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Essstörungen, Magersucht - und was kommt dann?

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 31.03.16

Ursprungsanfrage
Hallo,
mir geht es in letzter Zeit ziemlich schlecht, da ich unter einer Essstörung leide, die in eine Magersucht abrutscht. Mich macht das total fertig, da ich das Gefühl habe, dass es immer schlimmer wird.
Früher war das nicht so schlimm, aber in letzter Zeit wiege ich mich des öfteren am Tag und versuche, so wenig wie möglich zu essen und wenn ich dann mal was gegessen habe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Manchmal ist es sogar so weit, dass ich einen Würgreiz bekomme, jedoch habe ich mich noch nie übergeben. Ich habe Angst zu zunehmen bzw. ich will noch weiter abnehmen und esse zur Zeit nur noch einen Apfel und ein Brot mit was drauf am Tag. Ich bekomme einen richtigen Hass aufs Essen.. Das Ganze macht mich seelisch richtig kaputt... Ich bin zwar schon in Therapie, war da aber bis jetzt nur einmal da. Aber meine Angst ist, dass sie nichts bringt, weil ich ja nicht 100%ig mich drauf einlassen will. Mein ganzer Alltag dreht sich nur noch ums Essen. In der Schule kann ich mich nicht mehr konzentrieren, ich bin schwach etc. Ich komme mit dem ganzen Druck von der Schule usw. nicht mehr zurecht. Zudem kommen noch depressive Phasen und ich mache mir immer über alles viel zu viele Gedanken... Ich mache mir immer Gedanken darüber, was in den 2 Wochen passieren kann, bis ich wieder bei der Therapie bin. Ich hoffe, Sie kônnen mir einen Rat geben!
Liebe Grüsse
Susanne Bodin
Liebe Ratsuchende,

ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es unheimlich schwierig ist, den Alltag und die Schule zu bewältigen, wenn sich die Gedanken immer nur um das Essen bzw. Nichtessen drehen.
Eine Verweigerung des Essens spiegelt wider, dass sich der bzw. die Betroffene dem Leben nicht gewachsen fühlt, dass er im Grunde "unsichtbar" sein will dadurch, dass er immer mehr abnimmt. Wir essen ja, um unseren Körper gesund zu erhalten, und eine Veränderung des Essverhaltens hat eine symbolische Funktion, nämlich zu demonstrieren, dass man nicht mehr am Leben teilhaben möchte und dass man Angst vor den Herausforderungen des Lebens hat. Eine Verweigerung des Essens ist auch im übertragenen Sinn eine Verweigerung des Lebens.
Menschen, die anfällig sind für Essstörungen wie die Magersucht, wachsen oftmals sehr behütet auf. Sie haben nicht gelernt, Konflikte auszutragen, sie sind es gewohnt, den Anforderungen anderer, besonders der Eltern, zu entsprechen und deshalb haben sie kein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt. In einer Phase, in der der Mensch erwachsen wird, möchte er aber für sich selbst entscheiden und nicht mehr nur den Ansprüchen anderer genügen, er hat das aber nicht gelernt und symbolisiert nun durch das Nichtessen, dass er dazu nicht in der Lage ist. Er hat nie erfahren, dass er wegen seiner selbst geliebt wird, sondern er hat das Gefühl, nur wegen seiner Leistungen geliebt zu werden, oftmals sind es auch sehr perfektionistische Menschen, die an der Magersucht erkranken
Sie können sich einmal überlegen, was Sie schon alles geleistet haben, welche Talente und Fähigkeiten Sie haben, was an Ihnen gut ist und was Sie an guten Eigenschaften haben. Das alles schreiben Sie einmal auf, und Sie werden staunen, wie viel da zusammenkommt. Wenn Sie sich klar machen, wie viele Stärken Sie haben, dann können Sie dort ansetzen und versuchen, diese Stärken zunächst einmal wahrzunehmen, stolz darauf zu sein und dann diese Fähigkeiten auch auszubauen.
Es war ja nicht immer so, dass Sie das Essen eingestellt oder verringert haben, und deshalb könnten Sie sich fragen, was dazu geführt haben könnte, dass Sie sich dem Leben nicht mehr gewachsen fühlen und dass Sie diesen Weg der Konfliktbewältigung suchen. Fühlen Sie sich wertlos, haben Sie das Gefühl, kein Gewicht in dieser Gesellschafft zu haben oder haben zu dürfen - und woher könnte das kommen ? Was können Sie außerdem tun, um wieder Bestätigung zu bekommen und um das Gefühl zu haben, gemocht zu werden ?
All diese Fragen könnten Sie Schritt für Schritt auf die Ursachen des veränderten Essverhaltens führen, aber es ist ganz wichtig, dass Sie diese Fragen mithilfe professioneller Unterstützung aufarbeiten.
Sie haben ja eine Therapie begonnen, und das ist schon der erste und wichtigste Schritt, etwas zu verändern, und er zeigt, dass Sie sich schon intensiv Gedanken um Ihr Essverhalten gemacht haben und gemerkt haben, dass es so nicht weitergehen kann.
Auch wenn Sie schreiben, Sie stehen noch nicht hundertprozentig dahinter, rate ich Ihnen unbedingt, die Therapie weiterzuführen und sich weiterhin Unterstützung zu suchen. Ganz wichtig ist aber dabei auch, dass Sie darauf achten, dass Sie Vertrauen zu dem Therapeuten, der Sie behandelt, entwickeln. denn nur wenn Sie ganz ehrlich Ihre Gefühle offenbaren, können Sie den Ursachen auf die Spur kommen, und Sie können dann lernen, wie Sie Ihre Gefühle wieder wahrnehmen und ausdrücken können, ohne dafür das Essverhalten zu verwenden. Die Verweigerung des Essens ist eine Art Konfliktlösungsversuch, weil Sie anders nicht Ihre Gefühle und Ihre Haltung ausdrücken können. Vielfach haben Magersüchtige nicht gelernt, mit Konflikten umzugehen, weil in der Familie immer Harmonie herrschte und weil die Betroffenen den Eindruck haben, sie werden nur geliebt, wenn sie einem Idealbild entsprechen und angepasst sind. Sie haben nicht gespürt, dass sie um ihrer selbst willen geliebt werden, sondern nur, wenn und weil sie sich so verhalten haben, wie es von ihnen erwartet wurde.
Haben Sie den Eindruck, dass dies in Ihrem Fall ein Grund sein könnte - fühlen Sie sich nicht um Ihrer selbst willen geliebt, sondern nur, wenn Sie einem Bild entsprechen und die Leistungen bringen, die von Ihnen erwartet werden ? Sie müssen dann lernen, wieder ein stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen, und das können Sie mithilfe von Mal-oder Kunsttherapie, mithilfe von Tanztherapie und vor allem in der Gesprächstherapie wieder Schritt für Schritt lernen. Viellicht wäre auch ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik zu erwägen, wo Sie diese ganzen Therapieangebote in einem Haus zur Verfügung haben. Sie sollten unbedingt daran festhalten, sich helfen zu lassen, denn ein geringes Körpergewicht über einen langen Zeitraum zieht auch sehr massive gesundheitliche Schäden nach sich, und auch deshalb ist es wichtig, so bald wie möglich ein normales Gewicht zu erzielen. Die Aufdeckung der Ursachen ist hierfür aber unerlässlich, denn Sie müssen wieder essen wollen, um auch langfristig das Gewicht halten zu können und Sie müssen lernen, Ihre Gefühle anders auszudrücken als über das Nichtessen.
Bei einer Magersucht kommt es auch zu einer sogenannten Körperschemastörung, das heißt die Betroffenen nehmen sich selbst nicht so wahr, wie sie sind, sondern empfinden sich immer als zu dick. Dies hat damit zu tun, dass durch die Magersucht Veränderungen im Gehirn stattfinden, die zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung führen. Auch daran kann mithilfe therapeutischer Methoden gearbeitet werden, damit Sie sich selbst wieder realistisch wahrnehmen und auch wieder einen Bezug zum eigenen Körper entwickeln.
Eine andere Möglichkeit ist zudem, dass jemand hungert, um damit Zuwendung einzufordern, also um krank zu sein, damit sich jemand um ihn kümmert. Es ist ja ein massiver Appell, wenn jemand sehr dünn wird, und er will möglicherweise damit ausdrücken, wie schutzbedürftig er ist und er macht dadurch auf seine Situation aufmerksam. Überlegen Sie doch auch, ob es ein solcher Appell an die Umgebung bei Ihnen ist, und wie Sie es schaffen, die Zuwendung, die Sie brauchen, auf andere Weise zu bekommen.
Ich hoffe, Sie können einige der Anregungen und Fragestellungen für sich verwenden, und ich rate Ihnen dringend zur Weiterführung der begonnenen Therapie, damit Sie den Ursachen Ihres gestörten Essverhaltens auf den Grund gehen und wieder lernen, den Herausforderungen des Lebens gegenüberzutreten. Sie können sich jederzeit wieder per E-Mail melden, oder auch telefonisch über unser Sorgentelefon, wenn Ihnen ein persönliches Gespräch lieber ist.
Schrieben Sie mir doch auch gerne, wie es bei Ihnen weitergeht und welche Pläne Sie haben.
Alles Gute für Sie und viele Grüße

Ihre Beraterin Susanne B.

Ich wünsche Ihnen alles Gute

Ihr(e) Berater(in)

Susanne Bodin

Tel. 09001 - 445 401 574 (1,79 € / Min. (mobil höher)); Der kostenfreien Ansage folgen, bei Aufforderung die Berater-Nummer 125 eingeben.

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