Das Sorgentelefon

kompetente Lebensberatung und psychologische Beratung

1,79 € / Min. (mobil höher)
3 Berater telefonisch verfügbar!
kostenfrei
derzeit nicht möglich
Das Sorgentelefon ist ein Dienst für psychologische Beratung mit ausgebildeten und qualifizierten Beratern. Eine neutrale Stimme zeigt oft neue Lösungen. Lass dir Mut machen, dich stärken und dir neue Wege aufzeigen. Du hast es dir verdient, dass dir jemand zuhört. Genau in diesem Augenblick stehen 3 einfühlsame Berater bereit.

Bin ich zu nett? Ich will einfach akzeptiert werden

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 18.11.2014

Ursprungsanfrage
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich komme mit einem Problem zu Ihnen, dass mich schon mein ganzes Leben lang verfolgt. Man sagt mir nach, dass ich ein sehr netter, freundlicher und hilfsbereiter Mensch sei. Wenn ich Leute kennen lerne, komme ich schnell in guten Kontakt mit ihnen und die Stimmung ist gut. Nach einer gewissen Zeit merke ich, dass ich nicht mehr respektiert werde. Die Leute werden unverschämt mir gegenüber und nehmen sich Dinge heraus, als wäre es selbstverständlich, nun nicht mehr fragen zu müssen. Geliehenes habe ich trotz mehrmaligem Nachfragen nie wieder bekommen. Gekauftes wird kaputt angeliefert und trotz der Drohung, wegen des nach Monaten immer noch nicht erfolgten Umtausches nun einen Anwalt einzuschalten, passiert nichts. Bei dem Erwerb unseres Grundstückes wurden wir um 70 000,-- Euro betrogen. Vor Gericht sagte dann der Verkäufer, dass er meinen Wunsch, dort Pferde zu halten, gar nicht ernst genommen hätte. Ich könne ja noch nicht mal einen Hund anleinen... Und das, obwohl ich ganz alleine einen Hof unterhalte mit insgesamt 50 Tieren - darunter 3 Pferde.

Was ist das? Ok, ich bin klein und jetzt auch dick, weil ich den Frust, den ich empfinde, in mich reinstopfe. Aber es muss doch eine Lösung geben, dass man ein netter Mensch ist und trotzdem akzeptiert wird.

Vielen Dank für Ihre Hilfe. Ich bin froh, dass ich das mal jemandem erzählen konnte.

Freundliche Grüße
Ulrike
Bärbel
Hallo Ulrike

vielleicht möchtest du ja gern zu Menschen freundlich sein, nur um gut und freundlich zu wirken. Hast du denn gar keine wirklichen Freunde oder wenigstens gute Bekannte?
Wie sieht es in der Verwandtschaft aus?
Ich glaube, man wird nur ausgenutzt, wenn man vorher keine Schranken zieht, sondern um mit Menschen zusammen zu sien, immer nur ja sagt.
Außerdem werden kleine Frauen oft unterschätzt.
Kannst du dir im Spiegel in die Augen sehen und dir sagen,

ich bin toll
ich werde geliebt
ich werde respektiert
ich respektiere mich selbst
ich liebe mich so wie ich bin
ich finde mich toll

vielleicht hilft dir das ein wenig

Bärbel
Ratsuchende(r)
Hallo Bärbel,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort.

Mein Mann ist seit 35 Jahren mein bester Freund, aber er tut sich etwas
schwer mit dem Landleben. Aus beruflichen Gründen waren wir für 3 Jahre
getrennt, weil er noch ohne mich in Japan gearbeitet hat. Seit kurzem
führen wir eine Wochenendbeziehung, weil er wieder in Deutschland arbeitet.
Er findet mich toll und ist sehr stolz auf mich und meine Leistung hier.
Mein Sohn lebt in Berlin und wir sehen uns 2 x im Jahr. Ich würde unsere
Beziehung ebenfalls als gut einschätzen.

