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Er kann meine Nähe nicht ertragen

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 18.04.16

Ursprungsanfrage
Liebes Beraterteam,

ich habe eine Frage. Ich liebe einen Mann, der Opfer häuslicher Gewalt ist und dadurch zu tiefst verletzt ist.
Meine emotionale Nähe löst sofort Panik in ihm aus. Vermutlich Angst vor erneuter Verletzung. Er ist mit seiner Frau immer noch zusammen.
Nun meine Frage, warum kann er die Nähe seiner Frau ertragen und meine nicht? Er hat mich schon geliebt. Ist aber total verbittert, was die Liebe betrifft, obwohl er mich gern hat. Aber er hat panische Angst vor meiner Nähe. Normalerweise müsste es doch anders herum sein. Ich habe ihm doch keinen Schmerz zugefügt, warum lässt er dann seine Wut an mir aus? Warum projiziert er seinen Schmerz auf mich?

LG, Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,
vielen Dank für Ihre E-Mail. Ich kann mir vorstellen, dass Sie sehr verunsichert sind, wenn Sie schreiben, dass Sie das Verhalten des Mannes, in den Sie sich verliebt haben, nicht verstehen.
Der Mann. den Sie kennengelernt haben, hat schlimme Erfahrungen gemacht und ist sowohl physisch als auch psychisch zutiefst verletzt worden. Natürlich wird er sich fragen, warum ihm jemand so etwas antut, warum ihm eine Frau das antut und warum er sich nie gewehrt hat. Das wird seine Gründe haben, er ist diesen Ursachen aber nie nachgegangen. Er ist in seinem Selbstwertgefühl geschwächt und er ist über die Zeit misstrauisch und selbstunsicher geworden, und das natürlich besonders gegenüber Frauen, weil ihm ja eine Frau das angetan hat. Das ist ihm aber nicht bewusst, denn er hat sich - wie ich annehme - bisher nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt.
Er ist noch immer mit der Frau zusammen, weil es manchmal einfacher ist, etwas Gewohntes auszuhalten, auch wenn es sehr negativ ist, als diese Gewohnheit ( "Komfortzone " ) zu verlassen, denn dann müßte man etwas verändern, aktiv werden und sich mit den erlittenen Verletzungen auseinandersetzen, was aber wiederum starke Ängste auslöst. So lässt man es lieber so, wie es ist, auch wenn es wehtut und auch wenn man weiß, dass das nicht gut für einen ist.
Auszubrechen erfordert Mut und Kraft, und vielleicht meint er, diese Kraft momentan nicht zu haben.
Das Verhalten des Mannes Ihnen gegenüber ist also nicht "persönlich" gemeint, richtet sich also nicht gegen Sie, sondern es resultiert aus den Erlebnissen, die er gehabt hat. Es ist auch oft eine Art Selbstschutz, jemanden nicht zu nah an sich heranzulassen, wenn man selbst sehr verletzt wurde, um nicht wieder enttäuscht oder verletzt zu werden.
Das alles spielt sich aber unbewusst ab, er macht das nicht, um Sie zu brüskieren, sondern weil er selber nicht anders kann.
Genau da können Sie aber ansetzen, denn wenn der Mann Ihnen etwas bedeutet - wie Sie ja schreiben- dann können Sie ihm helfen ( und sich damit natürlich auch ) , indem Sie sich einen ruhigen und entspannten Moment aussuchen und ein Gespräch mit ihm führen. Machen Sie ihm klar, dass Ihnen sehr viel an ihm liegt und dass Sie sich um ihn sorgen, dass Sie aber gleichzeitig auch eigenen Gefühle haben und nicht enttäuscht werden möchten. Vielleicht können Sie ihn dazu bringen, dass er sich professionelle Hilfe sucht und seine Erfahrungen aufarbeitet, damit er wieder ein emotionales Gleichgewicht erlangt und damit er seine eigenen Geschichte und das, was ihm von seiner Frau angetan wurde, aufarbeitet. Erst dann wird er die Ereignisse und seine negativen Gefühle nicht mehr auf Sie ( oder überhaupt auf eine Frau ) projizieren und erst dann können Sie gemeinsam eine Beziehung beginnen, in der Sie auch beide glücklich werden können.
Es ist auch ein Zeichen von Zuneigung, wenn man jemandem hilft, aus einer schlimmen Situation herauszukommen und mit Ihrer Unterstützung beweisen Sei ihm diese Zuneigung und die Tatsache, dass er Ihnen wichtig ist und dass Sie an ihm festhalten.
Ich kann mir vorstellen, dass das sehr schwierig ist, denn Sie möchten wahrscheinlich sofort eine Beziehung mit ihm führen, aber momentan kann der Mann das nicht und Sie würden enttäuscht, weil Sie Erwartungen hätten, die er nicht erfüllen kann. deshalb ist dieser Weg der professionellen Begleitung der erfolgversprechendste, denn auch Ihr Bekannter kommt so aus seiner Situation heraus und kann wieder Lebensqualität bekommen, indem er diese Erlebnisse verarbeitet.
Es ist ein langer Weg, das muß Ihnen klar sein, aber es lohnt sich bestimmt, ihn zu gehen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und schreiben Sie mir doch gerne, welche Entscheidung Sie treffen und ob Sie ihn dazu bringen konnten, sich in professionelle Behandlung zu begeben. Wahrscheinlich sind dazu mehrere Gespräche notwendig, haben Sie ein wenig Geduld, wenn es nicht sofort weitergeht. Schreiben Sie mir, wenn Sie möchten, auch, wie es Ihnen damit geht, denn es geht ja hier primär um Sie und um Ihre Gefühle. Sie können sich natürlich auch telefonisch an das Sorgentelefon wenden, wenn Sie lieber ein persönliches Gespräch führen möchten, auch dort sind Sie anonym.

Viele Grüße und alles Gute !

Ihre Beraterin Susanne B.

Ratsuchende(r)
Liebe Susanne,

vielen lieben Dank für ihre Antwort. Sie hilft mir schon sehr viel weiter. So ähnlich habe ich es mir schon gedacht.


Es ist für mich schon eine sehr tragische Liebe, die im Jahre 2005 mit unserer Freundschaft begann. Kennengelernt haben wir uns durch unsere beiden Jungs die damals (2003) zusammen eingeschult wurden. Ich habe noch eine Tochter (inzw. 17) und er auch (13) und die Jungs beide (19). Mein Mann (inzw. geschieden) hat zu diesem Zeitpunkt in leitender Funktion gearbeitet. Und seine Frau hatte nicht viel Interesse mit den Kindern was zu unternehmen. Wir haben beide viel mit den Kids unternommen (Schwimmbad, Angeln, Kino, Elternabende u.s.w. Im Prinzip das was ich vorher mit meinen Mann unternommen habe. Und da ist es dann passiert. Ich hatte mich verliebt. Und mein Ex-Mann fing an sich in dieser Zeit durch den berufl. Stress zu verändern. Er hat seinen Frust immer an mir ausgelassen. Ich wollte ein drittes Kind: "Nimm erstmal 10 Kilo ab, dann können wir drüber reden. Und mein Bekannter hat damals zu mir gesagt: "Ich soll zu meiner Figur stehen." Das war aber auch für mich selbst der Knackpunkt in Richtung Selbsterkenntnis. Nicht nur zu meiner Figur, sondern auch wieder zu mir selbst. Vermutlich hatte ich mich in unserer Beziehung selbst verloren, denn mein Ex-Mann hat eine passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung. Er war auch kurz in Therapie hat sie aber abgebrochen. Sehr dominante Mutter und Oma. Vater war Alkoholiker.

Ich habe meinem Bekannten unbewusst viel zuverdanken, deswegen ist er mir auch so wichtig. Aber er hat den Sinn leider nicht verstanden.

Ich bin auch nicht dick. Normale Figur.
Wir hatten dann eine kleine Affäre und es dann aus Vernunftsgründen abgebrochen. Damals wusste ich auch nicht wie schlimm es wirklich war. Ich war dann so ehrlich und habe es meinem Mann erzählt und mir dann damals schon ther. Hilfe gesucht, um zuverstehen, warum man sich verliebt und um unserer Ehe eine 2. Chance zugeben, trotz der anderen Liebe. Ich hatte damals den Kontakt zu meinem Bekannten abgebrochen. Am Anfang war auch alles gut. Nur mein Ex-Mann weigerte sich aufgrund seines Egos mich zubegleiten.
Trotzdem hatte ich das Gefühl wir bekommen es wieder hin. Mein Mann hatte sich auch viel Mühe gegeben und mir wurden auch meine Fehler bewusst. Aber meine Therap. meinte das das so eine Art Schock war. Denn nach einem Jahr fing er an sich wieder zu verändern.
Er hatte 2007 die Stelle gewechselt und war nur noch am Wochenende zu Hause. Und fing dann aus Selbstmitleid und Trotz selber eine Affäre an. Ich wollte auch nur mal glücklich sein. Ich muss ja mit Jenny nicht befreundet sein, aber jeder kann sein Leben gestalten wie er will. Diese Jenny ist das Gegenteil von mir. Ihre Tochter lebt beim Ex. Sie ist ne Lebefrau und ich ein totaler Familienmensch.
Ich weiss das ich ihn zutiefst verlezt habe, aber er hat bewusst Rache genommen und es sogar zugegeben. Und das tut schon verdammt weh. Denn ich wollte meinen Ex- Mann nicht absichtlich verletzten.

Er ist aber mit dieser Jenny noch zusammen. Auch er hat leider sein Selbstwertgefühl verloren (vermute das er seinen Wert immer von mir abhängig gemacht hat) und komp. den Schmerz mit dieser Jenny. Bis heute auch nichts aufgearbeitet. Dadurch wurde ich im Prinzip Opfer von 2 Männern die aus Hilflosigkeit nicht in der Lage sind mit ihrem Schmerz konstruktiv umzugehen.

Was mir bei beiden auch noch bewusst wurde ist vorallem das Ego sich Schwächen einzugestehen und sie deshalb gar keine Hilfe wollen. Sondern eher alles tun, um ihre Fassade von einem starken Mann oder auch aus Selbstschutz aufrechtzuerhalten.
Ich hatte durch die Aggressionen und Konflikte aufgrund der ausgebrochenen Kränkung meines Ex-Mannes eine postr. Belastungsstörung entw.. Mein Papa brachte mich dann Ende Dez. 2012 in die Klinik, wo ich fünf Wochen war mit anschließender Reha.
Aber für mich damals der richtige Schritt.

Dann vor 2 Jahren haben wir wieder Kontakt gehabt.(Bekannter) Aber er wollte damals schon nicht mehr so wirklich, weil seine Verletzungen so groß sind. Anfangs schon. Und dann kam der Sonntag im Nov. 2013, wo ich ihm beim Angeln besuchen wollte. Er musste vorher wieder Stress gehabt haben und da war dann meine emot Nähe zu viel. Da kam der ganze Schmerz hoch. Ich weiss noch wie er im Auto richtig gezittert hat und mich angebrüllt hat ich soll ihn in Ruhe lassen. Dabei wollte ich ihm in erster Linie helfen. Und um dann wirklich vor mir Ruhe zu haben hat er in seiner Verzweiflung seiner Frau die Wahrheit erzählt und sie hat mir dann mit Anzeige gedroht. Das war schon für mich ein schwerer Schock, vorallem wenn man gerade die Reha hinter sich hatte. Fühlte mich mit allem allein gelassen. Aber ein selbst schwer verletzter Mann kann nicht emotional für einen da sein. So war ich mit meinem Schmerz wieder alleine und zu tiefst enttäuscht.

