur einen Satz zu ihr sagte: Die Tragödien und Kömödien schreibst du selbst. Das reichte ihr. Sie fing an, sich mit Dingen zu befassen, die ihrem Leben einen Sinn geben konnten, sie suchte sich Vorbilder außerhalb der Familie und erkannte, dass sie loslassen und sich öffnen musste, um ihr Glück zu finden.

So wie du dich beschreibst, hast du ein sehr gestörtes Selbstbild von dir. Doch kein Mensch ist nur krank oder nur gesund. Wir verfügen alle über einen Pool von Krankheit und Gesundheit. Jeder erkrankte Mensch besitzt auch einen gesunden Anteil, der wahrgenommen und gestärkt werden möchte. Du bist mehr als deine Krankheit, deine Sucht und deine Selbstzerstörung. Du hast genauso Stärken und liebenswerte Eigenschaften, bist völlig in Ordnung und willst leben!

Alkohol ist eine Sucht. Also: Wonach suchst du? Ich würde dir gerne helfen, genau das heraus zu finden. Ansonsten ist es wohl so, dass du schon einige Therapien hinter dir hast, da kann ich dir kaum neue Impulse geben. Ich kann dich nur ermutigen, auf die Suche nach den positiven Dingen in deinem Leben zu gehen. Vielleicht erscheinen sie dir zunächst winzig und ohnmächtig. Aber je mehr Aufmerksamkeit du deinen gesunden und mutigen Anteilen schenkst, desto stärker werden sie. Es ist deine Entscheidung, ob du dich weiter zerstörst oder dich künftig aufbaust und behandelst, wie einen guten Freund.

Ich weiß nicht, ob du das schon ganz alleine schaffen kannst. Im Coaching arbeite ich mit Jugendlichen sehr intensiv an solchen Prozessen und dann auch mit Ärzten und Therapeuten zusammen. Vielleicht erzählst du mir erst einmal, ob du noch zu Hause wohnst, wer sich in der Regel so um dich kümmert und womit du bisher noch die besten Erfahrungen gemacht hast. Dann würden wir gemeinsam schauen, wie es für dich weiter gehen kann.

Herzliche Grüße
Marion Lampert-Gruber
Ratsuchende(r)
Vielen Dank für Ihre Antwort! Ich habe mich wirklich sehr arg gefreut.
Zur Zeit wohne ich noch Zuhause, habe aber schon länger den Traum auszuziehen und selbstständig in einer eigenen Wohnung zu leben. Im Normalfall kümmern sich meine Eltern um mich, zusammen mit einer Betreuerin machen wir seit Weihnachten eine Familientherapie vom Jugendamt aus, und es hilft wirklich. Ich habe zwar trotzdem noch viele Probleme mit meinem Eltern, aber das Verhältnis wird immer enger und enger und viele Probleme aus der Vergangenheit werden langsam aufgeklärt und aus der Welt geschafft. Beziehungsweise bewältigt. Ich war davor ein halbes Jahr lang in einer Psychiatrie und da waren die Patienten und Therapeuten mein Halt, da ich da überhaupt noch keine wirklich Beziehung zu meinen Eltern hatte. Ansonsten sind meine Ansprechpartner meine Therapeutin, bei der ich seit meiner Kindheit bin und die Familientherapeutin vom Jugendamt. Gute Erfahrung habe ich bisher eher wenige gemacht, aber die Entscheidung, in eine Klinik zu gehen, war eine sehr gute Erfahrung für mich, weil ich sehr nette Menschen in dieser Zeit kennengelernt habe; außerdem hat der Schulwechsel am Anfang des Jahres mir sehr viel geholfen, aber so wirklich enge Kontakte konnte ich trotzdem nicht knüpfen und die Prüfungsangst hat sich auch nicht gebessert, warum ich jetzt nach dem Jahr aufhöre und mein Glück in einer Ausbildung suche. Außerdem reise ich gerne, weil ich mich da sehr frei fühle. Eine sehr schöne Erfahrung war ein Trip nach New York am Anfang des Jahres. Da ich größtenteils zweisprachig aufgewachsen bin und meine Familie amerikanisch ist, habe ich eine sehr tiefe Liebe zu Amerika und zur englischen Sprache und bei dieser Reise habe ich mich einfach sehr frei und.. Irgendwie richtig gefühlt. Als wäre das der Ort, an dem ich hingehöre. Weshalb ich auch unbedingt auswandern will eines Tages, in der Hoffnung, dass ich im Ausland mein Glück finde und meine Vergangenheit hinter mir lassen kann.
Von daher war Veränderung oder krasse Schritte für mich schon immer ein sehr hilfreicher Weg, neue Dinge zu entdecken, sprich, ich schließe gerne Türen, damit sich andere öffnen.
Ich möchte mich wirklich nochmal bedanken für Ihre Worte, ich bin sehr froh, dass ich den Schritt gewagt habe, mich hier zu melden.
Danke!
Marion Lampert-Gruber
Hallo,