Ansonsten habe ich keine Angehörigen mehr. Freunde? Na ja, ich habe
Bekannte, mit denen ich Kontakt habe aber niemanden, dem ich alles erzählen
würde. Da habe ich ganz schlechte Erfahrungen mit gemacht. Die Leute reden
und hinterher weiß es das ganze Dorf. Lieber ziehe ich mich zurück und denke
selber über Lösungen für Probleme nach. Ich komme mit meinen Tieren prima
klar und der schönste Tag für mich ist der, an dem niemand kommt und
irgendwas von mir will. Letztendlich weiß ich, dass für mich, wenn ich
dringend Hilfe brauche, keiner Zeit hat und deshalb ist das mit Beziehungen
zu anderen für mich immer eine einseitige Sache gewesen. Und dazu habe ich
keine Lust mehr. 

Leider sind wir aber noch nicht fertig mit der Renovierung und für viele
Dinge brauche ich Handwerker. Das erste, was neue Handwerker mich fragen,
wenn sie das erste Mal kommen ist: Ist Ihr Mann da? - Ne, Sie müssen mit mir
Vorlieb nehmen. Die gekräuselte Stirn auf diese Antwort ist schon vorher zu
sagen.

Es sind 2 nette Handwerker dabei, denen ich vertraue, aber da ich schon 2 x
bestohlen wurde, bin ich ansonsten vorsichtig geworden.

Das Thema ist halt, dass die Leute generell nicht glauben, dass ich meine
Arbeit hier auf dem Hof - den wir vor 3 Jahren gekauft haben - alleine
schaffe und mich, wenn sie mich besuchen kommen, mit guten Ratschlägen
überhäufen - als wenn ich nicht wüsste, was noch alles zu erarbeiten ist.
Ich bin dazu übergegangen, dass, wenn jemand meint, dass ich etwas besser
machen sollte, ich begeistert antworte und vorschlage, dass nun, da er da
ist, er ja diese Arbeit übernehmen könnte. Das hilft. Meistens bleiben diese
Leute dann keine 5 Minuten mehr. Gut so, dann kann ich endlich weiter
arbeiten.

Es ist auch nicht so, dass ich mich nicht durchsetzen kann. Ich bin nur des
Kampfes müde, den ich dabei immer an den Tag legen muss, bis die Leute
kapieren, dass sie so nicht mit mir umgehen können. Das interessante daran
ist, dass ich mit meinem Mann Jahre lang im Ausland gelebt habe - in Süd
Afrika, Australien und Japan - . Niemand hat mich als inkompetent
abgestempelt, weil alle schon respektiert haben, dass ich 10 x mit meinem
Mann international umgezogen bin. Und das geht nicht, wenn man ein kleines
dickes Dummchen ist.

Die Zeit hier auf dem Land ist aber stehen geblieben. Eine Frau hat zu
waschen und zu kochen und die Kinder zu betreuen, aber doch keinen Hof zu
führen. Das kann sie gar nicht! - und so werde ich dann behandelt. Auch wenn
wir besprochen haben, wie ich eine Arbeit ausgeführt haben möchte, sieht es
hinterher zu 90 % anders aus, weil man sich dachte, dass es so besser wäre -
ohne mich zu fragen. Das nervt, weil ich das dann auch noch bezahlen muss.
Am Anfang habe ich mich noch gewehrt, aber diese Zustände waren so oft, dass
ich dazu keine Kraft mehr habe.

Mein Mann hat ein sehr sonniges Gemüt. Er ist 1,90 m groß und kennt diese
Probleme nicht. Obwohl er keine Ahnung von Landwirtschaft hat und das bei
Bedarf auch zugibt und an mich weiter verweist, ist er derjenige, der ernst
genommen wird. Ich finde das toll, weil es ihm einige Kämpfe erspart, aber
es hilft nicht, wenn er nicht da ist. Außerdem kann ich nicht größer werden.
Ich muss eine Einstellung finden zu diesem Thema, den Hof aufzubauen - ohne
die Anstrengung des Kampfes gegen andere Leute, um meine Vorstellungen
umzusetzen.

Ich brauche einen Tipp für einen Gedanken, den ich denken kann oder eine
Einstellung, die ich annehme, wenn ich merke, dass der Respekt vor mir
fehlt. Ich kann ja nicht immer ein Höckerchen bei mir haben, auf das ich
mich stelle, damit ich größer bin.