Ich hab ihm schon verziehen. Aber wie tief muss der Schmerz sitzen und wie verzweifelt muss ein Mann sein, wenn er die Frau die ihm soviel Leid zugefügt hat als Waffe gegen zuviel emot. Nähe einsetzt, um den Schmerz nicht zu spüren.
Ein Jahr später fing er wieder an mit mir zu flirten. Habe das abgeblockt, um mich zuschützen. Ich habe irgendwie dadurch das Gefühl das er seine Probleme nicht wirklich ernst nimmt. Es ist ja kein Spiel fürs Ego, sondern bitterer Ernst mit viel Leid und Schmerz. Und nicht nur bei mir. Er ist traumatisiert, seine Kinder und mit Sicherheit hat es auch bei meinen Kindern Spuren hinterlassen.
Aber ihnen geht es gut. Versuche für sie stark zu sein. Mein Sohn hat sein Abi mit 2,5 abgeschlossen und hat jetzt mit dem Studium begonnen. Und die Maus macht nächstes Jahr ihr Abi. Auch mit sehr guten Leistungen trotz allem. Das gibt sehr viel Kraft. Die Kinder sind für mich das wichtigste.


Um das alles für mich aufzuarbeiten und um anderen Frauen irgendwann vieleicht mal zuhelfen, habe ich ein Fernstudium zum psych. Berater angefangen und weil mich Psychologie schon immer interessiert hat. Habe bis jetzt auch ein Durchschnitt von 1,4. Und ich gehe Vollzeit arbeiten. Kinder und Haushalt. Da bin ich schon sehr stolz drauf. Die Krise hat mich schon stärker gemacht.
War auch ein langer schwerer Weg. Vieleicht ticken wir Frauen anders.

Aber es tut mir trotzdem sehr weh, wenn man hilflos zu sehen muss das mein Bekannter sich aufgegeben hat. Und ich weiss auch das er vieles überspielt. Aber für Männer ist es Opfer häuslicher Gewalt zu sein und vorallem dazu zustehen mit viel Scharm verbunden. Ein Mann steht selten dazu und das macht das ganze sehr schwer. Lieber leiden sie weiter und arrangieren sich damit.

Letztens hat er gesagt: Ich will den Scheiss nicht mehr (Liebe). Such dir einen anderen Mann. Es war ein Fehler. Zutiefst verletzt und verbittert und vermutlich überfordert mit der Situation. Aber das Ego ist größer als die eigene Gesundheit und da anzusetzen ist halt schwierig.

Und am schlimmsten ist diese Hilflosigkeit nicht helfen zukönnen, weil er so in seinem Schmerz gefangen ist und ich nicht an ihm ran komme.
Ein sehr intelligenter Mann arbeitsmäßig sehr fleißig. Ist an der Uni und in der Forschung tätig.

Und eigentlich müsste ich loslassen, um mich nicht wieder selbst zuverlieren auch wenn es schwer fällt.

Versuche auch mein eigenes Leben wieder zuleben, weil es vermutlich erstmal besser so ist.
Die Sorge bleibt aber trotzdem.


Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,

vielen Dank für Ihre ausführliche Rückantwort. Sie haben ja im Prinzip schon innerlich seit längerem bemerkt, was bei Ihnen in den letzten Jahren "schiefgelaufen" ist, indem Sie ein Studium begonnen haben und nun versuchen, sich eine neue Aufgabe zu suchen, bei der Sie sich verwirklichen können. Dies war ein erster, aber ganz wichtiger Schritt und ich finde es sehr gut und auch mutig, dass Sie damit begonnen haben - Sie sehen ja, dass es das Richtige für Sie ist und die Noten sprechen ja auch für sich.
Sie haben sich in beiden Beziehungen immer an den Bedürfnissen Ihrer jeweiligen Partner orientiert, immer alles für sie getan und geschaut, dass es den Männern gutgeht und dass es in der Beziehung (vermeintlich ) gut läuft. Deshalb könnten Sie sich die Frage stellen, warum Sie nicht auch einmal Ihre Bedürfnisse eingebracht und vor allem nicht eingefordert haben, dass es auch um Sie geht und dass Sie ebenfalls Wünsche und Bedürfnisse haben. Es ist ein Problem des Selbstwerts, wenn ein Mensch immer nur darauf achtet, dass es anderen gutgeht und sich selbst immer in den Hintergrund stellt. Dort könnten Sie ansetzen und sich dir Frage stellen, woher das kommen könnte und wie Sie wider mehr Selbstwertgefühl erlangen könnten.
Ich denke, die Frage haben Sie sich vielleicht schon unbewusst gestellt, aber sich nie wirklich damit auseinandergesetzt. Verfolgen Sie diesen Ansatzpunkt doch einmal und schauen Sie, dass Sie nun einmal wirklich zunächst an sich denken und daran arbeiten, wie Sie ein glückliches und zufriedenen Leben führen können, welche Wünsche Sie haben und wie es Ihnen gutgehen kann.
Das muß ja nicht heißen, dass Sie Ihren jetzigen Bekannten fallenlassen und das soll auch nicht heißen, dass Sie egozentrisch werden sollten, sondern es geht um ein gesundes Selbstwertgefühl und darum, dass Sie für sich sorgen und erst dann auf die Bedürfnisse des anderen achten.
In Ihrem Fall ist es ja nun so, dass der Mann, den Sie lieben, ein sehr großes Problem hat und ich denke, Sie können ihn zwar darin unterstützen, sich Hilfe such suchen, aber helfen lassen muss er sich alleine. Sie können ihm Ihre Hilfe anbieten, aber er sollte merken, dass Sie nicht bereit sind, Ihr Leben für ihn aufzugeben und er muß merken, dass Sie Ihr eigenes Leben führen und dass Sie es gut leben, auch ohne ihn. Das wird ihn mehr und mehr zu der Erkenntnis bringen, dass er aktiv werden und etwas für sich tun muss, um Sie als Partner zu behalten und diese Entscheidung kann nur er treffen.
Es wird Ihnen besser gehen, wenn Sie zwar Ihre Unterstützung anbieten, indem Sie sagen, dass Sie ihn vielleicht zum ersten Termin begleiten und auch für ihn da sind, dass Sie aber nicht bereit sind, eine Beziehung unter dem Aspekt weiterzuführen, dass er sich nicht um sein Problem kümmert und dass alles so weitergeht. Das wird Sie in Ihrem Selbstwertgefühl stärken, nämlich jemandem klargemacht zu haben, dass es nicht immer nur um das Wohl des anderen geht, sondern dass es auch um Ihr Wohl geht und um Ihre Bedürfnisse.
Diese Distanz sollten Sie versuchen, hinzubekommen und wenn Ihr Bekannter eine Therapie beginnt und sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, dann ist es ja durchaus möglich, dass es einen gemeinsamen Weg für Sie beide gibt.
Verfolgen Sie weiter Ihr Studium und führen Sie sich Ihre Stärken vor Augen, überlegen Sie sich, was Sie schon alles geschafft haben und was Sie an Fähigkeiten haben. Seien Sie stolz darauf und bauen Sie Ihre Stärken schrittweise aus, die damit verbundene Anerkennung, die Sie bekommen werden, wird es Ihnen erleichtern, Schritt für Schritt selbstbewusster zu werden und in der Beziehung eine gleichberechtigte Rolle einzunehmen.

Alles Gute für Sie und viele Grüße

Ihre Susanne B.

Ratsuchende(r)

Liebe Susanne,

vielen Dank für ihre Antwort. Ja, das mit dem eigenen Selbstwertgefühl habe ich erkannt und da arbeite ich auch intensiv an mir. Vermutlich war es auch so. Ursache liegt auch in der Kindheit. Dominante Mutter Lehrerin. Immer alles perfekt. Ich habe schon sehr umgedacht. Habe inzwischen gelernt auch mal Nein zu sagen. Ich habe die Kränkungen von beiden Männern zur Selbsterkenntnis genutzt. Und da liegt eben das Problem. Er steckt aufgrund seines Egos immer noch in seiner schweren Kränkung, weil er eben nur komp. und ich habe mein Selbstwertgefühl wieder langsam aufgebaut. Noch nicht ganz, aber auf dem richtigen Weg, auf gesunde Weise. Wir hätten nur eine Chance gehabt, wenn er das erkannt hätte und seine Verletzungen aufgearbeitet hätte.
Aber sein Ego nicht zu sich selbst und seinen Schwächen zu stehen hindern ihn nunmal daran.

Ich sehe beide Männer inzwischen auch als so Art Lernpartner. Denn Kränkungen haben ja immer was mit dem Selbstwertgefühl zu tun. Ich gehe da auch anders mit um und arbeite bewusst alles auf auch wenn es ein sehr schmerzhafter Weg war. Und es noch einiger Arbeit bedarf. Aber ich denke das ich das schlimmste hinter mir habe. Ich halte mich viel an die spirituelle Ebene das hilft mir ungemein und ist spannend sich damit zubeschäftigen. Und ein wenig Wahrheit ist dabei.
Vieleicht sollte es so sein, das er mich wachrüttelt, das in unserer Beziehung was nicht stimmt.

Letztens hat er zu mir gesagt: " Er hat kein Problem. Ich hab eins". Vermutlich ist die Realität zu schmerzvoll für ihn. Das Problem ist das ich sein wahres Ich erkannt habe. Nämlich schüchtern, voller Komplexe und Ängste. Und deshalb vermute ich hat er sich so eine Art 2. Persönlichkeit aufgebaut. Nach aussen vermeintliche Stärke demonstrieren. Und darauf bin ich damals reingefallen.
Denn seine Frau das weiß ich von meinem Therapeuten hat eine schwere narz. Persönlichkeitsstörung. Und es könnte sein ich bin mir aber nicht sicher das er vieleicht Co-Narzist ist. Oder schw. narz. Kränkung. Und was ich leider auch vermute wie bei meinem Mann passiv-aggressiv. Nicht in der Lage konstruktiv mit Problemen umzugehen, obwohl er ein hochstudierter int. Mann mit Doktortitel ist, aber im zwischenmenschlichen Bereich unreif.

Und ich glaube das er mich am Anfang auch nur für sein Ego benutzen wollte und sich dabei eben verliebt hat. Und das hat er ja auch gesagt. Das merkt man ja als Frau auch. Aber er lebt eben in 2 Welten.
Was ihn vermutlich selber in einen schweren inneren Konflikt gebracht hat und damit nicht klar kommt, vorallem mit seiner Gefühlswelt. Er hat mal zu mir gesagt: "Es reicht nicht. Es ist die emotionale Seite, weil ihm nicht bewusst ist das seine Gefühle zutiefst verletzt sind."

Seine Frau hat mal zu mir gesagt, das er selbstbewusst ist, nicht ein bisschen. So gut kennt sie ihn. Sie benutzt ihn nur für sich und ihre Bedürfnisse, weil sie mit allem überfordert ist und sich eben für was ganz Besonderes hält, hält sie ihn als so eine Art Dienstmädchen für alles. Am Anfang fand er das vieleicht noch gut, wenn man frisch verliebt ist. Morgens Tee ans Bett und er kümmert sich, um alles. So war es immer. Er hat sich auch komplett selbst verloren in dieser kranken Beziehung. und ist verbittert.
Sowie ich damals auch. Aber er hat sich auch nie Gedanken gemacht.


