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Beim Praktikum in der Psychiatrie habe ich mich in einen Patienten verliebt

aus unserer kostenlosen, öffentlichen Beratung
veröffentlicht am 20.01.16

Ursprungsanfrage
Hey, ich habe ein Problem. Ich habe vom 08. bis zum 19. Juni Praktikum in der Psychiatrie auf der Suchtaufnahmestation gemacht. Es hat mir echt Spass gemacht und ein Patient ist mir sehr ans Herz gewachsen. Er ist bereits 7 Wochen dort (eigentlich geht die Entgiftung nur 7-10 Tage und mittlerweile ist die Sucht sein geringstes Problem) und er ist stark depressiv, psychotisch und ich glaube auch suizidal. Jedenfalls habe ich jede freie Minute genutzt, um mit ihm zu reden und ich hatte das Gefühl, dass ich die Einzige bin, mit der er auch richtig reden kann, da ihm weder Ärzte noch andere Pfleger richtig zugehört haben. Als dann, am Freitag, mein letzter Arbeitstag war, war ich sehr traurig, dass ich ihn nicht mehr sehen werde und habe ihm meine Nummer gegeben. Erste Frage, war das ein Fehler? Ich habe am Anfang gedacht, dass ich keinerlei intime Gefühle für ihn habe (ich war davon überzeugt), bis jetzt.. Denn er hat nicht angerufen. Ich starre die ganze Zeit auf mein Handy und hoffe einen Anruf zu bekommen. Er hat nur meine Nummer, ich seine nicht. Ich hatte während dem Praktikum auch das Gefühl, dass er mich oft "angestarrt" hat und meine Nähe und das Gespräch mit mir gesucht hat, aber wieso ruft er nicht an? Zu der Zeit, als ich ihm den Zettel mit meiner Nummer gegeben habe, war er im Isolationszimmer, welches kameraüberwacht ist, so dass das Pflegepersonal sehen konnte, dass ich ihm einen Zettel gegeben habe. Könnte es sein, dass sie es ihm abgenommen haben? Ich habe heute Geburtstag, aber ich kann an nichts anderes denken, als an diesen Anruf, den ich unbedingt bekommen will. Soll ich vielleicht auf Station anrufen und mit ihm reden? Oder ist das zu aufdringlich? Vielleicht will er ja gar nicht mit mir reden, aber vielleicht ist er auch zu schüchtern, um anzurufen. Ich brauche Rat, was soll ich tun?
Christian Geinitz
Hallo Sarah,
tragen Sie sich mit dem Gedanken, einmal Psychiaterin zu werden? Hilfreich für mich wäre auch, Ihr Alter zu kennen.
Es ist so, dass man, wenn man beruflich psychiatrisch oder psychotherapeutisch mit Patienten zu tun hat, das ganz Persönliche möglichst außen vor lassen sollte, was nicht immer ganz leicht ist. Wenn man merkt, dass einem ein Patient doch gefühlsmäßig mehr bedeutet als bei der "normalen" Beziehung Patient-Helfer/in, so sollte man mit einem Kollegen (in Ihrem Fall mit einem ausgebildeten Psychiater oder Psychotherapeuten) offen darüber sprechen - das ist eine Art Supervision, die auch Fachleute in diesem Fachbereich immer wieder durchführen sollten. Ich weiß nicht, ob Sie noch die Möglichkeit haben, in der Klinik mit einer entsprechenden Fachkraft zu reden. Versuchen Sie jemanden zu finden.
Es ist für Sie nun eine schwierige Situation, da Sie sich anscheinend in den Patienten verliebt haben. Zunächst würde ich versuchen, mich abzulenken und nicht auf das Handy zu starren und zu warten. Machen Sie an Ihrem Geburtstag (herzlichen Glückwunsch und alles Gute!) vielleicht noch etwas mit einer Freundin oder einem Freund oder rufen Sie wenigstens jemanden an, mit dem Sie sich gut verstehen. Es könnte evtl. sein , dass man dem Patienten Ihren Zettel weggenommen hat, muss aber nicht unbedingt sein - vielleicht hat er auch keine Möglichkeit, Sie anzurufen oder scheut sich davor. Auf keinen Fall würde ich jetzt auf der Station anrufen, um mit ihm zu sprechen, so schwer Ihnen das auch fällt. Ich denke, es wäre besser zu warten und wenn es irgend geht, mit einer Fachkraft der Klinik zu sprechen, der diesen Patienten auch kennt und einschätzen kann, was für ihn (aber letztlich auch für Sie) gut wäre. Mit einem depressiven und psychotischen Menschen angemessen umzugehen, ist nicht einfach und es könnte sogar sein, dass eine neue starke Bindung mit Verliebtheit für ihn im Moment nicht förderlich ist. Aber das ist aus der Ferne schwer abzuschätzen. Da könnte Ihnen ein ihn behandelnder Arzt sicherlich Genaueres sagen. Vielleicht würde er sogar sagen, dass es gut wäre, den Patienten zu besuchen - aber machen Sie es möglichst nicht, bevor Sie mit einem Arzt der Klinik gesprochen haben.
Gern können Sie mir wieder schreiben oder besser noch mich anrufen. Ich wünsche Ihnen zunächst, dass sich für Sie eine Lösung finden wird.
Beste Grüße
Christian Geinitz

Ratsuchende(r)
Ich bin 18 geworden und er ist ca 25. Ich weiß, dass es wohl das Beste wäre, mit jemandem von den Pflegern zu sprechen, aber das ist mir sehr unangenehm, außerdem will ich dort auch in den Ferien arbeiten und ich will nicht, dass es dadurch beeinflusst wird.
Er hat auf mich den Eindruck gemacht, als würde ich ihm gut tun. Er hat sogar mit mir gelacht, was die Pfleger nicht von ihm kannten, da er wirklich sehr stark depressiv ist. Ich weiß auch nicht, wie es weitergehen soll, falls er anrufen sollte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich verliebt bin oder einfach nur freundschaftliches Interesse an ihm habe. Am Wichtigsten ist mir einfach, dass es ihm besser geht und wenn er mit mir geredet hat und mit mir im Ausgang war, ging es ihm sichtlich besser.
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Christian Geinitz
Hallo Sarah,

wenn Sie wirklich nicht vorher mit einem Arzt der Klinik sprechen wollen (was wie gesagt gut wäre), können Sie ihn ja kurz besuchen und ihn fragen, ob er es gern hat, wenn Sie ihn besuchen. Wahrscheinlich wird ja seine Reaktion positiv ausfallen, aber vielleicht braucht er auch sehr viel Ruhe im Moment. Versuchen Sie möglichst "professionell" mit der Situation umzugehen. Und wägen Sie ab, was für i h n in seiner augenblicklichen Lage wohl das Beste ist.

Viele Grüße
Christian Geinitz
Ratsuchende(r)
Vielen Dank, sie haben Recht, das mache ich.
Ratsuchende(r)
Kann ich auch anrufen, statt besuchen? Es gibt ein Patiententelefon auf der Station. Oder wäre es besser, hinzugehen?
Christian Geinitz
Hallo S.,

ich fände es besser, hinzugehen statt anzurufen; es ist doch persönlicher und gerade für einen psychisch labilen Menschen wahrscheinlch günstiger. Aber seien Sie vorsichtig und lassen Sie ihn nicht zu große Erwartungen haben, die Sie vielleicht nicht erfüllen können.

Beste Grüße
Christian Geinitz

Ihr(e) Berater(in)

Christian Geinitz

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