Danke sehr
Ulrike

Bärbel
Hallo Ulrike,
aber du kannst dich innerlich auf einen Hocker stellen und dich innerlich groß machen.
In meinem Leben habe ich so ähnliches auch erlebt. Besonders weil ich klein, etwas dick und dazu behindert bin, jetzt sogar im Rollstuhl.
Aber was mri am Anfang meiner Arbeit passierte, ich sagte einem Schüler, er solle, etwas tun. Seine Antwort war , nein.
Und dann meinte er, ob er mich wie die anderen Lehrer an dieser Schule behandeln solle.
Meine Antwort war, ich erwarte, dass er meinen Anweisungen Folge leiste.
Das tat er dann auch. Hinterher erfuhr ich, dass seinetwegen schon mal die Polizei in der Schule war und er Lehrer geschlagen hatte.
Und dieser Schüler war mehr als einen Kopf größer als ich.

Aber was mir damals geholfen hatte. Ich habe ganz klar erwartet, dass er genau das tun würde, was ich wollte.
Vielleicht erwartest du ja durch deine Erfahrungen dort, dass die Leute dich nicht respektieren und nicht das tun, was du willst.
Außerdem gibt es andere Handwerker, vielleicht wohnen diese ein wenig weiter weg, aber die sind froh über Aufträge durch dich.
Vielleicht auch die Bemerkung zu einem Handwerker oder Arbeiter, du würdest dir sonst einen anderen holen.
Auch mußt du nichts bezahlen, was nicht ordentlich ist.
Das ist wahrscheinlich beim ersten Mal furchtbar und anstrengend, aber dann hast du gewonnen. Denn dann weiß jeder in der Umgebung, dass mit dir nicht gut Kirschen essen ist.
Wahrscheinlich hat sich ja schon ein wenig rumgesprochen, dass du zwar Anweisungen gibst, aber es nichts machst, wenn etwas anderes gemacht wird.
Und die beiden guten Handwerker würde ich nur noch nehmen.
Auch würde ich mal sehen, ob es nicht neue Betriebe gibt, oder gar Betriebe mit Ausländern.
Halt durch, denn du bist es wert und du bist ein toller Mensch und egal wie du aussiehst, ohne dich wäre unsere Erde ärmer.

Ich hoffe, es hat dir ein wenig geholfen, und deine nächsten Tage werden sonniger und wärmer


ganz liebe Grüße vom Herzen

Bärbel
Ratsuchende(r)
Liebe Bärbel,

ich danke Dir ganz herzlich für Deinen langen Brief. Ich hätte jetzt fast geweint, weil sich schon lange niemand mehr die Zeit genommen hat, etwas nur für mich zu "tun" und mir Hilfestellung gibt.

Ich habe gelernt, dass es grob 3 Typen von Menschen gibt: den Sachtyp, den Handlungstyp und den Beziehungstyp. Ich selber bin ein Handlungstyp. Deshalb ist es für mich leicht, Deinen Vorgaben zu folgen. Du sagst: Handle so und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Du Erfolg haben wirst!

Das hat mir geholfen. Danke Dir!

Letztendlich ist es das, was ich auch schon so gemacht habe - aber immer mit schlechtem Gewissen, denn etwas für mich zu wollen, ängstigt mich. Ich kann das nicht mit Bestimmtheit sagen, aber meine Eltern sagten oft zu mir, wenn mir etwas nicht gefallen hat und es ändern wollte: Meckere nicht rum! Das hat mich immer verletzt.

Trotzdem versuchte ich in vielen Situationen jetzt mit dem Hof streng mit den Handwerkern zu sein. Ich spreche dann bewusst ruhig, langsam und
souverän. Das wirkt, strengt mich aber sehr an, weil ich das Gefühl habe, Macht über jemand anderes auszuüben. Vielmehr möchte ich eine
lösungsorientierte Partnerschaft mit anderen Menschen. Leider klappt es
nicht mit vielen Menschen, einfach nur freundlich anfragend einen Wunsch umgesetzt zu bekommen, weil sie versuchen, zuerst die Rangordnung herzustellen - obwohl ich die Kundin, also die Königin sein sollte. Das gibt mir immer ein schlechtes Gefühl, weil dann ich mich unterdrückt fühle. Ich denke jetzt aber, dass es in diesen Situationen nicht anders geht und ich Stärke zeigen muss, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Interessanter Weise hatte ich im Nachhinein oft recht mit der Beurteilung von Situationen, mich aber nicht getraut, mich durch zu setzen.