Auch wenn es schmerzhaft ist, aber ich weiss auch das ich losslassen muss. Es ist für mich der gesündeste Weg.
Meine Therapeutin hat mal zu mir gesagt: "Mein Mann ist tief gekränkt, der andere schwach und ich soll meine Särke zeigen, dann kommt auch der starke Mann." Vermutlich ist da was dranne.

Aber wahre Liebe (habe ich mal gelesen) ist nur zwischen 2 Menschen möglich die sich selbst bewusst sind.
Und er fühlt sich in dieser Egowelt vermutlich sicherer auch wenn sie mit Leid und Schmerz verbunden ist.

Alles nicht einfach. Aber Krisen sind Chancen zum Wachsen.
Ganz liebe Grüsse und vielen Dank für ihre aufbauenden Worte.
In einer Stunde habe ich Geburtstag (43) und werde diesen Tag mit den Kindern und meinen Eltern ein wenig feiern und genießen.

Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,

ich wünsche Ihnen alles Gute zum Geburtstag und hoffe, sie hatten einen schönen, entspannten Tag und konnten ein wenig abschalten.

Schön, dass Sie mir geschrieben haben, wie es Ihnen in der letzten Zeit ergangen ist. Ich finde, es hört sich alles sehr gut an und Sie sind auf einem guten Weg. Es ist immer schwierig, bestimmte Muster, die man schon lange verinnerlicht hat, zu durchbrechen und Veränderung bedeutet ja auch immer, viel Mut zu haben und auch die Kraft zu haben, damit umzugehen. Wir behalten viele Muster, Gedankenmuster und auch Verhaltensmuster, oftmals bei, weil sie uns zwar hinderlich sind, aber sich trotzdem gewohnt und vertraut anfühlen. Und deshalb ist es sehr schwer, sich aus dieser "Komfortzone" zu befreien und neue Verhaltensweisen auszuprobieren, weil das erst einmal Angst macht und weil es natürlich auch andere Veränderungen nach sich zieht. So ist zum Beispiel auch das Umfeld mit betroffen, wenn ein Mensch auf einmal selbstbewusster und stärker wird und man hat das Gefühl, man müßte sich rechtfertigen. Es wäre so viel einfacher, alles beim alten zu lassen, denn das ist sehr bequem, aber auf Dauer wird man so nicht zufrieden oder gar glücklich. Wer sich selbst verändert, verändert immer auch sein Umfeld.
Sie haben ja sehr viel Hilfe auch dadurch, dass Sie in Behandlung sind und immer wieder neue Impulse bekommen oder auch Rückmeldungen und eventuell wieder einige neue Schritte in Angriff nehmen können. Und Sie sehen, es geht Ihnen langsam besser, je mehr Sie sich aus diesen alten Mustern befreien und je mehr Sie auf sich und Ihre Bedürfnisse achten. Da bekämpfen sich manchmal Herz und Verstand, und das ist auch ganz normal, aber auf Dauer werden Sie auch sehen, dass es Ihnen guttut, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und zuerst einmal zu überlegen, was Sie eigentlich wollen und womit es Ihnen gutgeht. Sie haben ja auch Unterstützung im sozialen Umfeld, wie ich aus Ihren Zeilen herauslese und das ist auch ganz wichtig.
Achten Sie darauf, dass Sie sich mit Menschen umgeben, die Ihnen guttun ( das heisst nicht, dass sie Ihnen immer nach dem Mund reden, sondern dass es Menschen sind, die sich mit Ihnen auseinandersetzen und bei denen Sie das Gefühl haben, dass Sie diesen Menschen wichtig sind ). Man merkt sehr schnell, ob jemand wirklich an einem selbst interessiert ist oder nur eigene Bedürfnisse befriedigt haben möchte. Vielleicht können Sie diese sozialen Kontakte auch noch ausbauen und diese mit Ihren eigenen Aktivitäten und Vorlieben verbinden ( Sportverein oder ein Hobby, das man auch mit anderen zusammen ausüben kann ), damit Sie Neues erleben und merken, das Sie es selbst in der Hand haben, ob es Ihnen gutgeht oder nicht.
Ich denke auch, dass Sie auf diese Weise vielleicht dann auch den Partner finden, der Ihnen wirklich auf Augenhöhe begegnet und mit dem Sie eine Partnerschaft führen können, die gleichberechtigt ist und die durch ein Geben und Nehmen gekennzeichnet ist.
Und versuchen Sie auch immer wieder innezuhalten und Revue passieren zu lassen, indem Sie sich selbst vor Augen führen, was Sie geschafft haben, welchen Schritt Sie wieder gegangen sind und was er Ihnen gebracht hat. Man neigt ja dazu, das Negative in den Vordergrund zu stellen und das Positive als selbstverständlich abzuhaken - vielleicht können Sie ja Tagebuch führen oder eine Wochenbilanz machen und dort aufschreiben, was Sie geschafft haben und was Sie vielleicht noch verändern möchten, welche Richtung gut für Sie ist oder welche Sie möglicherweise noch einmal überdenken müssen. Und das Loslassen ist natürlich ein wichtiges Thema, aber das kommt auch nach und nach ganz von alleine, je mehr Sie auf sich selbst achten und je mehr Sie sich mit Menschen umgeben, mit denen Sie sich wohlfühlen und von denen Sie sich angenommen fühlen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und weiterhin viel Kraft!

Viele Grüße

Ihre Beraterin Susanne B.
Ratsuchende(r)
Hallo Susanne,

die nachstehende Antwort habe ich heute von meinem Bekannten bekommen:

Kümmere dich um deinem eigenen scheiß und lass mich einfach in Ruhe. Ich brauche keine pseudoschlauen Hinweise. Lebensjahr dein eigenes Leben. Nur ohne mich.

Nachdem ich ihm gestern diese Mail zu seiner Gallen-OP geschickt habe: "Fang bitte an die Zusammenhänge zwischen deiner schweren Kränkung (Verbitterung)deinem festgehaltenen Schmerz und der Operation zu begreifen.

Wunderts dich wenn man vor seinen Problemen flieht.
Und Irrtum, wenn du glaubst, das jetzt nach der OP wieder alles gut ist. Nichts ist gut. Garnichts.

Ich will den ganzen Scheiss nicht mehr mit der Liebe. Verbitterung, d.h. die Gallensteine sind zwar raus. Aber die Verbitterung bleibt und somit auch die negativen Gefühle. Und der Kreislauf beginnt von neuem solange die Ursache nicht behoben wird. "

Und ich bekomme von ihm ja immer nur Post, wenn ich seine wunden Punkte treffe.

Ich glaube das er doch so langsam anfängt über sich nachzudenken. Wenn das ganze nicht so traurig wäre aber schmunzeln muss ich darüber doch. Er verhält sich aufgrund der schweren Kränkung wie ein kleiner bockiger Junge.

Nein, mir geht es heute schon wieder besser. Man macht sich halt einfach nur Sorgen.

Aber es ist schon der richtige Weg das ich mich noch intensiver um mich kümmere. Er muss wirklich merken das es mir gut geht.

Nein Hobbys habe ich genug. Ich bin Mitglied in einer Sportgruppe von 14 Frauen. Wir machen auch so sehr viel zusammen.
Und einmal im Jahr im November fahren wir auch ins Welness-Wochenende.
Und ich bin schon seit Jahren bei den Landfrauen auch im Vorstand und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit.

Nein, Gott sei Dank das soziale Umfeld stimmt und zu meinen Eltern habe ich auch ein sehr gutes Verhältnis.

Nur beruflich bin ich noch nicht da wo ich hin möchte.
Und das ist eigentlich auch so mein Problem. Das nagt leider auch so ein bisschen an meinem Selbstwertgefühl. Ich weiss nicht wirklich was ich will.
Die Ärztin damals in der Klinik hat zu mir gesagt "Das ich eine Macherin bin." Aber leider nutze ich dieses Potential noch zu wenig.

Obwohl einen Traum habe ich. Ich war und bin immer schon Fan von Ferien auf dem Bauernhof gewesen.
Habe auch ne landwirtsch. und touristische Ausbildung. Manchmal habe ich schon so Gedanken alles zusammen zu komponieren. Aber ohne Partner ist sowas immer schwierig. Ich würde Ihnen gerne mal meinen Lebenslauf anhängen.

Zur Zeit arbeite ich in einer Fischgaststätte, weil meine andere Stelle ausgelaufen war. Aber nebenbei bewerbe ich mich weiter.

Morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch in einem Hotel und von AIDA Sitz in Rostock habe ich auch eine Einladung. Auch beruflich tut sich was. Und das Studium läuft ja auch weiter. Der letzte Test war ne 2,0 und gestern habe ich den 11. abgeschickt.

So und jetzt nehme ich mir den Hund und fahre mit ihm zum Strand nach Heiligendamm.
Das tut uns beiden gut nach der Aufregung von gestern.
Einfach Ostseeluft schnuppern. Und ich fahre ja nur 10 min.

Liebe Grüsse Kerstin



[Anmerkung des Sorgentelefon-Supports: Der Anhang kann in der öffentlichen Mailberatung nicht gespeichert und angezeigt werden.]
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,

ich kann Sie nur ermuntern, so weiterzumachen und auf diesem Weg zu bleiben, Sie tun viel für sich, Sie achten darauf, dass es Ihnen gutgeht und Sie reflektieren sehr intensiv.
Sie haben sehr viele Ideen und ich glaube, dass Sie sicherlich in Zukunft einiges verwirklichen können von dem, was Sie im Kopf haben. Vielleicht ist auch noch nicht der richtige Zeitpunkt für ein so großes Projekt wie die Idee mit der Zusammenführung von Landwirtschaft und Tourismus, manches entwickelt sich auch erst langsam in Verbindung mit der eigenen Entfaltung und je stärker man wird, desto näher rückt dann auch das Ziel, welches man erreichen möchte, weil man sich stark genug fühlt, der Aufgabe gewachsen zu sein.

Ich denke, dass Sie sich weiter auf Ihren Traum hinbewegen und möglicherweise ergibt sich auf diesem Weg ja auch noch eine andere Perspektive - Sie sehen ja, jetzt haben Sie ein Vorstellungsgespräch und da könnten Sie natürlich auch schon in die Tourismusbranche hineinschnuppern.
Manchmal ist es wirklich so, dass man auch Geduld haben muß und auch erst einmal innerlich so weit sein sollte, genug Kraft für eine Aufgabe zu haben und ich bin der Überzeugung, dass Sie das schaffen werden.