wow, das ist eine tolle Rückmeldung von Dir, vielen Dank! Ich bin sehr froh, dass du über das Jugendamt so gut unterstützt wirst! Deinen Text habe ich gleich mehrmals gelesen, weil du ihn so wunderbar lebendig geschrieben hast. Du hast tolle Ziele und eine echte Chance, diese auch zu erreichen. Offensichtlich bist du ein Mensch, der die Freiheit liebt und dem das Loslassen leicht fällt. Für viele Menschen ist Loslassen ein sehr großes Problem. Dafür ist es dann für dich schwieriger, wirkliche Nähe aufzubauen und enge Kontakte herzustellen. Klingt logisch, oder? Doch je mehr es dir in der Familie gelingt, Beziehungen zu vertiefen, desto besser wird es dir auch mit anderen gelingen. Das wird seine Zeit brauchen, also, sei geduldig mit dir:) Du bist auf einem sehr guten Weg! Wichtig erscheint mir dabei, dass du deine eigenen Stärken erkennst und lebst. Aus einer Giraffe macht auch die beste Therapie keinen Pinguin:)

Nun nochmal zum Thema Alkohol: Du hattest ja geschrieben, dass du schon morgens damit anfängst, um es dir leichter zu machern. Gleichzeit hast du erkannt, dass du dir damit etwas vormachst und erneut in Gefahr gerätst. Was könntest du also morgens tun, welche Gewohnheit könntest du verändern, damit du es dir wirklich leichter machst und dir der Start in den Tag gelingt?
Deine ersten Gedanken morgens sind sehr wichtig! Ob du denkst: Ich schaffe das oder Ich schaffe das nicht, du wirst damit Recht haben. Wie wäre es, wenn du den Tag mit einer kleinen Meditation beginnst. Du setzt dich gerade hin, schließt die Augen, atmest tief durch und stellst dir in deinem Inneren eine Kerze vor. Wie sieht sie aus? Steht sie gerade und brennt ruhig? Alles bestens! Dann genieße einen Moment das Licht, das in dir leuchtet und nimm es mit in den Tag. Flackert sie, steht krumm oder droht der Docht im Wachs zu versinken? Dann nutze deinen Atem, um sie wieder aufzurichten. Mit jedem Atemzug richtet sich die Kerze mehr auf. Der Docht richtet sich auf. Die Flamme wird heller und ruhiger. Nun kann es los gehen! Wann immer du über den Tag unsicher wirst, stelle dir deine Kerze vor und richte sie gedanklich auf. In dir ist diese Kraft und das Leuchten.

Wenn du noch mehr Ideen möchtest, dann melde dich gerne. Ich wünsche dir von Herzen: Komm' gut in den Tag! LG Marion

Ihr(e) Berater(in)

Marion Lampert-Gruber

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