Mein Mann ist ein Sachtyp und in der Lage "mich tot zu diskutieren". Ich mag das nicht, weil ich immer versuche, situationsbedingt die beste Lösung zu finden, um sie dann in die Tat umzusetzen und damit das Problem zu lösen -
und mir keine Gedanken darüber machen will, wie es nicht geht. Meinem Mann genügt es, die Situation zu analysieren - und dann nichts zu tun. In Zukunft werde ich mir die Argumente anhören und dann freundlich sagen: "Vielen Dank für die Ideen. Ich habe mich entschieden. So und dieser Vorgehensweise wird es gemacht. Lasse uns jetzt anfangen und es fertig machen!" Ich bin mir sicher, dass er und auch die Handwerker diese Vorgehensweise besser
akzeptieren werden.

Liebe Bärbel, ich möchte nun etwas für Dich tun und Dir eine Freude machen.
Ich betreibe einen Hof mit vielen verschiedenen Tieren - sie gehören zum überwiegenden Teil zu Rassen, die fast ausgestorben sind, weil sie keine perfekten "Nutztiere" sind. Sie werden nicht gegessen, sondern von mir
gezüchtet und zum Teil groß gezogen, um sie an andere Liebhaber zu
verkaufen. Ich habe aber auch schon Tiere groß gezogen, die mir "zugelaufen" und hinterher von mir in die Freiheit entlassen wurden: 2 Wildkaninchen, 1 Feldhase, 4 Wildentenküken, deren Mutter und Geschwister bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren und die niemand haben wollte und nun ziehe ich eine Kanadische Wildgans groß. Die Eltern sind nach dem Legen der Eier nicht wieder gekommen, um zu brüten. Da ich eine Brutmaschine habe, wollte ich versuchen, ob Leben in einem der Eier ist. Und in der Tat: Ein Ei
war befruchtet. Schaue mal auf die Bilder. Das bin ich mit Emma - auf dem Bild ist sie 3 Wochen alt. Mehrmals am Tag entfernt sie sich aus der
20köpfigen Hausgänseschar, kommt an den Zaun und will auf den Arm. Dort
fühlt sie sich sicher, um sich auszuruhen und dann wieder fit mit den
anderen ins Gänseleben zu starten.

Viele Grüße
Ulrike



Ratsuchende(r)
Oh wie schön von Dir zu hören, Bärbel.

Das was Du da geschrieben hast, hilft mir. Im Ausland war das "Anweisungen
geben" leicht. Durch die Stellung meines Mannes wurde ich nicht in Frage
gestellt. Das ist hier auf dem Hof natürlich anders. Im Vergleich mit der
Nachbarschaft sind wir hier winzig kleine Lichter. Anders als wir haben die
Landwirte um uns herum große Höfe geerbt, sind hier groß geworden und haben
sich von klein an Netzwerke aufgebaut. Wir sind hier nur die "Neuen Fremden"
- mit Argwohn beäugt. Ich denke, trotzdem ich nun schon 3 1/2 Jahre hier im
Münsterland lebe, habe ich mich immer noch nicht an die Mentalität der
Menschen gewöhnt. Ich denke zwar, dass ich Handwerkern genaue Anweisungen
gebe, wie ich etwas gemacht haben möchte, aber es kann schon sein, dass ich
inzwischen davon ausgehe, dass das eh nicht umgesetzt wird. Die
unterbewussten Signale, die ich dadurch aussende, sind sicherlich nicht zu
unterschätzen.