Ich hatte Ihnen ja letztens geschrieben, dass auch das Umfeld zunächst einmal erstaunt reagiert, wenn man sich weiterentwickelt, selbstbewusster wird und seine Meinung sagt. Genau das haben Sie jetzt bei Ihrem Bekannten bemerkt: er ist es nicht gewohnt, dass Sie ihm Ihre Sicht der Dinge sagen und dass Sie kritisch mit dem sind, was mit ihm geschieht und wie er damit umgeht. Sie müssen aber auch dabei beachten, dass Sie sich momentan sehr genau mit diesen Hintergründen auseinandersetzen und sich intensiv mit dem Verhältnis Körper und Seele auseinandersetzen - für Menschen, die damit überhaupt nicht vertraut sind, ist das erst einmal sehr schwer nachvollziehbar. Und wenn es dann noch um die eigene Situation geht, fühlen sich manche Menschen eben angegriffen und verstehen nicht, dass man ihnen eigentlich die Augen öffnen möchte - wobei es natürlich auch immer Grenzen gibt bei der Theorie, dass nur die psychische Situation für körperliche Beschwerden verantwortlich ist, es spielen da auch noch sehr viele andere Faktoren eine Rolle. Deshalb versuchen Sie auch zu akzeptieren, wenn jemand Ihre Theorie nicht sofort teilt oder wenn er sich auch erst einmal damit auseinandersetzen und vertraut machen muß. Und versuchen Sie zu akzeptieren, wenn jemand sich überhaupt nicht mit diesen Dingen auseinandersetzt und andere Sichtweisen hat, es macht natürlich auch Angst, wenn der Betreffende merkt, dass er selbst etwas verändern muß, um seine Beschwerden langfristig zu vermindern und es erfordert viel Mut und Kraft, diesen Weg zu gehen. Dann ist es natürlich an Ihnen zu entscheiden, inwiefern Sie das trennen können und inwiefern Sie sich mit Menschen umgeben möchten, die so ganz anders denken als Sie. Es ist immer schwierig, wenn man sich selbst verändert - man muß dann sehen, wie man mit dem sozialen Umfeld zurecht kommt und welche Haltungen man akzeptieren kann bzw. welche man nicht mehr akzeptieren möchte und inwieweit diese Haltungen eine Rolle spielen für das eigene Verhältnis zu diesen Menschen.
Man kann und sollte andere Menschen nicht verändern, man kann Anstösse geben, wenn der andere bereit ist für neue Sichtweisen und wenn er selbst etwas verändern möchte, aber wenn der andere nicht offen ist dafür, dann wird man keinen Erfolg haben und man sollte sich eigentlich mehr darauf konzentrieren, die eigenen Ziele voranzutreiben und daran zu arbeiten, dass man mit sich selbst im Reinen ist.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, auch für Ihr Studium, und hoffe, dass Sie Erfolg haben bei Ihrem Vorstellungsgespräch, das wäre ja auch wieder ein Schritt nach vorn und Sie könnten eine neue, spannende Aufgabe bekommen mit neuen Herausforderungen.

Genießen Sie die Vorweihnachtszeit und führen Sie sich immer wieder vor Augen, was Sie alles schon geschafft haben!

Viele Grüße und alles Liebe,

Ihre Beraterin Susanne B.
Ratsuchende(r)
Hallo Susanne,

erstmal noch vielen Dank für das nette Telefonat.

Jetzt komme ich endlich zum schreiben. Aber ich war so mit meinen Bewerbungen beschäftigt.

Von einem Termin zum anderen. Morgen gehe ich erstmal Probe arbeiten in einer Gaststätte.

Nicht einfach. Es nagt leider an meinem Selbstwertgefühl, das ich beruflich noch nicht wirklich

Fuss gefasst habe, obwohl ich tolle Fähigkeiten habe. Die Ärztin hat damals in der Klinik gesagt: Ich bin ne Macherin, aber umsetzen können habe ich es bisher nicht, weil ich immer an die falschen Arbeitgeber geraten bin. Leider wirke ich nach aussen sehr ruhig, so das ich immer falsch eingeschätzt werde.
Dabei bin ich ein Beobachter und analysiere sehr viel.

Ne Bekannte sagte gestern, das sind alles Prüfsteine die deiner Weiterentwicklung dienen.

Ja, aber mal zur Ruhe kommen wäre auch nicht schlecht, denn es zerrt an der Substanz, da ich ja immer noch nicht so ganz in meiner Energie bin und diese Kündigung hat mich doch ein wenig runter gezogen, obwohl ich schon vorher am bewerben war. Leider ziehe ich mich manchmal selbst noch runter.
So war ich früher nicht.

Mit meinem Bekannten habe ich letzte Woche kurz telefoniert. Er hat gesagt: Das ich nichts falsch gemacht habe." ( die Mails) Da war ich ganz überrascht. Nachdem er ja so wütend war.
Oh, wahrscheinlich arbeitet es doch ein wenig in ihm. Aber trotzdem will er den Kontakt nicht. Ich habe ihn deshalb auf seinen Selbstbetrug angesprochen und da wurde er gleich wieder komisch und hat aufgelegt. Das ist der Grund. Er schämt sich für seine Schwächen als Mann. Minderwertigkeitskomplexe.

Denn mit der Scheinidentität überspielt er seine Schwachpunkte und tut nach aussen den Starken spielen, obwohl er das garnicht ist. Und ich verbinde ihn mit seinen Schwächen und die will er nicht wahr haben. Das ist der Knackpunkt, warum er diese Liebe nicht zu lassen kann. Der Erhalt seiner Maske ist ihm wichtiger als seine Gesundheit. Veralterte Einstellung aus der Kindheit. Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Gestern war ich wieder zum Rethorikkurs, um an meiner Redeangst vor Publikum zu arbeiten. Das macht Spass und gibt mir viel positive Energie.


Liebe Grüsse

Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und schön, dass Ihnen das Telefongespräch weitergeholfen hat.
Ich hoffe, das Probearbeiten heute verläuft positiv und ich kann mir vorstellen, dass die Kündigung immer noch an Ihnen nagt. Aber Sie haben mir ja am Telefon selbst gesagt, dass es nicht an Ihnen gelegen hat und dass Sie nicht wegen schlechter Arbeit oder Ihrer Person gekündigt worden sind, das müssen Sie sich immer wieder vor Augen führen. Außerdem war es ja auch so, dass Sie unter diesen Mobbingattacken zu leiden hatten und dass Sie im Grunde so auch nicht hätten weitermachen können oder wollen. Auch da war es wieder so, dass das Mobbing ja nicht alleine Ihnen gegolten hat, sondern dass auch andere "Opfer" geworden sind und dass Sie nur zufällig auch als Projektionsfläche gedient haben oder ausgewählt worden sind. Sie haben sich also nichts vorzuwerfen - im Gegenteil, vielleicht war es genau der richtige Zeitpunkt, um etwas anderes zu beginnen, damit Sie nach vorn schauen und zufrieden leben können. Diese ständigen Angriffe hätten Ihnen auf Dauer bestimmt nicht gutgetan.
Die Frage des mangelnden Selbstwertgefühls steht ja bei Ihnen auch immer wieder im Raum, und auch da müssen Sie sich sagen, dass es ja einige Verletzungen in der Vergangenheit gegeben hat. Ihr damaliger Mann hat Sie zum Beispielwegen Ihrer Figur angegriffen, wie Sie anfangs geschrieben haben, und das muss man erst einmal verkraften. Sie haben das zwar nach aussen hin abgehakt, aber solche Verletzungen sitzen tief und kommen in bestimmten Situationen immer mal wieder zum Vorschein, das ist einem oft dann gar nicht bewusst. Vielleicht können Sie in der Therapie dieses Thema auch noch einmal ausführlich bearbeiten und versuchen, Frieden zu schliessen mit sich selbst und zu hinterfragen, warum Sie sich selbst immer wieder in Frage stellen und für nicht gut genug halten. Sie sind aber schon ein enormes Stück weitergekommen, denn Sie haben das Studium angefangen, Sie haben Bewerbungsgespräche geführt ( auch das gibt durch die Übung immer mehr Sicherheit ) und Sie haben auch sonst in Ihrem Leben einiges umgestellt, lassen sich nicht mehr so viel gefallen. Das sind alles wichtige Stationen, und Sie sollten sich das auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, denn es ist nicht selbstverständlich und vor allem : Sie haben das geschafft, Sie sind aktiv geworden und Sie reflektieren und denken über die Ursachen Ihrer Selbstzweifel und über die Möglichkeiten nach, mit der Vergangenheit in Einklang zu kommen und in Zukunft gelassener zu leben.
Sie sehen ja auch an der Reaktion Ihres Bekannten, dass Sie auch dort die richtigen Fragen gestellt haben und auch bei ihm die Hintergründe seines Verhaltens versucht haben, zu analysieren und damit ganz richtig lagen. Dazu möchte ich Ihnen aber auch noch sagen, dass es zwar gut ist, dass Sie Ihre Meinung sagen und nicht einfach darüber hinweggehen, dass Sie aber auch akzeptieren müssen, wenn andere Menschen sich sperren, ihre eigene Situation zu hinterfragen und zu beleuchten. Sie haben zwar wahrscheinlichganz zutreffend die Ursachen seines Verhaltens analysiert ( obwohl das auch immer nur ein Ausschnitt ist, was wirklich in ihm vorgeht, wissen Sie ja auch nicht umfassend ), aber er möchte im Grunde diese Schwächen nicht aufdecken und nicht bearbeiten. Da müssen Sie persönlich lernen, dass man einem anderen auch nicht aufzwingen kann, dass er seine Probleme bearbeitet, wenn er das nicht möchte. Der Mensch kann nur langfristig etwas verändern, wenn er das innerlich auch wirklich will und dahintersteht, ansonsten ist es unwahrscheinlich, dass es funktioniert. Das müssen Sie, so schwer es auch ist, akzeptieren. Sie können selbstverständlich Ihre Auffassung ihm gegenüber darlegen, aber wenn er das nicht wirklich annimmt, dann müssen Sie das so stehenlassen. Für Ihren Bekannten ist es wahrscheinlich mit zu viel Angst besetzt, sich der eigenen Probleme zu stellen und deshalb blockt er ab, weil er nicht oder noch nicht die Kraft hat, die Probleme anzugehen.
Sie müssen sich dann sagen, dass es sein Problem ist und Sie können sich bei der Gelegenheit auch fragen, ob Sie sich wirklich schon ganz von ihm gelöst haben oder ob Sie immer noch die unbewusste Hoffnung haben, dass Sie mit ihm noch einmal zusammenkommen.
Vielleicht wäre das auch noch einmal ein Ansatzpunkt zu überlegen, ob Sie da einen Schlussstrich ziehen wollen und sich auf Ihre Zukunft konzentrieren, Mensch kennenlernen, die Ihnen guttun und mit denen Sie sich wirklich auf Augenhöhe austauschen können, oder ob Sie diese Verbindung immer noch aufrechterhalten wollen bzw. was Sie daran hindert, loszulassen. Sie haben ja damals gesagt, Sie haben ihm unbewusst viel zu verdanken, weil er in der schwierigen Zeit zu Ihnen gehalten hat, als Sie von Ihrem Ex-Mann so verletzt wurden, aber das liegt auch schon alles sehr lange zurück und seitdem ist viel passiert. Denken Sie einfach noch einmal darüber nach und schauen Sie, ob dieses Nicht - Loslassen - Können Sie vielleicht blockiert, wenn es momentan darum geht, Schritte nach vorn zu tun!?
Ich wünsche Ihnen, dass es beruflich weitergeht, dass Sie vielleicht in der Gaststätte den Job bekommen, aber Sie hatten ja auch noch andere Ideen und Träume. Bleiben Sie dabei, alles auszuprobieren, was Ihnen als sinnvoll erscheint, und auch das Studium wird Ihnen ja weiterhelfen, die richtigen Weichen zu stellen. Sie haben ja auch sonst einige Projekte, die Ihnen guttun und bei denen Sie auch wieder neue Impulse bekommen, und der Rhetorikkurs ist natürlich auch hilfreich. Dazu möchte ich Ihnen aber auch noch sagen, dass Sie vielleicht ein wenig darauf achten, nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen, rhetorisch perfekt zu sein, sondern dass Sie vor allem auch darauf achten, authentisch zu sein. Manchmal versperrt zu viel Rhetorik den Blick auf das Wesentliche, und man ist nicht mehr so, wie man eigentlich wirklich ist. Das wirkt dann auch wieder gekünstelt, und ein guter Chef oder Vorgesetzter merkt schnell, ob etwas von innen heraus kommt oder ob es nur antrainiert worden ist. Seien Sie Sie selbst, dann werden Sie auch ein gutes Bild von sich abliefern und Seien Sie möglichst natürlich, wenn es um Bewerbungen oder wichtige Termine geht, bei denen man sich präsentieren muss.

Ich wünsche Ihnen für heute erst einmal alles Liebe, vielleicht haben Sie ja wieder einmal das Bedürfnis, zu telefonieren ( Sie können immer kurzfristig einen Termin vereinbaren ) oder Sie schreiben mir, wie es Ihnen weiterhin geht.

Liebe Grüße und alles Gute

Ihre Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Susanne,

vielen Dank für die lange Mail.

Ich habe auch gleich ne frohe Botschaft. Habe ab 1. März wieder Arbeit. Eine wirkliche schöne Stelle. Ich habe das noch garnicht so realisiert.
Im Hotel Neptun in Warnemünde (5 Sterne) an der Rezeption für den Spa und Fitnessbereich. Das Neptun ist für seine Thalasso Anwendungen sehr bekannt.
Viel organisatorische Aufgaben, aber auch Mitführung von 10 Lehrlingen. Ne echte Herausforderung an der ich aber persönlich wachsen kann.
Donnerstag war ich mir alles anschauen.
Hatte sogar noch andere Stellen. Im Moment suchen sie sehr viel Personal. Aber leider auch sehr viel Saison.
Ist aber auch mal schön aussuchen zu dürfen.

Gestern rief der Bauer noch an mit der Melkerstelle. Aber ich habe mich für das Hotel entschieden, weil es sehr viel positive Energie ausstrahlt.

Nein, die Kündigung war schon okay. Ich war ja eh schon auf der Suche, weil es nicht so passte. Nur ich hatte nicht mitgerechnet.
Aber ich weiss auch das ich an mir jetzt intensiv arbeiten muss, vorallem an der Konzentration die noch nicht ganz wieder hergestellt ist.

Es war ja insgesamt ne schwere Zeit. Nicht nur durch die Männer, sondern auch Job mäßig.


Aber ich weiss ja was ich wirklich schon geleistet habe und kann darauf schon stolz sein. Und deshalb verstehe ich mich eigentlich auch selbst nicht wirklich, warum ich mich immer wieder selbst in Frage stelle. Habe ja sogar schon 650 Mastschweine alleine betreut und gute Ergebnisse am Ende gehabt.
Ich muss meine innere Stärke einfach nur mehr nach aussen zeigen. Aber es ist meine eigene Bescheidenheit.
Vieles ist für mich auch selbstverständlich.
Aber ich werde das mit meiner Psychologin besprechen. Sie hat die Therapie Tiefenpsychologie mit 25 Sitzungen durchbekommen.
ich denke auch schon das da unterbewusst noch einiges aufzuarbeiten ist an Verletzungen. Aber ich bin auch ein Kämpfer.
So das ich meine Energie bald ganz wieder habe.

Mein Bekannter will es auch nicht mehr, Verbitterung. Ich habe ihm letztens beim Bäcker getroffen und da hat er gesagt Ich soll ihn so in Erinnerung behalten wie er war. Traurig.
Er hat sich selbst aufgegeben, weil er nicht begriffen hat, das ihn sein eigener Perfektionismus selbst zerstört hat. Ihn in die Verbitterung getrieben hat.

Nein, es ist schon okay so. Mir bleibt ja auch nichts anderes übrig auch wenn das Herz schwer ist. Ich hab mich vorwärts entwickelt und beide Männer rückwärts. Im Grunde genommen hat er sich mein Vertrauen mit einer falschen Identität erschlichen. Sich am Anfang mit mir aufgewertet, weil er sein Selbst verloren hat. Und das hat mich aber irgendwann wachgerüttelt.
Sein wechselhaftes Verhalten mir gegenüber. Einmal Gefühle und dann wieder zur Kompensation seines Egos. Er ist innerlich aufgrund der Känkung zerrissen.
Und mich hat dieses wechselhafte Verhalten damals in einen sehr schweren innerlichen Konflikt gebracht. Nur damals konnte ich nichts mit anfangen. Aber er hat mir auch den Weg in meine Selbsterkenntnis geebnet. Ich habe angefangen das ganze zu hinterfragen vorallem das wechselhafte Verhalten.

Irgendwann hat er sich dann aber verliebt, aber mit seinen Gefühlen kommt er aufgrund der Verletzungen die er aufgrund seines Perfektionismus selbst zugelassen hat nicht mehr klar. Und er gehört eben zu den Menschen die lieber andere Menschen benutzen, um sich selbst zubestätigen, weil er selbst dazu nicht in der Lage ist. Er hat keinen eigenen Selbstwert braucht wie seine Frau ständig andere Menschen dazu. Und auf so einen bin ich reingefallen. Damit klar zukommen ist halt schwer. Sie hat ja ne schwere narz. Persönlichkeit und meine Psychologin sagt das er vermutlich Co-Narzist ist.

Und für mich ist das einfach auch nur verrückt das ein Mensch sich weiterhin für solch eine künstliche Aufwertung erniedrigen und demütigen lässt, anstatt sein Selbstwertgefühl auf gesunde Weise wieder aufzubauen, um nicht mehr so schlecht behandelt zu werden. Aber ohne Akzeptanz seiner Schwächen ist das nicht möglich. Und ich gehe eben den gesunden Weg.

Und das versteht er irgendwie nicht. Er lehnt sich selbst total ab aufgrund seiner Schwächen. Deswegen ist er ja auch Opfer dieser Frau geworden.
Gesetz der Anziehung. Er schmückt sich mit ihrer vermeintlichen Stärke dabei ist sie selber total schwach. Schon verrückt in was ich damals reingeraten war, weil auch in unserer Beziehung unbewusst viele verletzungen gelaufen waren. Und ich vermutlich meinen Selbstwert damals verloren habe und es nicht gemerkt habe.

Nein, der Rhetorikkurs soll mir einfach helfen mir die Aufregung zu nehmen beim Reden vor größeren Gruppen. Mir mehr Sicherheit bringen meine Ängste abzubauen.

Meine Natürlichkeit und auch Bodenständigkeit erhalte ich mir auch. Das ist mir heilig und wichtig und das ist auch das was die Menschen in meinem Umfeld an mir mögen. Nein, ich bin schon sehr beliebt mit meiner natürlichen Art und habe in der schweren Zeit auch sehr viel Unterstützung gehabt.
Bekannte und Freunde die mich immer wieder aufgebaut haben. Da bin ich unheimlich dankbar für. Und anders herum genauso.


Gerade bekam ich die Korrektur meines letzten Testes. Wieder ne 1,0. (1,4 Durchschnitt ) Da kann ich schon stolz drauf sein.

Jetzt sind noch 5 Hefte von 17 und die Hausarbeit und Prüfung.
Thema habe ich auch. "Welchen Einfluss haben Kränkungen auf unsere Selbsterkentnis und unseren Selbstwert?" Wie sollte es anders sein?



Ganz viele liebe Grüße

Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,

vielen Dank für Ihre E-Mail und die vielen positiven Nachrichten.
Zunächst einmal ganz herzlichen Glückwunsch zu dem tollen Job, das ist ja wirklich eine ganz großartige Neuigkeit und ich freue mich sehr für Sie. Es ist wieder einmal eine Bestätigung für Ihre Hartnäckigkeit und dafür, dass es gut war, die andere Stelle zu verlieren - im Nachhinein fügt sich eben manchmal alles so, wie es sein sollte, obwohl man erst einmal meint, es sei eine negative Situation. Ich wünsche Ihnen ganz viel Freude bei der neuen Arbeit, in so einem schönen Hotel zu arbeiten, ist auch etwas Besonderes, und das haben Sie ganz allein sich selbst zu verdanken. Ich finde auch sehr positiv, dass Sie zunehmend erkennen, dass es Ihren Anstrengungen zu verdanken ist, dass Sie zum Beispiel die Stelle jetzt bekommen haben und dass es eben nicht selbstverständlich, sondern auf eigene Initiative zurückzuführen ist.
Ich freue mich ebenfalls, dass Sie die Therapiesitzungen genehmigt bekommen haben, und das wird Ihnen sicherlich sehr viel helfen, mit den Ereignissen aus der Vergangenheit besser klarzukommen und mit vielen Dingen Frieden zu schliessen. Aus Ihren Erzählungen über Ihren Bekannten schliesse ich immer noch, dass Sie sehr viel darüber nachdenken, und das ist ja auch ganz normal und verständlich. Gut wäre es aber, wenn Sie irgendwann nicht mehr versuchen, sein Verhalten zu erklären, sondern sich mehr auf Ihre eigenen Wünsche und Ziele fokussieren, um nicht immer wieder in die Vergangenheit mit ihren unangenehmen Gefühlen abzugleiten. Das können Sie in der Therapie aber schaffen, und zwar nicht, indem Sie das Thema verdrängen, sondern in Ihr Selbst integrieren, so dass es zwar noch vorhanden, aber nicht ständig präsent ist. Es gibt viele Möglichkeiten, so etwas zu schaffen, zum Beispiel indem man das Thema noch einmal beleuchtet, aber wirklich nur die wichtigen Problempunkte, und sich dann diese Gefühle vorstellt, wie man sie in eine Kiste packt, diese fest verschliesst und als verpackten "Schatz" irgendwo in seinem Inneren behält, ohne die Kiste wieder zu öffnen. Es hilft Ihnen ja nichts, zu verdrängen, sondern Sie müssen abschliessen und Frieden schliessen mit diesen ganzen Gefühlen und Problemen, die damit verbunden sind. Diese Gefühle und Gedanken haben Ihnen ja auch etwas gebracht, nämlich indem Sie reflektiert haben und daran gewachsen sind, somit war die Zeit im Nachhinein auch sehr wichtig und ein wertvoller Bestandteil Ihres Lebens und Ihrer eigenen Entwicklung. Wir wachsen ja meistens an solchen Krisen und an deren Überwindung, und deshalb sollte man solche Zeiten auch nicht nur negativ belegen. Sie können auch versuchen, einen Brief an Ihren Bekannten zu schreiben und dort alle Gefühle hineinpacken, die Ihnen auf der Seele liegen, diesen Brief schicken Sie aber nie ab, sondern Sie verbrennen oder vergraben ihn mit dem Wissen, dass Sie so Ihre Gedanken weggegeeben, und damit abgegeben haben. Solche Praktiken sind sehr gut geeignet, um etwas loszuwerden, das einen immer wieder beschäftigt und nicht loslässt.
Schön, dass Sie auch in Ihrem Studien so guten Erfolg haben und ich bin mir sicher, dass Sie auch die Hausarbeit sowie die folgenden Prüfungen hervorragend meistern werden. Ihre Arbeit mit Menschen wird Ihnen noch zusätzlich helfen, auch das Lampenfieber abzubauen und alles zusammen ergibt ein sehr rundes Bild. Sie sehen ja auch an Ihren sozialen Kontakten, dass Sie gut mit Menschen umgehen können und dass Sie von Menschen gemocht und geschätzt werden.
Wenn Sie einmal überlegen, welche Entwicklung Sie seit der ersten E-Mail, die Sie mir geschrieben haben, durchgemacht haben, dann ist das doch schon sehr beachtlich, denn aus Ihren aktuellen Nachrichten lässt sich viel mehr Lebensfreude und Lebensmut erkennen und vor allem die Bereitschaft, die neuen Aufgaben anzugehen und auch auf die eigenen Erfolge stolz zu sein. Vielleicht hilft Ihnen das alles, auch wieder offen zu sein für einen neue Partnerschaft, und Sie werden sicherlich dann wachsamer sein und mehr darauf achten, dass Ihre Bedürfnisse erfüllt werden, als es bisher der Fall war. Aber so etwas braucht Zeit und ich denke, Sie wissen das und werden sich diese Zeit auch nehmen und nichts überstürzen.
Ich wünsche Ihnen weiterhin nur das Beste, und auch wenn es vielleicht einmal wieder eine Phase gibt, in der es Ihnen nicht so gut geht, haben Sie ja immer mehr die Möglichkeit, sich selbst einzugestehen, dass auch diese Zeiten wichtig sind und dass es einem auch einmal schlecht gehen darf, es ist sogar wichtig, dass es nicht immer nur bergauf geht. Lassen Sie sich von solchen Zeiten nicht entmutigen und sagen Sie sich immer, dass Sie schon so viele Probleme bewältigt haben, dass Sie auch dieses werden meisten können.
Wenn es Ihnen danach ist, können Sie gerne auch wieder einen telefonischen Kontakt herstellen, Sie haben immer die Möglichkeit, sehr zügig einen Termin bei mir zu vereinbaren.