Es gab eine für mich vielleicht interessante Begebenheit: Unser neuer
Schmied war letzte Woche da und hat was gesagt, das mich zum Nachdenken
gebracht hat und auf das ich ihn das nächste Mal, wenn er kommt, anspreche.
Wir besitzen einen 2-jährigen Lipizzanerhengst, der noch ein bisschen
zappelt, wenn an den Hufen gearbeitet wird. Er will halt lieber auf der
Weide toben, als im Stall still zu stehen. Nach der Behandlung sagte der
Schmied: Hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut, Frau Bähr, dass Sie den Hengst
so im Griff haben... Mh - da war es wieder, das Gefühl, etwas auszustrahlen,
dass Menschen davon überzeugt, dass ich etwas nicht kann. Ich werde ihn auf
jeden Fall dazu befragen, was genau das war, dass er dachte, ich könne nicht
mit einem Hengst umgehen. Der Schmied ist sehr offen und ich denke, er wird
mir eine Antwort geben.

Auf der anderen Seite haben wir einen Tierarzt, der gestern mit seiner neuen
Assistentin nach einem unserer Mutterschafe schauen musste. Die Untersuchung
hat ergeben, dass in den nächste 4 Tagen täglich eine Spritze in die
Muskulatur gegeben werden muss. Der Tierarzt übergab mir die Spritzen und
wollte sich verabschieden. Die Assistentin war etwas verwirrt. Sie dachte
wohl zunächst, dass sie die nächsten Tage kommen müsste, um das Schaf zu
versorgen. Sie fragte den Tierarzt, was nun Sache sei. Der Tierarzt sagte
nur: "Ich habe Frau Bähr das Spritzen schon mal erklärt. Sie kann das!" Er
hat immer ein anerkennendes Wort für mich. Was strahle ich ihm gegenüber
aus, dass ich anderen gegenüber nicht ausstrahle?

Ich denke, der Unterschied zwischen meinem Verhältnis zu Menschen und dem zu
Tieren ist insofern unterschiedlich, als Tiere mir gegenüber immer klare
Verhaltensweisen zeigen: Ich bin hungrig, ich bin durstig, ich möchte von
dir beschmust werden, ich bin müde, das will ich nicht und nie habe ich das
Gefühl, dass sie mir nicht vertrauen. Außerdem lügen sie nicht. Menschen
sagen oft das eine und zeigen in ihrer Körpersprache was anderes. Das
empfinde ich als unangenehm.

Mein Mann hat im Moment Urlaub - wir probieren die Arbeiten ohne Handwerker
zu erledigen, deshalb braucht niemand anderes zu kommen. Toll!

Apropos kommen: Schau mal, wer bei uns neues in der Familie angekommen ist. Unsere Colliehündin hat 7 Welpen bekommen - alle sind gesund und
munter.

Danke sehr fürs Zuhören.

Viele Grüße und einen schönen Tag wünscht
Ulrike

Bärbel
Hallo Ulrike

das sind ja süße Hunde und wahrscheinlich habt ihr eine ganz stolze Hundemama. Tierbabies sind einfach wonnig.
Ich hoffe, der Urlaub ohne Störung hat euch beiden gut getan und eure Arbeiten sind gut weitergekommen.
Aber deine Geschichten zeigen ja schon, wie dich die Menschen wahrnehmen.
Der Schmied, der erkannte, wie kompetent du bist
Der Tierarzt, der ganz schnell schon früher erkannt hatte, wie gut, du alles erledigen kannst.
Und deine Wortwahl im Brief "winzig kleine Lichter"
schau so lange, du dich als winzig kleines Licht ansiehst , im Gegensatz zu deinen Nachbarn, strahlst du nur ein winzig kleines Licht aus.
Dabei bist du doch ein genauso großes Licht , wie alle anderen Menschen.
Vielleicht könntest du ja sogar ein wenig heller strahlen, wenn du denn wolltest.
Aber auch noch mal zu den Handwerkern, vielleicht sind es die Handwerker bei euch in der Gegend nicht gewohnt, dass eine Frau Anweisungen gibt und etwas von den landwirtschaftlichen Dingen versteht.
Dort haben bestimmt die Männer das Sagen und sie führen die Höfe.
Also müssen alle sehr umdenken und sich neu orientieren.