Viele liebe Grüße. alles Gute für Sie und viel Glück morgen bei Ihrem ersten Arbeitstag,

Ihre Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Susanne,

ganz ganz lieben Dank für die Mail. Ja, die Stelle ist schon ein Glücksfall. Heute war mein erster Tag. Sehr viel Input. Mit mir hat noch eine Kollegin angefangen.
Am Wochenende war ich in Hamburg zum Seminar zum Studium. Drei Seminare sind im Studium. Es war sehr interessant. Ein sehr schönes ereignisreiches Wochenende. Sehr zum Nachdenken.
Aber im Moment muss ich mich auf die neue Arbeit konzentrieren.
Nein, es geht aufwärts. Wenn ich mir nicht so viele Gedanken um die Männer mache, dann gehts mir auch besser.

Ich hätte ihnen gerne geholfen damit sie aus der Kränkung heraus kommen, aber sie wollen es ja gar nicht. Ihre Selbsttäuschung zählt mehr. Stark sein wo sie gar nicht stark sind.

Nein, auch wenn es eine schwierige Zeit war. Aber sie war auch so lehrreich. Jede Krise ist auch eine Chance für einen selbst, wenn man das eben erkennt. Den Sinn dahinter. Dann ist die Katastrophe nicht mehr so groß.

Ich habe auch viele neue Bekannte kennengelernt, die mir gut getan haben und gut tun. Vor allem Birgit, sie hat mich mit aus dem Tal der Tränen geholt. Durch sie habe ich schon sehr viel gelernt in Sachen Persönlichkeitsentwicklung.
Ja, die Verarbeitung ist schon wichtig und auch der richtige Weg. Nicht so wie die Männer kompensieren.

Gerne werde ich sie später nochmal anrufen.

Viele liebe Grüße und eine schöne restliche Woche.

Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,

danke für die positive Rückmeldung. Ich bin sehr froh, dass Sie diesen Job bekommen haben und dass auch der Beginn der Arbeit gut verlief. Ich hoffe, Sie hatten eine zufriedenstellende erste Arbeitswoche und es geht Ihnen gut.

Das Angebot für ein Telefongespräch bezog sich darauf, dass Sie immer im Hinterkopf haben können, dass Sie in Krisenzeiten eine Anlaufstelle haben, vielleicht ist das eine Beruhigung und Sie wissen, dass Sie nicht alleine sind, wenn es mal zu Schwierigkeiten kommen sollte, was ich natürlich nicht hoffe.
Ich möchte Ihnen aber noch ein paar Dinge auf den Weg geben, die Sie sich in Erinnerung rufen können, wenn es Ihnen vielleicht nicht so gut geht, denn es gibt bei jedem immer mal wieder ein Auf und Ab, nur der eine nimmt das einfach so hin und der andere meint dann gleich, es geht wieder abwärts. Wenn man sehr sensibel ist und schwere Zeiten hinter sich hat, dann ist man eben auch sehr kritisch und hat sehr feine Antennen, so dass man sich auch manchmal selbst etwas im Weg steht.
1. Führen Sie sich immer vor Augen, dass Sie all das, was Sie jetzt tun, aus eigener Kraft geschafft haben und seien Sie stolz darauf. Es ist nicht selbstverständlich, sich nach Kränkungen und Krisenzeiten selbst wieder aufzurappeln und es erfordert sehr viel Kraft und Selbstdisziplin. Die hatten Sie und das sollte Sie stärken, wenn es vielleicht zwischendurch nicht alles glatt läuft und wenn Sie das Gefühl haben, es wächst Ihnen alles über den Kopf. Eine solche Situation hat jeder von uns und das ist völlig normal.
2. Achten Sie auf sich und nehmen Sie sich auch einmal eine Auszeit, um durchzuatmen und Kraft zu schöpfen. Das ist wichtig, um nicht in eine Stressspirale zu kommen, denn dann ist man wieder anfälliger für Kränkungen oder Angriffe von außen.
3. Wenn Sie in Ihrem neuen Job irgendwelche Probleme haben, sei es mit anderen Mitarbeitern oder mit Vorgesetzten, dann schauen Sie, dass Sie umgehend das Gespräch suchen und möglicherweise Missverständnisse aufklären. Meistens sind es nur Kommunikationsprobleme, und die kann man schnell bereinigen. Lassen Sie es gar nicht so weit kommen, dass es zum Mobbing wird, wie Sie es ja im vorigen Job erlebet haben, sondern versuchen Sie möglichst, sofort zu reagieren.
Und wenn irgendwelche Angriffe kommen sollten, dann beziehen Sie das nicht sofort auf sich und Ihre Person, sondern forschen Sie nach, ob derjenige, von dem er Angriff ausgeht, vielleicht ein Problem hat. Meistens werden Mobbingopfer nur als Projektionsfläche benutzt und sind eigentlich gar nicht gemeint, sondern erfüllen nur eine Funktion.
Sie haben ja auch bei Ihrer letzten Arbeitsstelle im Nachhinein gemerkt, dass die Angriffe nicht nur Ihnen galten, sondern dass auch andere "Opfer" geworden sind, insofern können Sie in Zukunft schneller reagieren und es gar nicht so weit kommen lassen, dass Sie selbst darunter leiden müssen.
Lassen Sie sich nicht zur Projektionsfläche machen und wehren Sie sich, nicht aggressiv, aber bestimmt, so dass der andere merkt, dass man mit Ihnen nicht umspringen kann.
Das gilt auch im Bereich von Partnerschaften, denn auch dort haben Sie ja erfahren, dass Sie als Projektionsfläche dienen sollten. Seien Sie auch in diesem Bereich wachsam. Das heisst nicht, dass Sie misstrauisch werden sollten, sondern einfach nur mehr reflektieren, ob das verhalten des anderen Ihnen persönlich guttut und ob Sie sich gut damit fühlen. Das merken Sie sehr schnell, vor allem nach den Erfahrungen, die Sie gemacht haben.
4. Führen Sie unbedingt die Therapie weiter, denn Sie glauben gar nicht, wie viel Unbewusstes noch in einem schlummern kann, das einen blockiert und hindert, wirklich zufrieden zu werden. Sie werden sicherlich von den Therapiesitzungen profitieren und auch noch einiges aufklären, das Ihnen bisher noch unverständlich erscheint.
Es ist aber auch nicht so, dass man alles aus der Vergangenheit bis ins kleinste Detail wieder hervorholen muß, denn manches sollte man einfach so stehenlassen und kann damit auch gut leben. Es sind nur die Dinge wichtig, die einen im Weiterkommen und in der eigenen Weiterentwicklung hemmen und im Weg stehen.
Das wird Ihre Therapeutin aber gut steuern, da bin ich mir sicher. Denn man sollte sich auch nicht unnötig mit Problemen belasten, die einen nicht voranbringen und die einen im Gegenteil nur unnötig beschäftigen. Vergleichen Sie es damit, wenn Sie einen Kleiderschrank im Frühjahr aufräumen: Die Dinge, die Ihnen wichtig und lieb sind, bewahren Sie auf, und alle die Dinge, die Sie nicht brauchen, die Sie nicht mögen, und die nur als Ballast empfunden werden, sortieren Sie aus und empfinden das nachher als Befreiung.

Ich wünsche Ihnen wirklich alles Gute auf Ihrem weiteren Weg, sowohl privat als auch beruflich, und ich denke, Sie haben schon jetzt ein gutes "Handwerkszeug", um mit Krisen umgehen zu können, und Sie haben außerdem sehr vielfältige Unterstützung, um sich in schwierigen Zeiten Hilfe zu holen.

Liebe Grüße und bleiben Sie auf dem eingeschlagenen Weg !

Ihre Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Susanne,

ganz lieben Dank für die Mail und die lieben Ratschläge. Ich werde sie dankbar beherzigen. Und es ist gut zu wissen, dass da jemand ist, der einen versteht. Und mit Ihren Mails haben Sie mir schon sehr viel geholfen.

Die Arbeitswoche war sehr schön. Habe nur einen riesen Muskelkater vom vielen Sport. Mir tun heute ganz schön die Waden weh. Ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit einem Hotelgast. Die ältere Dame hat vor einem halben Jahr ihren Mann verloren. Sie hat sich zum Schluss für das interessante Gespräch bedankt. Sie hatte mich auf Mitte 20 geschätzt. Dadurch sind wir ins Gespräch gekommen. Sie hat auch gesagt, das ich sehr stolz auf mich sein kann. Vor allem auf die Kinder, dass beide ihr Abi machen bzw. schon studieren.

Heute habe ich frei. Werde mich dann noch ein wenig auf die Bücher konzentrieren.
Diese Woche bin ich nach der Arbeit noch viel unterwegs. Da bleibt in der Woche wenig Zeit fürs Studium.

Auch ich wünsche Ihnen für ihre Arbeit alles Gute.

Liebe Grüße,
Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,
ich freue mich über den positiven Beginn Ihres neuen Jobs und über das schöne Erlebnis, welches Sie mit der älteren Dame hatten, die als Hotelgast bei Ihnen war. Es ist doch schön, dass Sie ein solches Feedback bekommen, und es wird Sie sicher motivieren, mit Spaß und Energie an die kommenden Herausforderungen zu gehen. Ich denke, dass Sie mittlerweile so stabil sind, dass Sie auch Schwierigkeiten, die vielleicht auftreten werden, mit Gelassenheit werden bewältigen können und das Sie nicht mehr sofort aus dem Gleichgewicht geraten. Schauen Sie, dass Sie eine Balance finden zwischen Beruf und Privatleben, und dass Sie sich nicht zu sehr überfordern, denn Sie haben ja auch einiges hinter sich, und wenn die erste Euphorie verflogen ist und der Alltag auch im Berufsleben einkehrt, muß man sich auch kleine Auszeiten einplanen, um wieder genug Kraft zu haben für die neuen Aufgaben und auch für den Stress, der ja im Hotelgewerbe ein ständiger Begleiter sein wird.
Ich möchte aber abschließend noch auf einen Aspekt eingehen, den wir im Telefonat besprochen haben und den Sie nun auch in Ihrer letzten E-Mail angesprochen haben: das Verhältnis zu Ihren Kindern.
Sie sagen ja selbst, dass Sie stolz auf die Leistungen und auf die Entwicklung Ihrer Kinder sind. Das sollten Sie auch wirklich verinnerlichen, denn Sie müssen sich auch immer wieder vor Augen führen, dass Sie neben den ganzen anderen Schwierigkeiten, die Sie in Ihrer Ehe, in Ihrem Beruf und mit sich selbst hatten, auch noch Ihre Kinder großgezogen und unterstützt haben. Natürlich sind Ihre Kinder jetzt erwachsen, aber in den letzten Jahren haben sie ja sicher in Ihrer Entwicklung auch die einen oder anderen Schwierigkeiten gehabt und Sie als Mutter mußten sich auch darum kümmern. Das beginnt mit Problemen in der Pubertät, die die Kinder mehr oder weniger haben, aber auch im Alltagsleben, wenn man Beruf und Kinder unter einen Hut bringen muß und mitten in einer Trennung steckt. Ihre Kinder sind auch deshalb ihren Weg gegangen und jetzt so selbständig und selbstbewusst, weil Sie Ihnen ein Vorbild waren und weil Sie für Ihre Kinder da waren.
Sicherlich war es auch für die Kinder nicht einfach, die Veränderungen in der Familie zu verarbeiten, denn wenn Eltern auseinandergehen, ist das für Kinder immer sehr problematisch und angstbesetzt. Es ist aber wesentlich besser, wenn die Eltern sich trennen und beide ein gutes Verhältnis zu den Kindern entwickeln, als dass Sie nur zusammenbleiben der Kinder wegen und sich dann womöglich ständig streiten. Trotzdem war es sicherlich auch eine schwere Zeit, denn Sie mußten ja auch Ihren Kindern die neue Situation erklären, dabei noch arbeiten und den Haushalt bewältigen. Bitte haken Sie das nicht als selbstverständlich ab, sondern schreiben Sie es Ihrem Einsatz und Ihrer Energie zu, dass die Kinder so gut aus der Situation herausgekommen sind und dass es ihnen nun so gutgeht. Das ist nicht selbstverständlich, Sie haben sicherlich auch im eigenen Umfeld genug Beispiele, wo es nicht so läuft und es im Streit endet. Deshalb rate ich Ihnen auf jeden Fall, weiterzumachen mit den Therapie-Sitzungen, denn es ist bestimmt vieles zu kurz gekommen, was Sie aufgrund dieser ganzen anderen Probleme auch nicht genügend bei sich selbst bearbeiten konnten, weil schlichtweg anderes wichtiger war und weil Sie Prioritäten setzten mußten. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, bei manchen Punkten noch einmal näher hinzuschauen und vor allem Ihr Verhältnis zu Männern noch einmal näher zu beleuchten, damit Sie einerseits loslassen können (was Ihren Ex -_Mann und Ihren Bekannten betrifft) und damit Sie sich und Ihre Verhaltensweisen besser verstehen, um irgendwann möglicherweise offen zu sein für eine neue Partnerschaft.
Seien Sie wirklich stolz auf das, was Sie Ihren Kindern mitgegeben haben und auf die Zeit, die Sie trotz der ganzen Schwierigkeiten so gut gemeistert haben und wahrscheinlich haben Sie auch einige Male Ihre Bedürfnisse zurückgesteckt, damit es den Kindern gutgeht und damit Sie den Alltag gut in den Griff bekommen konnten. Das alles müssen Sie nun nachholen, nämlich auf Ihre Bedürfnisse zu achten und auch erst einmal zu lernen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, denn oft beginnt es schon damit, dass man aufgrund der vielen anderen Belastungen verlernt hat, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und sich zu fragen, was man eigentlich möchte. Wenn man immer auf andere achten mußte, dann muß man manchmal erst einmal wieder einen Zugang zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen bekommen, weil man sie schlichtweg über Jahre hinweg einfach beiseite geschoben hat und nun überhaupt nicht mehr gewohnt ist, auf sich selbst zu achten und die eigenen Bedürfnisse zu erkennen.

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute auf Ihrem Weg, bin aber sehr sicher, dass Sie auf einem guten Weg sind und dass Sie die vielen Möglichkeiten nutzen werden, um Ihre noch bestehenden Konflikte gerade in Bezug auf das Loslassen bewältigen werden, um dann auch manches abschließen und zuversichtlich nach vorn blicken zu können in eine hoffentlich glückliche und zufriedene Zukunft. Alles Gute auch für Ihre Prüfungen und für Ihren tollen Job, der ja so vielversprechend begonnen hat und der Ihnen viele Möglichkeiten bietet, ein stabiles und gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Viele Grüße

Ihre Susanne B.
Ratsuchende(r)
Hallo Susanne,

nun komme ich endlich mal wieder zum schreiben.

Leider hatte ich meine Arbeit im Hotel nach 4 Wochen schon wieder verloren.
Die Chefin meinte, ich hätte Angst vor Gästen. Hatte ich aber nicht. Ganz im Gegenteil hatte ja sogar Trinkgeld für meine nette Art bekommen. Das passte nicht. Nein ich war nur bei den Buchungen am PC noch ein wenig angespannt.. Ist ja auch normal wenn man noch nicht perfekt ist.
Sie wollte das ich in 4 Wochen das konnte, wofür die Lehrlinge 3 Jahre brauchen. Und ich hatte schon anderthalb Wochen alleine gearbeitet. Und die Kollegin rechte Hand der Chefin, die mich eingearbeitet hat, wusste von nichts. Keine Rücksprache.
Aber die Chefin hat ja am Anfang zu mir gesagt: "Das sie noch nie jemanden gefunden hat der da so richtig reinpasst". Das habe ich auch der Personalleiterin gesagt und sie hat dann zu mir gesagt: "Über den Satz sollten wir aber mal nachdenken." Sie hat noch ihr bestes versucht, aber keine Chance.
Warum gerate ich immer an die falschen?

Wie mit den Männern? An Arbeitgeber, die meinen Fleiß nicht zuschätzen wissen. Und das zieht einen so runter. Wie soll man da sein Selbstwertgefühl wieder aufbauen? Ganz im Gegenteil, die Versagensängste werden doch größer, weil man den Glauben an sich selbst immer mehr verliert.
Das traurige ist das ich langsam an mir selber zweifle. Auch wenn ich es nicht muss. Und man kommt sich blöd vor, weil es einfach nur unangenehm ist. Und dann noch immer die dummen Bemerkungen von den anderen. Das ist das schlimmste.

Aber seit einer Woche arbeite ich wieder bei Karls Erlebnis-Bauernhof und verteile die Fleyer mit Firmenauto. Von Hotel zu Hotel, Zimmervermittlung u.s.w. Eine Arbeit, wo ich selbstständig arbeiten und den Tag mir selbst gestalten kann. Auch die Routen kann ich mir alleine zusammen stellen. Erstmal nur für fünf Monate befristet über die Saison.
Aber ansonsten ist alles gut. Das Studium geht dem Ende entgegen. Noch 3 Hefte. Im letzten Test hatte ich wieder ne 1,0. Das baut dann wieder ein bisschen auf
Meine Tochter und ihr Freund sind heute wieder bei uns eingezogen. Sie hatten mit der Mutter extreme Probleme. So kommt erstmal wieder Leben ins Haus. Es wird nicht langweilig. Wenn das Abi durch ist gucken wir in Ruhe nach einer Wohnung.

Liebe Grüße Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin.

es tut mir wirklich leid, dass Sie den Job nach so kurzer Zeit wieder verloren haben.
Sie sollten aber - und vielleicht ist dies ein gutes Beispiel für die "Glaubenssätze", die Sie verinnerlicht haben - Ihre Reaktion ganz genau analysieren und betrachten.
Sie schreiben ja, dass Die Chefin schon ganz zu Beginn gesagt hat, dass sie kaum jemanden finden wird, der in den Betrieb "hineinpasst", was ja schon bezeichnend ist, im Grunde muß es also jemand sein, den es nur in der Ideal- oder Wunschvorstellung gibt, und das heisst wiederum, dass es nie so jemanden geben wird und dass sie im Grunde auch gar keinen finden will. Sie haben diese Situation selbst so geschildert und wissen demnach auch ganz im Inneren, dass Sie im Grunde keine Chance hatten, und dass im Grunde auch jemand anderes keine Chance hat, diesen "Test" zu bestehen.
Und doch fragen Sie, Kerstin, sich, warum Ihnen das passiert und fragen sich sicherlich auch, was Sie falsch gemacht haben.
Dort können Sie ansetzen und sich sagen, dass Sie nichts falsch gemacht haben, und dass auch nicht immer nur Sie an solche Menschen geraten, sondern ganz viele andere Menschen auch, das wissen Sie nur in diesem Moment nicht oder Sie bedenken es nicht. Der nächste, der sich dort bewirbt, wird die gleiche "Karriere" machen wie Sie, nämlich nach kurzer Zeit die Kündigung bzw. eine Absage bekommen. Sie müssen sich bewusst machen, dass nicht nur Sie solche Erfahrungen machen, sondern dass es sehr vielen anderen Bewerbern auch so geht, es ist nur immer die Frage, wie man damit umgeht und wie man diese Absage für sich selbst bewertet und interpretiert.
Jemand anderes mit mehr Selbstbewusstsein wird sofort bemerken, dass es an den unrealistischen Ansprüchen der Chefin liegt, dass er die Absage bekommen hat und wird das als weitere Erfahrung verbuchen, zumal ja auch die Personalleiterin machtlos war und nichts verändern konnte. Er wird nie auf die Idee kommen, dass es an ihm liegt und da sind wir bei den "Glaubenssätzen". Das sind Wertungen, die ein Mensch für sich persönlich verinnerlicht hat und die in solchen Situationen dazu führen, dass wir eine Erfahrung entweder positiv ( um es allgemein und vereinfacht zu sagen, es ist natürlich immer wesentlich differenzierter ) oder eher negativ bewerten.
Wenn jemand den Glaubenssatz verinnerlicht hat, dass er etwas wert ist, dass er sein Bestes gibt und dass er ein stabiles Selbstbewusstsein hat, dann wird er in dieser Situation, die Sie jetzt erlebt haben, so reagieren, dass er die Absage hinnimmt, sich vielleicht über die hohen Ansprüche der Chefin ärgert, aber nicht weiter darüber nachdenkt oder gar an sich selbst zweifelt.
Wenn jemand aber den Glaubenssatz verinnerlicht hat " ich bin nicht gut genug ", dann wird der auf die gleiche Erfahrung ganz anders reagieren. Er wird die Absage nämlich persönlich nehmen, sich fragen, was er hätte besser machen können und sich zurückziehen und in seinem Selbstwertgefühl gekränkt sein.
Sie sehen also, dass es nicht auf die Situation als solche ankommt, sondern immer darauf, wie wir eine Situation für uns selbst bewerten und was wir daraus machen. Die Situation bleibt immer die gleiche, nur hat sie ganz andere Konsequenzen, wenn wir verschiedene Glaubenssätze haben und die Lage in die eine oder die andere Richtung bewerten.