Dir erst einmal weiter eine schöne Zeit mit allen deinen Lieben

Bärbel
Ratsuchende(r)
Hallo Bärbel,

vielen Dank für Deine aufbauenden Worte. Du hast absolut Recht, dass es hier
ungewöhnlich ist, dass eine Frau einen Hof leitet. Und dann auch noch
alleine - das geht doch gar nicht. Mein Mann arbeitet in der Woche in
Leverkusen und er besucht mich nur am Wochenende.

Nein, unser Urlaub war überhaupt nicht schön. Wir hatten uns vorgenommen,
ein paar Dinge zu erledigen, aber bis auf 2 ist nichts fertig geworden. Mein
Mann ist ein "Interlektueller", der von mir schon durchdachte
Verbesserungswünsche auf dem Hof immer erst hinterfragt und - im Gegensatz
zum mir - als "sehr schwierig" einstuft. Anstatt einfach anzufangen und zu
arbeiten, wird immer erst mal "diskutiert". Dabei vergeht so viel Zeit, die
hinterher fehlt. Bei jeder einzelnen Umsetzung eines Problems in eine
Lösung, sucht mein Mann erst einmal danach, warum das jetzt so nicht geht.
Das nimmt mir eine Menge Energie. Er gehört mehr zu den Dichtern und Denkern
und ich zu den Machern - die aber seine Hilfe bei der praktischen Umsetzung
eines Problems braucht. Wenn ich das jetzt noch mal lese, komme ich selber
zu dem Schluss: Das wird für mich nicht funktionieren... Ich kann eigentlich
nur zufrieden sein mit dem Ist-Zustand. Alles "Neue" bedarf einer ungeheuren
Anstrengung und wird 3 Mal so lange dauern, wie ich dachte.

Am letzten Wochenende habe ich gemerkt, dass auch etwas anderes mich
belastet. Es geht nicht nur um Handwerker. Ich bin zum Unverständnis vieler
Leute sehr gerne allein. Mein Mann, ein sehr geselliger Mensch, hatte an 2
Wochenenden hinter einander Japaner mit aus dem Büro gebracht, die er dann
auch noch eingeladen hatte, hier zu wohnen. Ich hatte ein absolutes
Überforderungsgefühl, Gäste zu bewirten. Die Situation endete darin, dass
ich eine Magen-Darm-Grippe bekam und völlig aus dem Verkehr gezogen war. Das
war einfach nicht zu schaffen: Tiere versorgen, Betten machen, für so viele
Leute einkaufen, Kochen, Frühstück bereit haben, wenn alle aufstehen und
dabei ständig Fragen beantworten...

Mein Mann wusste gar nicht, warum mich das alles belastete. Alle wollten
doch mithelfen. Dabei vergisst er immer, dass mich dann alle - auch er -
anschauen und Anweisungen brauchen und ich alles haarklein erklären muss,
was denn zu tun ist. Auch wenn ich das gemacht hatte, klappte die Arbeit
natürlich nicht, denn ich müsste ständig dabei sein, um dann wieder
aufkommende Fragen zu beantworten. Das Ergebnis ist eigentlich immer, dass
die Leute zwar Spaß hatten, aber die Arbeit nicht erledigt ist. Das strengt
mich ungeheuer an. Da habe ich es viel schneller selber erledigt - wenn man
mich in Ruhe lässt. Das sind alles Leute, die normalerweise Theoretisches im
Büro erarbeiten und wenn ich ihnen sage, dass der Pferdestall ausgemistet
werden muss, nicht mal wissen, was eine Mistgabel ist. Damit möchte ich
niemanden abwerten, denn das sind alles nette Leute, aber ich kann sie
einfach nicht auf dem Hof gebrauchen.

Ich merke ganz deutlich, dass ich es nicht mag, "besucht" zu werden. Die
Leute kommen, finden es bei mir wunderschön, bewundern meine Tiere und
laufen ständig hinter mir her - nicht hinter meinem Mann -, weil sie mit mir
zusammen sein wollen. Jeder andere würde das toll finden, ich empfinde es
nur als sehr belastende Zeitverschwendung. Es gibt mir nichts - außer
Mehrarbeit. Wenn alle wieder weg sind, herrscht Chaos und ich brauche Tage,
bis ich wieder alles aufgearbeitet habe.

Ich habe meinen Mann jetzt gebeten, das zu lassen. Die schönsten Tage für
mich sind die, an denen ich morgens aufstehe und ich weiß, dass ich meine
Arbeit ungestört erledigen kann und zur Belohnung die Zuneigung meiner Tiere
bekomme. Das ist, ich weiß das, für die meisten Leute nicht zu verstehen,
dass ich mich einsam mit Leuten fühle, aber nie mit meinen Tieren...

Angefangen hatte es damals damit, dass meine Eltern die Dinge, die ich tat,
immer für nicht gut genug hielten. Es war ständig Kritik angesagt und dass
ich jemals ein Lob bekam, daran kann ich mich nicht erinnern. Ein paar
Beispiele zeigen, was ich meine:

Bei einer Einladung meiner Eltern in unser Haus hatte ich 2 Wochen vorher
angefangen, Hausputz zu halten, damit ich nur ja nicht in eine
Kritiksituation kommen konnte. Ich war gerade dabei, die letzten Dinge in
die Spülmaschine zu stellen, um die Küche blitzblank zu hinterlassen und
wusch mir noch schnell die Hände. Dann öffnete ich die Tür. Meine Mutter kam
herein und stellte einen mitgebrachten Kuchen auf die Theke mit den Worten:
"Du könntest aber auch mal die Spüle trocken wischen. Die Wasserspritzer
geben Flecken"...

Meine schwerstbehinderte Oma wohnte mit 90 Jahren bei uns und ich pflegte
sie. Zu ihrem 91. Geburtstag sollten Gäste kommen. Ich organisierte alles
alleine. Am Morgen des Geburtstages badete ich meine Oma und putzte sie
heraus. Wir hatten Spaß zusammen, die Haare zu waschen und besonders schön
zu föhnen. Ich schminkte sie. Sie bekam Schmuck von mir und wir zogen das
schönste Kleid an. Als meine Mutter ins Wohnzimmer kam, gratulierte sie
meiner Oma nicht, sondern sagte: "Wie siehst Du denn aus? Du siehst aus wie
ein behängter Weihnachtsbaum...". 

Du wirst jetzt sicherlich fragen, wie ich darauf reagiert habe. Nun, ich
habe versucht, wie meine Oma, diese Bemerkung zu ignorieren. Aber es ist mir
bis heute nicht gelungen. Ich bin immer noch wütend.

Meine Schwester und ich spielten als Jugendliche Volleyball. Wir waren beide
eingeladen, uns für die Jugendnationalmannschaft zu qualifizieren. Meine
Schwester schaffte es, ich nicht. Aber der Trainer bot mir an, trotzdem zum
monatlichen Training zu kommen - wahrscheinlich weil er wahrnahm, wie viel
Spaß es mir machte. Die Fahrt dorthin war weit und ich war angewiesen
darauf, dass mein Vater mich dort hin fuhr. Er nahm mich aber nur mit, wenn
meine Schwester auch dort hin gebracht werden musste. Mich alleine wollte er
nicht fahren, weil ich ja eh schon "raus" war...

Es gibt noch unzählige Beispiele, was sich so abspielte. Es würde zu weit
führen, sie alle zu erzählen. Mein Vater ist tot und mit meiner Mutter habe
ich schon lange keinen Kontakt mehr. Ich sollte diese Geschichten also
abhaken.

Trotzdem verbinde ich das Zusammensein mit anderen Menschen immer als
unangenehm. Ich muss dann funktionieren, muss alles perfekt machen, sonst
habe ich mit Kritik zu rechnen, muss mich anstrengen, ohne etwas wieder zu
bekommen... Jedenfalls sind das meine Gedanken. Und wenn ich so darüber
nachdenke, glaube ich, dass das mit den Handwerkern so schwierig ist, weil
ihre Arbeit immer irgendwie schlechter gemacht ist, als ich denke, dass es
geht - und niemals der Kritik meiner Eltern standhalten würde. Aber sie
verlangen trotzdem das volle Gehalt. Das ist ein belastender Gedanke für
mich, weil ich für das Ergebnis verantwortlich bin. Letztendlich ist mein
Gefühl dahin gehend, dass ich meine volle Leistung mit der Bezahlung
erbracht habe, aber die Handwerker nur 90 % Leistung gegeben haben. Das
macht mir ein schlechtes Gefühl. Für die 10 % würde ich von meinen Eltern
sicherlich "bestraft". Andererseits will ich nicht überkritisch mit den
Handwerkern umgehen und nicht bezahlen, weil ich dann ja wie meine Eltern
wäre. Die Handwerker haben in ihren Augen ja ganze Arbeit geleistet...