Sie können dieser Erfahrung also nun in dem Sinne etwas Positives abgewinnen, indem Sie diese zum Anlaß nehmen, Ihre eigenen Glaubenssätze zu überprüfen und möglicherweise zu ändern.
Sehen Sie sich als jemanden, der sich für wertvoll hält und der weiss, was er kann und auch dazu steht ? Oder sehen Sie sich als jemanden, der nie gut genug ist und deshalb immer an der eigenen Kompetenz zweifelt?
Man kann natürlich nicht von heute auf morgen diese innerer Einstellung zu sich selbst komplett ändern, aber man kann sich fragen, warum man sich für nicht gut genug hält und immer meint, es läge an einem selbst, wenn etwas nicht klappt und wenn man - wie jetzt - eine Absage erhält. Diese Situationen gehören zum Leben und können einen auch weiterbringen, denn jede Hürde, die man überwindet, macht einen im besten Fall stärker und man lernt immer etwas dazu.
Zum Beispiel kann man eine solche Chefin fragen, wie denn jemand sein sollte, der in den Betrieb hineinpasst, wie sie es ausgedrückt hat. Dann hätte die Chefin ja einmal gezielt ihre Ansprüche oder Vorstellungen formulieren müssen und wäre wahrscheinlich in große Bedrängnis gekommen bzw. hätte sich irgendwie herausgeredet und mit Allgemeinplätzen argumentiert.
Schauen Sie ganz in Ruhe, was vielleicht bei Ihnen noch fehlt, damit Sie auf solche Ereignisse nicht niedergeschlagen reagieren, sondern dies zum Anlaß nehmen, es als Erfahrung zu verbuchen und weiterzumachen. Vielleicht ist es ja auch möglich, dass Sie sich in Richtung Ihres Studiums bezüglich der Berufssuche orientieren, denn dort sind Sie ja erfolgreich und vielleicht wäre das etwas für Sie, um zufrieden zu werden und Ihre Kompetenzen besser zeigen zu können.
Und Sie sollten sich fragen, warum Ihnen so wichtig ist, was andere von Ihnen sagen oder über Sie sagen - und vielleicht sollten Sie auch genau nachforschen, ob diese Menschen wirklich etwas Negatives über Sie sagen oder ob das nur in Ihrer Vorstellung so ist. Aber selbst wenn es so wäre, dann sollten Sie dort hinkommen, zu sich zu stehen und sich zu sagen, das Sie nichts falsch gemacht haben, dass Sie in den Spiegel schauen können, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen und dass Sie sich vor niemandem rechtfertigen müssen.
Ich denke, Sie sind insgesamt auf einem sehr guten Weg und vielleicht scheuen Sie noch einmal etwas näher auf die Dinge, die ich angesprochen habe, damit Sie noch besser mit Schwierigkeiten umgehen können und damit Sie es sich selbst nicht so schwer machen, denn das haben Sie gar nicht nötig.
Ich freue mich, dass Ihre Tochter wieder mit ihrem Freund bei Ihnen wohnt, das wird bestimmt auch wieder eine neue Erfahrung und Sie werden sicherlich auch davon profitieren.
Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute - wenn Sie wieder ein telefonisches Gespräch benötigen, dann melden Sie sich einfach kurz wegen einer Terminansprache.

Viele Grüße und viel Kraft auf Ihrem weiteren Weg !

Ihre Susanne B.
Ratsuchende(r)
Liebe Susanne,

lieben Dank für ihre Mail. Nein, ich weiß schon was ich mir Wert bin. Und was andere über mich denken ist mir eigentlich nicht so wichtig. Und ich weiß auch das ich nichts falsch gemacht habe. Ganz im Gegenteil.

Und das ist ja das Problem man weiß ja was man kann und wie fleißig man ist.

Die Chefin vom Tourismuszentrum, wo ich mein Praktikum gemacht habe hat damals gesagt:" Kerstin man muss dich erst näher kennenlernen, um zuerkennen, wieviel Potenzial in dir steckt."

Aber einen Job habe ich dort trotzdem nicht bekommen.

Das Problem sind einfach die vielen schlechten Erfahrungen der letzten Jahre und das macht empfindlich.
Auch beruflich musste ich viele Niederlagen einstecken.
Hatte sehr viel mit Neidern zu tun. Was ja für mich eigentlich positiv ist.

Aber von meiner neuen Chefin habe ich diese Woche schon dreimal Lob bekommen. Das tut mal gut.

Nein, die ständigen Kündigungen haben ja auch was mit Existensängsten zu tun, wenn man für alles alleine verantwortlich ist.

Und ich möchte einfach innerlich mal wieder zur Ruhe kommen. Einfach wieder mal ein ganz normales Leben führen. Und nicht immer nur mit Problemen und Schwierigkeiten konfrontriert werden. Auch wenn sie letztendlich gut sind, um zu wachsen. Keine Frage. Aber es kostet mich jedesmal erstmal wieder enorme Kraft und Energie die ich im Moment nicht mehr so habe.
Ich wünsche mir einfach endlich mehr Beständigkeit in meinem Leben, um meine Kraftreserven wieder aufzuladen. Früher hat mir das auch nichts ausgemacht, aber nach soviel Leid und Schmerz sind die Akkus irgendwann einfach nur leer.

Und positive Erlebnisse sind da einfach förderlicher als immer nur wieder Nackenschläge.

Liebe Grüße

Kerstin
Susanne Bodin
Liebe Kerstin,
ich kann sehr gut verstehen, dass Sie sich mehr Beständigkeit und Ruhe wünschen, und das haben Sie auch verdient nach den ganzen Erfahrungen in den letzten Jahren.
Aber wie Sie selber sagen : Vermeintliche Rückschläge können einen auch weiterbringen, und genau da möchte ich noch einmal auf etwas hinweisen:
Sie sagen, dass positive Erfahrungen förderlicher sind als Nackenschläge. Genau da können Sie noch einmal ansetzen, und darauf komme ich immer wieder in unseren Dialogen zurück: Sie sehen diese Erfahrungen als Nackenschläge, man kann diese Erfahrungen aber so oder so bewerten, und da sind wir wieder bei den Glaubenssätzen, die Sie verinnerlicht haben ( man nennt diese tiefen Verankerungen Glaubenssätze ). Es ist eine Frage der Bewertung, ob man eine Kündigung ( als Beispiel ! ) als Nackenschlag interpretiert oder einfach nur als Erfahrung, die einen weiterbringen kann, vor allem, wenn man genau weiss, dass es nicht an einem selbst gelegen hat, dass die Kündigung ausgesprochen wurde. Bei Ihrer letzten Kündigung wußten Sie ganz genau, dass es niemand der Chefin hätte recht machen können und dass es auch niemand dieser Chefin jemals recht machen wird, denn anscheinend hat diese Frau ein Problem mit sich oder ihrem Leben, das sie dann auf die jeweilige Angestellte oder Bewerberin projiziert. Sie konnten also nichts machen, um den Job zu behalten, und mit dieser Erkenntnis können Sie ganz entspannt sagen, dass Sie nichts falsch gemacht haben. Sie können die Kündigung also als Nackenschlag sehen ( dann entstehen natürlich negative Gefühle wie Enttäuschung und Hilflosigkeit ), oder Sie sehen die Kündigung vor dem eben benannten Hintergrund und sagen sich, dass es einfach so war und nehmen diese Erfahrung so hin. Aus einem negativen Glaubenssatz entsteht ein negatives Gefühl ( wenn ich mich wertlos fühle, dann interpretiere ich die Kündigung als Scheitern und fühle mich schlecht ), aus einem positiven Glaubenssatz entsteht ein neutrales oder positives Gefühl ( wenn ich mich so einschätze, dass ich mir bewußt bin, dass ich etwas kann, dann bewerte ich die Kündigung als Erfahrung, für die ich nichts kann, und es entstehen Gefühle wie Gelassenheit oder Annahme der Gegebenheit ). Sie können natürlich sagen : warum gerate immer ich an solche Menschen, genauso können Sie aber auch fragen, warum gerade Sie nicht an solche Menschen geraten sollten. Man denkt immer, nur man selbst mache solche Erfahrungen, bedenkt dabei aber nicht, wie viele andere Menschen genau solche Enttäuschungen hinnehmen müssen, nur dass man davon eben nichts weiss.
Ich denke, Sie sollten noch einmal dort ansetzen und wirklich überlegen, wie Sie Ihre tief verwurzelten Glaubenssätze und negativen Bewertungen verändern können, damit Sie eine Erfahrung, die negativ ist, nicht sofort als Nackenschlag wahrnehmen, sondern sich ganz genau ansehen, wie es dazu kam und ob Sie daran etwas hätten ändern können.
Sie haben doch eine Therapeutin, vielleicht sprechen Sie sie darauf an und versuchen, das Thema näher zu beleuchten, denn solche tief verankerten Haltungen kann man nicht von heute auf morgen verändern, es ist aber durchaus möglich, auf lange Sicht Veränderungen herbeizuführen. Die rationale Erkenntnis muß ja auch erst einmal ins Gefühlsleben übernommen und integriert werden, denn es nutz nichts, wenn Sie diese Bewertungen vom Verstand her verändern - es muß ja auch innerlich bei Ihnen ankommen und übernommen werden, so dass Sie dann irgendwann ganz selbstverständlich eine Erfahrung nicht sofort negativ bewerten, sondern so selbstbewusst sind, dass Sie sich Raum lassen für eine neutrale Haltung.
Wenn man nämlich immer an sich zweifelt und diese negativen Erfahrungen ( also Erlebnisse, die man für negativ hält ! ) mit negativen Gefühlen belegt, dann raubt das natürlich immens viele Kräfte und man ist irgendwann wirklich so weit, dass man nicht mehr die Kraft hat für Veränderungen und für neue Wagnisse.
Sie könnten dort ansetzen und durch diese Arbeit an sich selbst wieder mehr Lebensqualität gewinnen, indem Sie dann nicht mehr sofort solche Erlebnisse als Nackenschläge oder Rückschläge interpretieren, sondern gelassener solchen Erfahrungen begegnen und Ihre Kräfte schonen. Es wird dadurch vieles leichter werden, in allen Bereichen, und auch wenn es Zeit für solche Veränderungen braucht, lohnt es sich immer, zumal Sie ja auch in Behandlung sind, wie ich es verstanden habe, und jemanden haben, zu dem ein Vertrauensverhältnis besteht, denn das ist Voraussetzung für eine erfolgversprechende Therapie.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen diese Veränderung gelingt und ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute - sowohl privat als auch beruflich.

Liebe Grüße

Ihre Susanne B.

Ihr(e) Berater(in)

Susanne Bodin

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