Ich würde das Zusammensein mit Menschen gerne schön finden, weil das
"normal" wäre und außerdem nicht zu vermeiden ist. Übrigens geht mir das
schon mein ganzes Leben so und ich musste mich im Zusammensein mit anderen
Menschen immer "verbiegen". Deshalb bin ich wahrscheinlich auch so dick. Das
Polster brauche ich zur Abwehr. 

Ich brauche eine neue Einstellung, eine Inspiration, warum andere Menschen
eine gute Sache für mich wären und eine Bereicherung für mich sein könnten.
Ich möchte gerne entspannt sein im Umgang mit Menschen. Darin bräuchte ich
Deine Hilfe...

Viele Grüße

Ulrike
Bärbel
Hallo Ulrike,

ein langer Brief von dir und viele Gedanken und Zweifel und auch viel Bitterkeit.
Warum willst du "normal" sein? Vielleicht bist du nicht "normal"?
Warum willst du etwas tun, was dir Mühe macht?
Warum erkennt dein Mann nicht an, dass du der "Fachmann" auf dem Land ist?
Viele Fragen, ich weiß und vielleicht viele Antworten?
Sieh es aber doch einmal anders
Du musst nicht funktionieren, vielleicht können ja andere Menschen dein "Anderssein" sehen und bewundern dich.
Du schreibst, alle liefen hinter dir her, und du bist weggelaufen mit der Magen-Darm-Grippe.
Warum kannst du nicht kurze Zeit ein Lehrer für andere sein , ihnen etwas zeigen und erklären und dann sie versuchen lassen.
Schau auch Kindern erklärt man etwas und dann dürfen sie die Arbeit allein versuchen und wenn es nicht so gut ist, dann kommt ein Lehrer wieder und zeigt, was noch zu tun ist. So wärest du doch ein guter Lehrer für die Büromenschen. Und diese können dir vielleicht zeigen, wie Menschen mit anderen umgehen, Kritik einstecken und etwas anders machen, ohne dass sie Schutzpolster brauchen.
Deine Jugend kann niemand ändern, auch ich nicht. Aber wenn du dir sagen kannst, deine Eltern haben versucht, alles richtig zu machen, sie haben sich Mühe gegeben, aber kein Mensch kann alles richtig machen. Jeder Mensch hat Fehler und macht Fehler.
Vielleicht kannst du deinen Eltern verzeihen?
Vielleicht fällt dir ein Ritual dafür ein?
Manchmal hilft es, einen Brief mit der ganzen Wut und der dahinterliegenden Angst, nicht geliebt zu werden, zu schreiben und zu verbrennen.
Vielleicht schleppst du ja dies alles mit dir.? Und du bist nur deshalb etwas fülliger? Oder du bist eben so,?
Auf den Fotos sieht man eine so fröhliche, gesunde und liebevolle Frau, lass doch deine Liebe raus und halte sie nicht mühsam fest.

Ich schicke dir ganz viel Sonne, Liebe und Kraft

Bärbel

Ihr(e) Berater(in)

Bärbel

Tel. 09001 - 445 401 611 (1,79 € / Min. (mobil höher)); Der kostenfreien Ansage folgen, bei Aufforderung die Berater-Nummer 122 eingeben.

Möchtest du auch eine kostenlose, schriftliche Beratung? Psychologische Beratung kostenlos nutzen
Oder möchtest du lieber anrufen?
Tel.: 09001 - 445 400 611
ODER wähle einen Berater von dieser Liste
1,79 € / Min. (mobil höher)
Oder ohne 0900 ab 1,20€/Min. auf Festnetz anrufen
(empfohlen wenn du vom Handy anrufst):